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Fußball Zwanziger spricht von „Amtsmüdigkeit“ - Löw lässt DFB warten
Sport Fußball Zwanziger spricht von „Amtsmüdigkeit“ - Löw lässt DFB warten
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16:37 19.07.2010
Spricht von "Amtsmüdigkeit": DFB-Präsident Theo Zwanziger Quelle: dpa

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat einem Medienbericht zufolge erstmals Zweifel an einer weiteren Amtszeit geäußert und von „Amtsmüdigkeit“ gesprochen. Es sei „momentan völlig offen“, ob er im Oktober bei der Wahl des Präsidenten erneut kandidieren werde, sagte Zwanziger der „Rhein-Zeitung“. Grund für diese Überlegungen sei auch die heftige Kritik an seiner Person. „Die Amtsmüdigkeit, die gibt es“, sagte der 65-Jährige. Zuvor hatte er nach Angaben der Zeitung am Sonntag vor Delegierten des Fußballverbands Rheinland in Altenkirchen erklärt: „Ich spüre eine tiefe Sehnsucht nach dem Privaten.“

Die Entscheidung, ob er erneut für das Amt zur Verfügung stehe, solle bis zur kommenden Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes am 30. Juli gefallen sein. „Dann müssen sich alle erklären, auch ich“, sagte Zwanziger.

Joachim Löw trifft die Fußball-Weltmeister von 1990. Doch statt in die Vergangenheit blicken alle in die Zukunft. Nur Löw äußert sich nicht. Er sucht Ruhe und Kraft. Und schließt die von allen erhoffte schnelle Entscheidung aus.

Beim ersten Auftritt in seiner Heimat nach der Fußball-WM ließ Löw seine berufliche Zukunft offen. Im Europa-Park in Rust traf er in der Nacht zum Samstag die Weltmeister von 1990 und Verantwortliche des DFB. Diese forderten den Schwarzwälder auf, weiterzumachen. Antworten blieb Löw schuldig, eine schnelle Entscheidung schloss er aus. Fans und Medien ging der 50-Jährige aus dem Weg.

„Es drängt ihn ja niemand. Aber es wäre schon schön, wenn der Jogi Löw sich bald mal äußern würde. Das nächste Länderspiel steht ja bereits vor der Tür“, sagte Franz Beckenbauer, DFB-Teamchef von 1984 bis 1990. Der „Kaiser“ und seine WM-Mannschaft von 1990 sollten gefeiert werden: 20 Jahre nach dem Titelgewinn in Rom hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Akteure von damals in den Freizeitpark geladen. Mit Beckenbauer, Rudi Völler und Berti Vogts waren drei Vorgänger von Löw dabei. Löws früherer Chef Jürgen Klinsmann, der in den USA lebt, hatte abgesagt.

Löw, der im 40 Kilometer entfernten Wittnau bei Freiburg lebt, kam als Letzter zur Party. „Es ist schön, unter Freunden und Vertrauten zu sein“, sagte er. Nach der WM ist Löw auf Tauchstation gegangen und bietet Anlass für Spekulationen. „Ich brauche Ruhe, um Kraft und Gedanken zu sammeln“, sagte er am Rande der Feier der Nachrichtenagentur dpa. Die WM sei anstrengend und kräftezehrend gewesen. Ob er als Bundestrainer weitermache, sagte er nicht. Es sei nicht die Zeit für öffentliche Statements.

Zuvor hatte sich Löw, erstmals seit der WM, mit seinem Trainerstab zusammengesetzt. Das Treffen in Freiburg mit Assistenztrainer Hansi Flick, Teammanager Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke brachte in Sachen Vertragsverlängerung kein Ergebnis. In den kommenden Tagen werde es erneut ein solches Treffen geben, sagte Löw. Entschieden sei noch nichts. „Es sind noch Gespräche nötig.“ Eine schnelle Entscheidung werde es nicht geben.

Der DFB muss sich also gedulden. Dennoch wurde Löw gefeiert. Als er in Rust den Saal betrat, standen die Weltmeister von 1990 geschlossen auf und empfingen ihn mit Applaus. „Ihr habt eine tolle WM gespielt“, sagte Beckenbauer. „Deutschland ist stolz auf Euch.“ Dass Löw zur Feier des DFB kam, werteten viele der Beteiligten als Signal. Angesagt hatte sich auch DFB-Präsident Theo Zwanziger. Doch der sagte kurzfristig ab, nachdem er an einem Infekt erkrankte. Dabei war indes DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Als Löw neben Beckenbauer und Niersbach am Ehrentisch Platz nahm, wurde heftig diskutiert. Festlegen wollte sich Löw auch hier nicht. Doch die Zeit drängt: Am 11. August hat die Nationalelf ihr nächstes Länderspiel. Und DFB-Chef Zwanziger hofft, dass spätestens am 30. Juli bei der Präsidiumssitzung des DFB feststeht, wer als Bundestrainer Deutschland in die EM-Qualifikation für 2012 führt.

„Es wäre doch schade, wenn Jogi Löw jetzt hinschmeißen würde“, sagte Rudi Völler. „Er hat mit dieser Mannschaft so viel aufgebaut. Wenn er jetzt geht, profitiert ein anderer davon und holt bei der Europameisterschaft in zwei Jahren die Lorbeeren.“ Berti Vogts betonte: „Jogi Löw und diese Mannschaft haben eine Verbindung.“ Löw habe mit seinem Spielkonzept ein erfolgreiches Team geformt, das noch viel Potenzial habe. Er solle daher an Bord bleiben.

Die Fans, die ihn bei seiner Ankunft umringten, vertröstete Löw. „Ich komme gleich nochmal vorbei“, sagte er, nachdem er ein paar Autogramme gegeben hatte. Die Fans warteten, doch Löw kam nicht mehr. Er blieb im abgeschirmten Kreis seiner Fußball-Kollegen. Unter ihnen Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus, Bodo Illgner, Pierre Littbarski, Klaus Augenthaler, Guido Buchwald, Jürgen Kohler, Andreas Brehme, Thomas Häßler und der damalige Torwarttrainer Sepp Maier.

Auch im öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Michael Ballack und Philipp Lahm um die Kapitänsbinde in der Nationalmannschaft war die Position beim Treffen der WM-Veteranen eindeutig. „Michael Ballack ist der Kapitän“, sagte Beckenbauer. Ballack und Lahm sollten sich aussprechen.

dpa

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