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Fußball Jetzt macht er die Engel zum Meister
Sport Fußball Jetzt macht er die Engel zum Meister
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00:15 07.02.2015
Im Alter von 80 Jahren gestorben: Fußball-Trainer Udo Lattek. Quelle: dpa/Archiv
Köln

„Ich bin ein Bauernsohn, aus dem Nichts gekommen. Ich habe dem Fußball alles zu verdanken.“

So reflektierte Udo Lattek einmal sich und sein Leben. Der Bauernsohn, der sich zu Deutschlands erfolgreichstem Vereinstrainer emporgearbeitet hatte, der den FC Bayern geprägt hat wie kaum ein anderer, ist tot. Gestern wurde bekannt: Am Sonnabend starb Lattek im Alter von 80 Jahren. Zuletzt lebte der gebürtige Ostpreuße in einem Pflegeheim in Köln, seine Frau Hildegard hatte ein Apartment neben der Altersresidenz angemietet. Seinen 80. Geburtstag hatte er noch erreicht. Gefeiert wurde am
16. Januar im kleinen Familienkreis.

Udo Lattek hat viel durchgemacht in den letzten Jahren seines Lebens.

Zwei Schlaganfälle, der erste im August 2010, sowie eine Gehirnoperation wegen eines gutartigen Tumors. 2013 wurde bei ihm die Parkinson-Krankheit diagnostiziert. Zudem litt er an schleichender Altersdemenz. Sein Körper verweigerte seinem Kopf die Gefolgschaft, und wie durch eine Sanduhr rann die Erinnerung an sein Lebenswerk. Sandkorn für Sandkorn, Anekdote für Anekdote.

Als ihn ein Reporter, der einst Latteks Memoiren verfasste, vor ein paar Wochen besuchen wollte, wurde er nicht an dessen Bett gelassen. Der große Meister fühlte sich zu schwach, durfte die Pflegestation nicht verlassen – nicht mal im Rollstuhl, auf den er angewiesen war. Die Besuche der Kinder sowie der Enkel, hin und wieder die Sonntagsmesse in der Kirche, mal ein halbes Glas Kölsch – das waren die letzten Freuden in seinem Leben.

„Ich habe keine Angst vor dem Sterben, aber vor dem Dahinsiechen“, sagte Lattek einmal. Laut seiner Frau Hildegard fühlte er zuletzt „keine Schmerzen“ und hatte mit seinem Lebensinhalt, „mit dem Fußball abgeschlossen“. Frau Lattek erzählte: „Auch das WM-Fieber hat ihn nicht richtig gepackt. Wenn ein ganz interessantes Spiel war und ich meinte, er solle doch hinschauen, sagte er zu mir: ,Ich gucke doch hin.‘ In Wirklichkeit hat er ins Leere geblickt. Ich hatte den Eindruck, es interessiert ihn nicht mehr so.“ Nach dem Champions-League-Finale 2013 zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion sagte ein schon sichtbar geschwächter Lattek: „Das war die letzte Reise meines Lebens.“ So wurde der große Trainer Augenzeuge beim letzten großen Triumph einer seiner Mannschaften.

Über den Job als Assistent von Bundestrainer Helmut Schön schaffte Lattek, der bereits ab 1965 für den Deutschen Fußball-Bund gearbeitet hatte, 1970 den Sprung in die Bundesliga. Franz Beckenbauer lotste ihn damals nach München, er selbst brachte Uli Hoeneß und Paul Breitner zu Bayern.

Gemeinsam gewann man 1972 die erste Meisterschaft, 1974 den Europapokal der Landesmeister – mit der berühmten Achse um Torwart Sepp Maier, Libero Franz Beckenbauer und Torjäger Gerd Müller. 14 Titel, darunter alle drei Europapokale, gewann Lattek mit Bayern München, Borussia Mönchengladbach und dem FC Barcelona.

„Er war wie ein zwölfter Spieler. Ich habe ihn nie als einen Trainer empfunden, eher als einen Kumpel“, sagte Maier.

Der blaue Glücks-Pullover wurde legendär

Später arbeitete Lattek als Technischer Direktor beim 1. FC Köln – mit seinem legendären blauen Glücks-Pullover, den er bei einer Serie von 15 Spielen ohne Niederlage trug. Im Ruhrpott trainierte er sowohl den FC Schalke 04 als auch Borussia Dortmund. Den BVB bewahrte er gemeinsam mit seinem damaligen Assistenten Matthias Sammer im Jahr 2000 vor dem Abstieg. Danach zog er sich aus dem Trainergeschäft zurück und wechselte als Zeitungskolumnist und TV-Experte („Doppelpass“ bei DSF/Sport1) die Seiten. Lattek wurde Kult.

Schonungslos analysierte er das Bundesliga-Geschehen, legte sich sogar mit Bayern-Manager Uli Hoeneß an.

Als ein Münchner Reporter zuletzt das Glück hatte, den großen Bayern-Trainer im Januar 2013 ans Telefon zu bekommen, war seine Stimme leise und schwach. Er bemühte sich, so gut es ging, Antworten zu geben, hatte jedoch Schwierigkeiten, bestimmte Zusammenhänge herzustellen. Dennoch freute er sich damals, über Fußball zu sprechen. „Machen Sie es gut“, sprach er ins Telefon, „grüßen Sie mir München.“ Wenige Wochen später sagte seine Frau dem Reporter, dass es keinen großen Sinn mehr mache, mit ihm zu sprechen. Die Erinnerungslücken wurden zu groß, es strengte ihn zu sehr an. „Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich mehr richtig als falsch gemacht habe“, sagte er zu seinem 75. Geburtstag. Schön, wenn jemand das von sich behaupten kann. Er ruhe in Frieden.

„Wenn im Himmel Fußball gespielt wird, dann ab sofort erfolgreich“, sagte Nationalspieler Benedikt Höwedes. Latteks acht deutschen Meistertitel als Trainer sind bis heute Rekord. Jetzt macht er die Engel zum Meister.

Von Patrick Strasser 
und Udo Muras

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