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Fußball HSV Hamburg gewinnt Handball-Champions-League
Sport Fußball HSV Hamburg gewinnt Handball-Champions-League
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15:01 05.06.2013
Große Freude: Die Handballer des HSV Hamburg haben zum ersten Mal die Champions League gewonnen. Quelle: dpa
Köln

Um 20.07 Uhr brachen alle Dämme, wurde die Kölner Lanxess-Arena zum Hamburger Freudenhaus. Rutenkas direkter Freiwurf, Barcelonas letzte Chance, er war im Fangnetz über dem Tor gelandet. Der HSV hatte es geschafft, ist Europas bester Handball-Klub. "Mimi" Kraus rannte wie vom Katapult abgefeuert, quer durch die Arena in die Fanecke. Jubelnd, schreiend, sich das Trikot über den Kopf ziehend. Am anderen Ende wurde Torhüter Johannes Bitter unter einer Jubeltraube begraben. Trainer Martin Schwalb, der zuvor schon viel zu früh tanzend über das Spielfeld gerannt war, wusste mit seinem Glück nicht wohin, herzte das Maskottchen. In einem denkwürdigen Spiel hatten die Hamburger mit Kampfgeist und Leidenschaft in ihrem ersten Champions-League-Finale den FC Barcelona in der Verlängerung mit 30:29 (25:25, 9:11) niedergerungen.

Und die Mixedzone, da, wo Journalisten gefühlechte Informationen abrufen, wurde zum HSV-Jubelparcour. Pascal Hens, nach Sekt und Schweiß duftend, küsste den Pokal. "Das ist ein Riesending, wir waren hier Außenseiter, das macht mich unheimlich stolz." Jogi Bitter, der sich "nur noch pänomenal und leer" fühlte, wollte den Pott gar nicht mehr hergeben, schulterte das eigenwillige Kunstwerk: "Für mich ist es der schönste Pokal, denn dahinter steckt ein ganz langer Weg mit zwei Siegen am Ende über Kiel und Barcelona." Und "Mimi" Kraus empfand nur noch Glück. Nach drei unglücklichen Jahren an der Alster, avancierte der als Fehleinkauf abgestempelte Bald-Göppinger zum Matchwinner, nicht nur ob seiner sechs Treffer nach der Pause. "Ob das mein bestes Spiel für den HSV war, keine Ahnung, es war mein wichtigstes." Und klar, er verspüre Genugtuung. "Wenn zwei blinde Jahre dafür der Preis waren, zahle ich den gern."

Hamburg ist im siebten Handball-Himmel. Zwei Jahre nach dem Meistertitel feierte der HSV seinen größten Vereinserfolg, spielte ein Wochenende wie im Rausch. Schon im Halbfinale gegen den THW Kiel. Mit 39:33 hatten die "Schwalb-Männer" den Dauersieger aus Kiel, die "Überirdischen" nicht nur geerdet, ihnen das Double-Triple vermiest, sondern sie regelrecht gedemütigt. Als erstes Team angereist, war der HSV zuletzt nur beim Meistertitel 2011 so fokussiert, so gierig auf den Erfolg. Im Halbfinale kauften die Hamburger dem THW mit einem beeindruckenden Tempospiel, einem entfesselt aufspielenden Duvnjak (11 Tore), einem Hens, der mutig wie selten aus dem Rückraum warf und traf, und Anspielen (Lijewski), die für Raunen in der Arena sorgten, den Schneid ab. Kurzum: Der HSV spielte THW, überrannte Kiels Abwehr, die sich ihren Namen nicht verdiente, regelrecht. 22 Stunden später drohten sie dafür aber den Preis zu zahlen. In einem zähen, kämpferischen Spiel rieben sich Duvnjak & Co. an der Barca-Abwehr auf.

Die Angriffe prallten immer wieder an der katalanischen Gummwiwand ab. Hamburg kämpfte, ackerte, lief aber immer wieder einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher. Offensichtlich: Es fehlte an Frische, an Spritzigkeit. Beim 10:13 (35.) schien Barca auf die Siegerstraße einzubiegen, doch dann zog Schwalb "Joker" Kraus aus dem Ärmel. Der Spielmacher hatte zuvor nicht eine Minute in Köln gespielt. Am Abend zuvor, hatte Schwalb zu Kraus gemeint, Junge, das wird dein Spiel. Und es wurde es. Mit dem "Sunnyboy" kehrte Dynamik und Schwung zurück. Kraus warf, traf, spielte rotzfrech. Zuletzt hatte er 2007 beim WM-Sieg einer Partie so den Stempel augedrückt. Und als er zur ersten Führung traf (16:15/41.), war die Bremse gelöst. Der HSV rannte - auch dank einem nun überragenden Bitter (17 Paraden) – auf 24:20 (55.) davon. "Da hatte ich schon gedacht es reicht", gab Schwalb zu. Doch Barcelona kam zurück, glich aus (24:24/58.). Jetzt kam Hektik und Dramatik ins Spiel. Lindberg legte 127 Sekunden vor Schluss das 25:24 vor, doch Rutenka, Barcas Bester (8 Treffer), glich aus. Kraus traf 45 Sekunden vor Schluss den Pfosten. Letztlich war es Bitter, der den HSV mit einer Parade nach Rutenka-Wurf in die Verlängerung rettete. In der legte Duvnjak mit zwei Treffern zum 27:25 den Grundstein. "Wir haben hier ein riesiges Herz gzeigt", meinte Bitter.

HSV-Präsident Mattthias Rudolph stand derweil mit Tränen in den Augen in der Arena, dankte seinem Bruder Andreas (Medizintechnik-Unternehmer), der bisher mehr als 20 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat: "Ohne ihn und Schwalb würde es den Verein nicht mehr geben." Und die Weichen in die Zukunft sind bereits gestellt, der dänische Kreisläufer Henrik Toft Hansen (Silkeborg), Adrian Pfahl und Kentin Mahé (beide VfL Gummersbach) sowie Petar Djordjic (Flensburg) und der schwedische Keeper Marcus Cleverly als Neuzgang verpflichtet. Und am Mittwoch wird der neue Geschäftsführer vorgestellt: Es ist Frank Rost, der ehemalige Fußball-Torhüter.

Und der THW? Machte da weiter, wo er gegen Hamburg aufgehört hatte, verlor auch das Bronze-Spiel gegen den polnischen Final4-Neuling Kielce mit 30:31, (12:19), lag sogar schon 5:14 (17.) zurück. Es war eines der schwärzesten Wochenende in der jungen Kieler Handball-Historie.

Jens Kürbis

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