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Fußball „Immer noch ein kleines Abenteuer“
Sport Fußball „Immer noch ein kleines Abenteuer“
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13:57 01.02.2015
2011 spielte Björn Lindemann noch für den VfL Osnabrück – jetzt hat er in der Thai League seine sportliche Heimat gefunden.  Quelle: dpa (Archiv)

Herr Lindemann, in Deutschland haben Sie in der 2. und 3. Liga gespielt. Empfinden Sie das Engagement in Thailand im Vergleich dazu als Abstieg?
Ich wollte einfach liebend gern kicken, dafür musste ich hier noch viel lernen. Und ich bin immer noch dabei, mich selbst zu finden. Das ist immer noch ein kleines Abenteuer, aber das Leben hier hat mich persönlich sehr weitergebracht, die vielen Sprachen, Religionen und Menschen. Außerdem habe ich hier ein schönes Leben, ich verdiene sehr gut, und die Stadt, in der ich jetzt spiele, Nakhon Ratchasima, hat 136 000 Einwohner, hier gibt es Berge und gute Luft – ein bisschen so wie in der Schweiz.

Zum jetzigen Saisonstart sind Sie ja zum FC Nakhon Ratchasima gewechselt, der gerade in die 1. Liga aufgestiegen ist. Wie kam das?
Der Verein zahlt gut, und das Stadion fasst 20.000 Zuschauer. Da wird auch das Spielen Spaß machen, die Saison beginnt ja erst Mitte Februar. Die meisten Ausländer hier haben aber ein reines Söldnerdenken, die kommen wegen des Geldes.

Sie nicht?
Teils, teils. Das ganze Drumherum und das Umfeld müssen auch stimmen. In Jena habe ich mich zum Beispiel überhaupt nicht wohlgefühlt, ich mochte das Umfeld und die Leute nicht. Da ist meine Leistung gleich um 60 bis 70 Prozent runtergegangen. Aber insgesamt muss man natürlich Geld verdienen und mitnehmen, was geht.

Wollen Sie in Thailand bleiben oder könnten Sie sich auch eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen?
Ich plane, in drei, vier Jahren aufzuhören. Ich habe mich hier gut hochgearbeitet und könnte mir deshalb vorstellen, noch hierzubleiben. Aber da habe ich noch keinen Plan, ich will mich da nicht festlegen. Ich bin hier gerade ins Beratergeschäft eingestiegen, mal sehen, wie das so läuft. Ich bin aber auch nicht abgeneigt, etwas anderes zu machen, zum Beispiel nach Deutschland in die Amateurliga zu gehen und mich dann als Ko-Trainer hochzuarbeiten.

Beim VfL Osnabrück, Ihrem alten Verein zum Beispiel? Es gibt ja immer noch Fans, die wollen, dass Sie zurückkommen.
Ich hatte eine tolle Zeit in Osnabrück. Klar würde ich dem VfL immer helfen, und jeder da hat meine Telefonnummer, wenn was sein sollte. Ich beobachte aber alle meine Ex-Vereine.

Haben Sie auch noch Kontakt zu 96-Spielern aus Ihrer Zeit in Hannover?
Aus der Jugend gibt es noch ein, zwei Leute, da kennt man sich eben. Altin Lala habe ich in Hannover auch mal getroffen. Ich bin ganz gern in Hannover, weil ich mich da auskenne. Der Amateurtrainer von 96 versucht sogar immer noch, mich zurückzuholen.

Wirklich?
Ja, das war vor zwei Jahren, es ging um die Regionalliga. Ich muss mal sehen, wie ich da weitermache. Der Fußball ist ja ein schnelllebiges Geschäft, da ist Kontakthalten immer wichtig.

Wie bekannt sind Sie in Thailand?
Ich werde oft angesprochen, und neulich war mein Gesicht sogar auf Zügen zu sehen, weil ich Werbung für unseren Sponsor Chang gemacht habe. Ich warte auch noch, dass Adidas sich bei mir meldet.

Wie oft kommen Sie denn noch in die deutsche Heimat?
Ich versuche immer, einmal im Jahr zu Weihnachten in Münchehagen, meinem Heimatort, zu sein. Dieses Mal habe ich es leider nicht geschafft, dafür war ich ein paar Tage später bei einem Benefizturnier vor Ort. Es ist nicht so einfach, weil mir der deutschen Winter nach drei Jahren Thailand einfach zu kalt ist. Hier sind sogar abends noch 27 Grad.

Auf welchem Niveau ist die thailändische 1. Liga im Vergleich zu der 2. und 3. Liga in Deutschland?
In der Liga geht es stetig bergauf. Vor einigen Jahren hätte ich gesagt, das Niveau entspricht der 3. Liga, mittlerweile würde ich 2. Liga sagen.

Welche Unterschiede gibt es noch?
Die Stadien sehen anders aus, sonst ist vieles gleich wie beispielsweise das Training. Allerdings läuft die Saison ohne Pause von Februar bis November. Ich trainiere sechsmal pro Woche, und am Wochenende haben wir ein Spiel.

Und die Spieler?
Die Thais sind kleiner, aber wendiger, dafür fehlt ihnen die körperliche Robustheit. Ich gehöre ja zu den wenigen Ausländern der Liga, pro Mannschaft sind jetzt nur noch fünf Kicker erlaubt, die nicht aus Thailand stammen. Die meisten Ausländer sind hier Brasilianer und Koreaner.

Und Sie sind der einzige Deutsche in Thailand. Wie schwer war der Start?
Na ja, da kommt einer auf den Platz, der zehnmal so viel verdient wie ein Einheimischer. Die Kollegen waren natürlich erst mal neidisch, und der Trainer hatte sehr hohe Erwartungen. Das erste Jahr war sehr hart. Später habe ich mich aber gefangen, und ich komme jetzt auch gut mit den anderen Spielern klar.

Sie fühlen sich also richtig wohl.
Jetzt beginnt meine vierte Saison, da bin ich stolz drauf. Es haben schon einige Deutsche versucht, sich hier durchzusetzen, der frühere Nationalspieler Manuel Friedrich zum Beispiel war zum Probetraining in Thailand. Er hat es aber nicht geschafft, aber ich bin immer noch hier.

Und nichts bringt Sie aus der Ruhe?
Es ist alles ein bisschen entspannter als in Deutschland. Hier es ist zum Beispiel okay, wenn einer mal fünf Minuten zu spät zum Training kommt. Das war am Anfang für mich schwierig. Ich bin ja der typische Deutsche für meine Kollegen.

Diesen Ruf genossen Sie in Ihrer Heimat nicht gerade. Bereuen Sie Disziplinlosigkeiten wie jene, die den Rauswurf in Osnabrück und die Probleme in Jena zur Folge hatten?
Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich sicher einiges anders machen. Ich habe immer polarisiert, und sicher viele Sachen zur falschen Zeit gemacht. Im Endeffekt muss es mir aber wehtun und nicht anderen. Andererseits: Hätte mich wirklich einer gewollt, dann hätte er mir auch eine Chance gegeben, trotz allem.

Sie sehen Anteile also auch bei den Vereinen. Aber sind Sie nicht trotzdem traurig wegen der verpassten Chancen?
Ich habe hier deutsches Fernsehen, und wenn ich dann Bundesliga schaue, denke ich schon: Wow, da hättest du auch spielen können. Aber andererseits spiele ich hier vor bis zu 25 000 Zuschauern, das konnte ich in der 3. Liga nicht immer haben.

Interview: Sabrina Mazzola

Zur Person

Björn Lindemann (31) spielte als Kind beim VfL Münchehagen und TSV Loccum, ehe er 1998 zu Hannover 96 wechselte. Dort war er bis 2004 zunächst in der Jugend, dann in der 2. Mannschaft aktiv. Über Holstein Kiel, den VfB Lübeck, den 1. FC Magdeburg und den SC Paderborn 07 kam er 2009 zum VfL Osnabrück. Mit der Mannschaft stieg er ein Jahr später in die 2. Liga auf. 2011 musste er aber den Club verlassen, nachdem er alkoholisiert und verspätet zum Training gekommen war. Beim FC Carl Zeiss Jena blieb Lindemann anschließend nur ein halbes Jahr bis Dezember 2011. Seit 2012 läuft er in der Thai Premier League auf, zunächst für Army United und den FC Suphanburi, jetzt für FC Nakhon Ratchasima.

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