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Fußball Fußball-WM in Katar soll im Winter stattfinden
Sport Fußball Fußball-WM in Katar soll im Winter stattfinden
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00:19 26.02.2015
Wird im Winter ausgetragen: Die Fußball-WM 2022 in Katar – hier Fifa-Chef Sepp Blatter bei der Bekanntgabe 2010. Quelle: dpa
Doha

Jetzt hat die Fifa also entschieden, auch wenn die Entscheidung erst einmal eine Vorentscheidung ist. Knapp zwei Stunden brauchten die 40 Delegierten der Taskforce des Fußball-Weltverbandes gestern in Doha, um sich auf einen Termin für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar zu einigen. Ihr Vorschlag: Eine verkürzte Austragung vom 26. November bis 23. Dezember. Wir erklären, was die Winter-WM für die Fußball-Bundesligisten bedeutet und warum der Gegenwind immer noch stark ist.

Ist die November/Dezember-Variante jetzt der endgültige Termin?

Nein, noch nicht ganz. Endgültig entscheidet die Fifa-Executive am 19. und 20. März. Eine Sommer-WM ist aufgrund der hohen Temperaturen wohl endgültig vom Tisch. Gestern hieß es von der Fifa, dass nur der November/Dezember als möglicher Ausweichtermin infrage kommen könne – dann liegen die Temperaturen in Katar bei 25 Grad. Eine WM im Januar und Februar würde mit den Olympischen Winterspielen (vom 4. bis 20. Februar in Almaty oder Peking) kollidieren, und auch der von den europäischen Fußballklubs vorgeschlagene Termin im Frühjahr ist keine Alternative: Zum einen liegen die Temperaturen etwa im Mai in Katar bereits bei über 30 Grad, zum anderen beginnt am 2. April 2022 der Fastenmonat Ramadan, in dem sich die Gastgeber keine Weltmeisterschaft vorstellen können.

Wie sind die Reaktionen auf die WM in der Adventszeit?

Gestern drückten erneut Klubverantwortliche, Funktionäre und Verbandspräsidenten ihren Unmut über eine Winter-WM aus. „Aus Sicht eines professionellen Fußballklubs ist so eine Terminierung eigentlich undenkbar“, sagte etwa Dietmar Beiersdorfer, der Sportvorstand des Hamburger SV. Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl warnt: „Dieser WM-Termin würde den Bundesliga-Terminkalender von mindestens zwei, wahrscheinlich sogar drei Spielzeiten massiv beeinflussen. Ganz zu schweigen davon, dass die Vereine einen Zeitraum von mehr als drei Monaten ohne Zuschauereinnahmen überbrücken müssten.“ Und selbst DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gab zu: „Es fällt schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ein WM-Finale kurz vor Weihnachten stattfinden soll. „Jetzt sind die Terminplaner gefragt, bestmögliche Lösungen zu finden, was sicher nicht einfach, aber auch nicht unmöglich ist.“ Dass eine WM im Winter kommen würde, war dennoch bereits erwartet worden.

Was sind die größten Probleme einer WM im Winter?

Der Ligabetrieb muss gemäß Reglement dreieinhalb Wochen vor dem WM-Start eingestellt werden. Das hieße, dass am 29./30. Oktober der letzte Spieltag des Jahres 2022 stattfinden könnte. Auch nach dem WM-Finale müsste den Spielern eine gewisse Pause zugestanden werden. Frühestens Mitte Januar könnte der Ball wieder rollen, womit der Spielbetrieb in den Ligen gut zweieinhalb Monate ruhen würde. Der November und der Dezember sind dabei gerade die Monate, in denen es in den Topligen spannend wird. In der Champions League fallen die Entscheidungen in der Gruppenphase. In England ist die Empörung groß, weil der Boxing Day, einer der lukrativsten Spieltage des Jahres, am zweiten Weihnachtsfeiertag wegfallen würde. Da die Vereine über diesen langen Zeitraum zudem auf ihre Nationalspieler verzichten müssen, „erwarten wir die seriöse Bereitschaft, den Schaden für die Klubs zu kompensieren“, stellte Karl-Heinz Rummenigge, Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA, bereits klar. Auf den Fußball-Weltverband werden hohe Ausgleichszahlungen zukommen.

Und wie sieht die Lösung aus?

Eigentlich können die Spielplanmacher an der Aufgabe, es allen recht zu machen, nur scheitern. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Bundesliga einige Wochen früher startet, wie es etwa in der 2. Liga schon der Fall ist. Die Meisterschale dürfte erst im Juni und damit gut einen Monat später übergeben werden.

Was sagen die Wintersportler zur Fußball-WM in „ihrer“ Jahreszeit?

Im November/Dezember laufen hochkarätige Wintersportveranstaltungen bereits auf vollen Touren. „Dass es hier zu Interessenkollisionen kommen wird, liegt auf der Hand“, bemerkte der Präsident des Deutschen Skiverbandes, Franz Steinle. Zwar ist die Erleichterung groß, dass die WM nicht parallel zu den Olympischen Winterspielen ausgetragen wird, aber „müssen wir jetzt einen Kniefall vor Herrn Blatter machen, weil es sich nicht mit Olympia überschneidet?“, schimpfte gestern Andreas Trautvetter, der Präsident des Bob- und Schlittensportverbandes. „Der Gottvater thront über allen und bringt die Wintersportarten mit einem Federstrich in große Probleme. Ich finde das katastrophal.“ Ein weiteres Problem sieht Trautvetter in den Vermarktungsmöglichkeiten und Fernsehzeiten. „Das ist genau der Zeitraum, in dem wir richtig mit den Übertragungen des Wintersports anfangen“, hieß es bereits vonseiten des ZDF. „Wir können unsere Bahnen ja auch bis März vereisen. Größere Probleme haben da die Skisportler“, sagt Trautvetter.

Und was sagen die Fans?

Die nehmen die ganze Debatte mit Humor. Die einen betonen auf Twitter und Facebook, dass sie sich eine Weltmeisterschaft ohne T-Shirt-Wetter und Sommergrillen nicht vorstellen können, andere freuen sich auf Public Viewing mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt – und sammeln unter „#Winterwmlieder“ auf Twitter schon fleißig Liedgut wie „Süßer die Tore nie fielen“, „Es ist ein Kroos entsprungen“, „In der Weihnachtskickerei“ oder „Last world cup I gave you my shirt“. Und während die Biergartenwirte aufstöhnen, pries der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Bars, Cafés oder Restaurants als „öffentliches Wohnzimmer für Millionen Fußballfans auch im November und Dezember“ an. Und auch die deutschen Bierbrauer betonen, dass „zu einem guten Spiel immer ein gutes Bier passt – ob im Hochsommer oder im Advent“. Zumindest das ist schon mal geklärt.     


Stefan Tabeling, 
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