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Fußball Slomka wird neuer Trainer beim HSV
Sport Fußball Slomka wird neuer Trainer beim HSV
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10:11 17.02.2014
War Ende Dezember in Hannover entlassen worden: Mirko Slomka. Quelle: dpa
Hamburg

Es waren nur noch ein paar Vertragsdetails zu klären, was allerdings nicht nebenbei bei einem Kaffee geschehen konnte. Slomka, dessen Name im Polnischen „Strohhalm“ heißt, was gut zur Lage seines neuen Arbeitgebers passt, hat ja mit Harun Arslan einen gewandten Berater. Der hat ihm am Ende seiner vierjährigen Amtszeit bei Hannover 96 im Dezember zu einer angeblichen Abfindung von 1,5 Millionen Euro verholfen; am Sonnabend saßen Arslan und Slomka noch in Sinsheim beim Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und dem VfB Stuttgart neben Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne – ebenfalls ein Klient des Beraters aus Hannover. Freitagabend hatte Slomka mit seiner Frau Gunda noch den „Ball des Sports“ in seiner Heimatstadt besucht.

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Für Slomka folgt nun auf den einen HSV (den in Hannover) der andere HSV (der in Hamburg). Die notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats gilt als sicher, heute um 15 Uhr soll der 46-Jährige sein erstes Training in der Hansestadt leiten. Slomka übernimmt ein total verängstigtes Team – genau wie im Januar vor vier Jahren bei Hannover 96. Eines, das nach der siebten Bundesliganiederlage hintereinander eine Negativmarke für den HSV aufgestellt hat. Auch zwei Trainer-Entlassungen in einer Spielzeit hatte es beim „Bundesliga-Dino“
in 51 Jahren noch nicht gegeben.

Diese zweite Entlassung hatte der HSV-Vorsitzende Carl-Edgar Jarchow noch am Sonnabendabend verkündet. Kaum war der HSV-Mannschaftsbus am heimischen Stadion angekommen, trat Jarchow schon vor die Werbewand, um die „Freistellung“ mitzuteilen: „Wir haben die Lage analysiert nach dieser frustrierenden Niederlage und daraufhin Bert van Marwijk und seinen Assistenten Roel Coumans beurlaubt“, sagte er und fuhr fort, der Niederländer habe das „sehr nüchtern aufgenommen und auch Verständnis gezeigt, so wie wir ihn kennen“.

Dass van Marwijk laut „Bild“-Zeitung drei Millionen Euro Abfindung erhalten soll, dürfte zu der verständnisvollen Aufnahme sicherlich beigetragen haben, wirft aber auch Fragen auf, was für irrwitzige Verträge Jarchow und Co. in der Vergangenheit ausgehandelt haben.

Van Marwijks Bilanz in nur 143 Tagen liest sich wie die Schlussrechnung eines Insolvenzverwalters. In 15 Partien hat er nur zwölf Punkte erwirtschaftet, das sind 0,8 pro Spiel. Nur sein Vorvorgänger Michael Oenning hatte eine noch schlechtere Ausbeute, nämlich 0,64 Zähler pro Begegnung. Ob van Marwijk es ernst meinte, als er bei der Verabschiedung das Team lobte („Ich glaube weiterhin an euch, wie ich es die ganze Zeit gemacht habe“). Wie soll man so einen Satz einschätzen, nachdem man auch beim schwächsten Bundesligaangriff vier Tore kassiert hatte und inzwischen auf 51 Gegentreffer in 21 Spielen kommt?

Auf jeden Fall konnte man bei der Darbietung in Braunschweig an zwei Zitate der letzten Meistertrainer des HSV denken, die herbergerisches Format („Der Ball ist rund“) besitzen. Das eine stammt von Branko Zebec (Meister 1979), der einmal nach einem Spiel sagte: „Das Spiel hatte zwei Halbzeiten.“ Das stimmte auch in Braunschweig, wo die Hamburger in den ersten 45 Minuten keine Angst haben mussten vor den harmlosen Eintracht-Profis.

Ein undankbarer Job?

Übernimmt Slomka den undankbarsten Job der Liga? Er kann nur gewinnen, meint unser Sportchef Heiko Rehberg.

Dann aber kam die 2. Halbzeit mit Fehlern, die man sich als Bundesligacoach kaum vorstellen mag. Und so kam der zweite Denkspruch zum Tragen. Wenn Ernst Happel (Meister 1982 und 1983) über die Zusammenstellung einer Mannschaft sinnierte, sagte er gern: „Du brauchst den und den.“ Das bedeutete, man brauche unterschiedliche Stärken und Charaktere in einem Team. Happel hätte aber in Braunschweig mindestens das halbe Team nicht brauchen können.  Was soll man mit einem Torhüter, der zwar einen großen Namen hat (René Adler), der aber zweimal patzte und das Spiel zugunsten der Gastgeber kippen ließ? Der Keeper dürfte nach insgesamt mindestens fünf Fehlern mit Torfolgen in dieser Saison seine WM-Chance verspielt haben, 96-Profi Ron-Robert Zieler wird das aufmerksam registrieren.

Was soll man zudem mit Spielern wie Heiko Westermann und Tolgay Arslan, die Karim Bellarabi vor dem 4:2 veralberte wie Anfänger? Und was soll man schließlich mit einer „Holland-Connection“, die ihre Fähigkeiten so kärglich einbringt wie Kapitän Rafael van der Vaart (ausgewechselt mit Bänderriss und Kapselriss im rechten Sprunggelenk, er fällt drei Wochen aus) und die   beiden ausgeliehenen Ouasim Bouy und Ola John, die spielten, als sei es ihre erste Partie bei den Profis. Allein mit ihrer Aufstellung reduzierte van Marwijk sein Team praktisch um einen Spieler.

Doch das alles ist noch nicht so schlimm wie das Theater hinter den Kulissen. Mehrere Mitglieder des Aufsichtsrates wollen heute zurücktreten. Außer  dem früheren Chef Manfred Ertel steht auch sein Nachfolger Jens Meier vor der Demission, nachdem seine gewagte Offensive mit Felix Magath scheiterte.

Die jüngsten Ergebnisse sind wirtschaftlich erneut bitter. Zu den Abfindungen für den früheren Sportchef Frank Arnesen (1,4 Millionen Euro) und Trainer Thorsten Fink (800 000 Euro)  kommt jetzt die Entschädigung für van Marwijk. Bleibt sich Slomka in Hamburg treu, dürfte zudem ein größeres Mitarbeiterteam zu bezahlen sein, das der neue Trainer mitbringen wird.

Dieter Schatzschneider, einst für beide HSV auf Torejagd, hatte Slomkas engste Mitarbeiter bei 96 in einem HAZ-Interview jüngst als „Piephähne“ bezeichnet und Slomka geraten, sich bei einem neuen Klub von ihnen zu trennen. Mal schauen, wie viel vom hannoverschen HSV künftig in Hamburg auf der Bank sitzt ...

Von Jörg Marwedel und Heiko Rehberg

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