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14:46 23.02.2014
Deutschland muss es auf dem Weg zur EM 2016 mit Polen, Irland, Schottland, Georgien und Gibraltar aufnehmen. Quelle: dpa
Nizza

Das europäische Fußball-Baby Gibraltar, die kampfstarken Schotten und Polen mit Bundesligastar Robert Lewandowski - für die deutsche Nationalmannschaft stehen auf dem Weg zur EM 2016 in Frankreich zumindest einige reizvolle Aufeinandertreffen an. Zwar hält sich die sportliche Herausforderung für Bundestrainer Joachim Löw und sein Team, das in der Europameisterschafts-Qualifikation ab 7. September in der Gruppe D zudem gegen Georgien und erneut gegen Irland antreten muss, auch angesichts der umstrittenen Turnier-Aufstockung in Grenzen. Doch attraktiv sind die zwölf Ausscheidungsspiele für die DFB-Elf durchaus.

Speziell ist das Aufeinandertreffen mit Gibraltar, erst seit vergangenem Jahr UEFA-Mitglied. Das britische Überseegebiet an der Südspitze Spaniens hat kein eigenes Stadion und überhaupt erst ein Länderspiel ausgetragen. Das DFB-Team wird die Auswärts-Premiere gegen Gibraltar im portugiesischen Faro austragen. Auf Georgien war Deutschland bereits in der Qualifikation für die EM 1996 getroffen, hat dabei zweimal gewonnen (2:0, 4:1).

Gegen die Schotten hat es das letzte von 15 Länderspielen auf dem Weg zur EM 2004 gegeben. Das Team von Coach Gordon Strachan will in zwei Jahren zum dritten Mal nach 1992 und 1996 bei einer EM-Endrunde dabei sein. Gegen den Nachbarn Polen hat Deutschland noch nie ein Länderspiel verloren. Die Iren wurden in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Brasilien mit 6:1 und 3:0 abgefertigt. An der zwölften EM-Endrundenteilnahme des Rekordsiegers Deutschland zweifelt nach der schmucklosen Auslosungs-Zeremonie im Palais des Congrès Acropolis am Sonntag von Nizza wohl niemand.

Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hatte mit zwölf anderen ehemaligen europäischen Top-Keepern in der von Ruud Gullit und Bixente Lizarazu moderierten schlichten Show die Lose gezogen. Erstmals werden alle Spiele in einer sogenannten Week of Football von Donnerstag bis Dienstag ausgetragen und von der UEFA zentral vermarktet.

UEFA-Boss Platini hatte die Kritik von Joachim Löw und Oliver Bierhoff an der EM-Aufstockung ab 2016 und der somit sportlich kaum noch reizvollen Ausscheidung von 53 europäischen Nationalteams in Nizza süffisant gekontert. „Wenn das der Fall ist, dann sollen sie halt nicht spielen“, erklärte der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Richtung Bundestrainer und DFB-Teamchef.

Löw und Bierhoff empfinden das aufgeblähte Kontinentalturnier mit 24 statt bisher 16 Teams und die damit verbundene leichte Qualifikation als sportlich «fragwürdig» und «Verwässerung». Platini verteidigte das neue Modell, das in zwei Jahren für die Endrunde in seiner französischen Heimat erstmals zur Anwendung kommt: „So geht Demokratie.“ Nur drei UEFA-Mitgliedsverbände seien dagegen gewesen, darunter eben Deutschland. «Der sportliche Wert einzelner Spiele, aber auch des gesamten Wettbewerbs sinkt», bemerkte Löw deutlich.
„Es wird genauso schwierig sein, sich zu qualifizieren, wie zuvor. Es ist viel Druck auf den Mannschaften“, hielt der selbsterklärte Fußball-Romantiker Platini an der sonnigen Côte d'Azur entgegen, räumte aber zumindest ein gewisses Verständnis für die deutschen Bedenken ein: „Fünf oder sechs Teams müssen sich vielleicht nicht so viele Gedanken machen, aber jeder will sich qualifizieren.“

Niko Kovac, ehemaliger Bundesliga-Profi und jetzt Chefcoach der Kroaten, hält die Aufstockung für eine richtige Entscheidung: „Ohne das neue Format würden sich kleinere Teams niemals qualifizieren können. Der Fußball wird sich dadurch sogar noch weiter entwickeln.“ Die Kroaten zählen zu jenen Fußball-Mittelständlern wie Schottland und Irland, die 2007 den Antrag auf Erweiterung gestellt hatten.

Beim Endrunden-Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 werden 24 von 54 Mannschaften Europas am Start sein. Die jeweiligen Ersten und Zweiten der neun Qualifikationsrunden buchen ebenso wie der beste Dritte direkt das Frankreich-Ticket. Die weiteren Drittplatzierten spielen in Playoffs die restlichen vier Plätze aus. Kurioserweise wurde auch der EM-Gastgeber erstmals mit in eine Qualifikationsgruppe gelost, die Franzosen spielen allerdings außer Wertung und sind für das Turnier in zwei Jahren automatisch gesetzt.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach besprach den Konflikt über Sinn und Unsinn des neuen WM-Modus' in Nizza nochmals mit seinem Freund Platini. Als Chef des deutschen Verbandes teilt er Löws Bedenken, als Vorsitzender der UEFA-Wettbewerbskommission muss er einen sportlich fragwürdigen Endrunden-Modus mit sechs Vierergruppen in zehn Städten und 51 Spielen in 30 Tagen vertreten.

dpa

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