Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Fußball Krassester Außenseiter der Bundesligageschichte
Sport Fußball Krassester Außenseiter der Bundesligageschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:08 15.08.2015
„Hannover wird immer mein Zuhause bleiben“: Konstantin Rausch (l.) spielt jetzt für Darmstadt 98 auf seiner Lieblingsposition im linken Mittelfeld. Quelle: dpa
Darmstadt

Einen wirklichen Überblick über die Zahl der gegebenen Interviews hat Tom Lucka nicht mehr. Der Pressesprecher des Auftaktgegners von Hannover 96 will Vermutungen aber nicht vehement wiedersprechen, dass es fast schon zum Klassenerhalt reichen könnte, bekäme der SV Darmstadt 98 für jede Frage-Antwort-Runde mit Dirk Schuster einen Zähler gutgeschrieben. Der Trainer ist der gefragteste Gesprächspartner bei den Südhessen, auch wenn der Bezahlfernsehsender Sky in der Stadt gerade Flyer verteilen lässt, auf denen das bärtige Unikum Marco Sailer abgebildet ist. Das Potenzial als Publikumsliebling und Zeitzeugen eines Fußballwunders besitzen beide.

„Ob beim Etat, bei den Marktwerten der Spieler, bei der  Kapazität des Stadions oder der Zahl der Trainingsplätze: Man wird uns in jeder Tabelle immer auf dem letzten Platz finden“, stellt Schuster gerne fest. Der Fußballlehrer mit Wurzeln im ehemaligen Karl-Marx-Stadt  heuerte im Dezember 2012 bei den „Lilien“ an – da war der Traditionsclub gerade Letzter der 3. Liga. Dass es danach  steil bergauf ging, muss also irgendetwas auch mit ihm zu tun haben, obwohl der 47-Jährige natürlich so klug ist, alle Komplimente auf jene kleine, schlagkräftige Einheit umzuverteilen, die die Auferstehung am maroden Böllenfalltor erst möglich gemacht hat.

„Ganz wenige Leute machen hier ganz viel Arbeit“, betont Schuster.  Mit Leidenschaft und Herz. Und: „Niemand schaut hier auf die Uhr.“  

Er dient als das beste Beispiel. Mindestens zur Hälfte erfüllt der Tausendsassa auch noch Manager-Aufgaben. Wo andere Clubs ganze Scouting-Abteilungen vorgeschaltet haben, um die unzähligen Angebote der Spielerberater zu sichten, landet hier alles direkt beim Trainerstab. Torwarttrainer Dimo Wache könnte notfalls eine neue Software nutzen, aber lieber verlässt sich der bestens vernetzte Chef auf die Ratschläge ehemaliger Mitspieler, Trainer oder Freunde.

Als seine Scouts fungieren sein Vater, der DDR-Meistertrainer Eberhard Schuster, und der frühere Bundesligatrainer Horst Franz, der Vater seines Assistenten Sascha Franz. Ganz bewusst wurde nur der deutsche Markt bei der Spielersuche angezapft. Die Devise: „Unsere Spieler müssen von der ersten Minute an funktionieren.“ Längere Eingewöhnungszeit ist nicht möglich an einem limitierten Standort, der aus minimalen Mitteln (15 Millionen Euro Lizenzspielerbudget) das Maximum machen will. Der frühere 96-Profi Konstantin Rausch (er kam vom VfB Stuttgart), Luca Caldirola (Bremen), Junior Diaz (Mainz), Mario Vrancic (Paderborn), Peter Niemeyer und Sandro Wagner (beide Hertha BSC) heißen diejenigen, die nach einem Karriereknick nun für kleines Geld ein großes Ding drehen sollen: den Klassenerhalt mit dem „krassesten Außenseiter der Bundesligageschichte“ (Schuster).

33 Jahre war Darmstadt nicht mehr in der Bundesliga. Die Rückkehr besitzt allein wegen der gegenüber damals fast unveränderten Spielstätte romantische Züge, aber der Slogan „Aus Tradition anders“ bedeutet nicht, dass der Standort das gängige Leistungsprinzip außer Kraft setzt. Eine Schonzeit für die Aufstiegshelden besteht nicht – schon im Heimspiel gegen 96 könnte die Hälfte der Startelf aus Neuzugängen bestehen.

Den Fehler, die Darmstädter zu unterschätzen, will 96-Trainer Michael Frontzeck nicht machen. „Wir wissen, was uns erwartet“, sagt er. In gewisser Weise ist auch Frontzeck Darmstadt-Fan. „Es ist fantastisch, was da abgelaufen ist“, sagt er, „sie haben mehr als das Optimum herausgeholt. Und sie sind nicht mit Glück aufgestiegen, sondern haben sich das verdient.“ Was Frontzeck und 96 heute nicht davon abhalten wird, Darmstadt möglichst gleich zum Auftakt die Bundesligalaune zu verderben.

Wussten Sie ...

... dass neun Darmstädter Profis Studenten sind? Sie haben sich beim Studieninstitut IST für eine Weiterbildung im Bereich Sportmanagement angemeldet. „Wir wollen so unseren Horizont erweitern“, sagt Kapitän Aytac Sulu.
... dass beim Aufsteiger ein zweiter ehemaliger 96-Profi spielt? Konstantin Rausch hat 150 Spiele für die „Roten“ absolviert und neun Tore geschossen, Jan Rosenthal kam in 80 Spielen im 96-Trikot auf elf Treffer. Anders als Rausch wird Rosenthal, der vor zwei Jahren mit dem Wechsel vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt den größten Fehler seiner Karriere gemacht hatte, vermutlich nicht in der Anfangsformation stehen.
... dass die Einführung der Torlinienüberwachsungs-Technik nur im Darmstädter Stadion Probleme bereitet hat? Weil am Böllenfalltor nur die Haupttribüne ein Minidach hat, mussten extra Masten aufgestellt werden, die nun die 14 Kameras tragen, die den Torraum kontrollieren.
... dass Darmstadt und 96 die beiden einzigen Erstligaclubs sind, die von der Firma Jako mit Trikots ausgerüstet werden?

hr

Von Frank Hellmann
und Heiko Rehberg

Fußball Traumstart für den Meister - FC Bayern feiert 5:0-Sieg gegen den HSV

Der FC Bayern München gewinnt wie erwartet das Saisoneröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga gegen den Hamburger SV. Gegen ultradefensive Hanseaten muss der Rekordchampion zuerst viel Geduld aufbringen, zeigt dann aber seine große Klasse.

14.08.2015
Fußball HSV und FC Bayern läuten Bundesliga ein - "Wir fangen bei 0:0 an"

Vorhang auf für die 53. Bundesliga-Saison. Nach 83 Tagen Sommerpause rollt in der Fußball-Bundesliga am Abend wieder der Ball. Die Bayern eröffnen das Spieljahr mit dem Klassiker gegen den HSV. Der Titelverteidiger ist wieder der Topfavorit, Guardiolas Team möchte für Spektakel sorgen. 

14.08.2015

Das abgebrochene Skandal-Spiel im DFB-Pokal in Osnabrück wird nicht wiederholt und zugunsten des Fußball-Zweitligisten RB Leipzig gewertet. Das entschied das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag. Osnabrück hat keine Berufung gegen das Urteil eingelegt.

14.08.2015