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Stadt, Land, Fluss im schönen Lahntal

Wanderserie Teil 2 Stadt, Land, Fluss im schönen Lahntal

288 Kilometer zu Fuß über Höhen, Täler und direkt am Fluss entlang – der Lahnwanderweg macht‘s möglich. Für die OP-Wanderserie nimmt sich Gerd Daubert eine gut 16 Kilometer lange Etappe vor.

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Von der Ruine Weißer Stein eröffnet sich ein Fantastischer Blick auf Marburg.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Der Lahnwanderweg von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in den Rhein ist ein vom Deutschen Wanderverband zertifizierter Qualitätswanderweg. Der  Lahntal-Tourismus-Verband schlägt vor, den Weg in 19 Etappen zu erwandern. Eine interessante Etappe, die auf den Lahnhöhen, aber auch im Lahntal verläuft, führt von Caldern nach Marburg.

Ich begehe diesen Abschnitt in umgekehrter Richtung, da es so für weniger geübte Wanderer möglich ist, schon von Wehrda, Goßfelden oder Sterzhausen aus mit Bus oder Bahn zurückzufahren. Ich starte am Hauptportal der Elisabethkirche in Marburg, überquere die Elisabethstraße und steige die Treppen zum „Michelchen“ hoch. Die St. Michaelskapelle wurde 1268 vom Deutschen Orden erbaut und diente damals dem Elisabeth-Hospital und dem Deutschen Orden als Friedhofs- und Pilgerkapelle. Auf dem umgebenden Friedhof wurden unter anderem verstorbene Pilger beerdigt. Heute befindet sich an dieser Stelle ein kleiner Park mit Grabsteinen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Über viele Treppenstufen und auf Serpentinenpfaden geht es weiter bergauf, alte Buchen und Eichen stehen am steilen Hang. Nach einer halben Stunde habe ich etwa 100 Höhenmeter überwunden und zunächst einmal das Niveau des Bergrückens erreicht.

Durch den Wald bis zum Marienhäuschen

Am oberen Rand einer Waldwiese steht das Behring-Mausoleum. Emil von Behring, 1917 in Marburg verstorben, war ein bedeutender Immunologe und Serologe und wurde mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Seine Entwicklung von Impfstoffen gegen Diphterie und Wundstarrkrampf fanden besondere Beachtung.

Es geht nun leicht bergab, bei dem sonnigen Wetter liegt Kiefernduft in der Luft. An einem Informationspunkt erfahre ich, dass aus den umliegenden Steinbrüchen unter anderem die Sandsteine für den Bau der Elisabethkirche stammen.
Weiter geht es durch den Wald bis zum Marienhäuschen. Noch zu kurhessischer Zeit errichtet, inzwischen vom Marburger Verkehrs- und Verschönerungsverein erneuert, trägt es den Namen der Schwester eines Studenten, der das Häuschen finanziert hat.

Ich wandere bergab zum Teufelsgraben, einem tief eingeschnittenen Kerbtal, das bis an die Bebauung von Wehrda heran als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Baumpilze und Moose haben sich verbreitet, ein Lebensraum für viele Insekten, höhlenbrütende Vögel und Fledermäuse ist entstanden. Der Wanderweg führt wieder bergauf, vorbei an einigen Hochhäusern, und dann wieder bergab, zum nördlichen Ortsrand von Wehrda bis zum Kaltenbachtal.

Auf einem bituminös befestigten Weg geht es nun wieder bergan. Weiter oberhalb steht ein Hinweisschild zur Burg Weißenstein in 200 Metern Entfernung. Natürlich muss ich die Ruine der Burg besichtigen. Eindrucksvolle Informationstafeln vermitteln die Entstehung und den geschichtlichen Hintergrund. Die Zerstörung der Burg wurde einer Schrift aus dem 15. Jahrhundert zufolge Sophie von Brabant zugeschrieben, neuen Untersuchungen zufolge ist dies aber bereits um das Jahr 1100 erfolgt. Von der Burgruine hat man eine schöne Aussicht in das Lahntal, auf Wehrda und Marburg mit der Elisabethkirche und dem Landgrafenschloss.

Eine Rast am Waldrand nach 120 Metern Anstieg

Ich gehe weiter, der Burgwaldpfad zweigt in Richtung Goßfelden ab. Der Lahnwanderweg geht weiter bergan, überquert die historische Weinstraße und führt bis zum Buchholz, einer bewaldeten Bergkuppe. Ein Buchenbestand gibt es hier aber nicht, stattdessen Kiefern und Eichen. Am Waldrand lädt eine Bank zur Rast ein, nach 120 Höhenmetern Anstieg tut das gut. Dazu bietet sich ein schöner Ausblick auf Cölbe, die Lahnberge und das Lahntal. Ich wandere weiter am Waldrand entlang, an dessen Ende sich nun die Aussicht nach Norden, auf den Burgwald und den Wollenberg eröffnet. Im Zick-Zack-Kurs führt der Weg in westliche Richtung durch eine Landschaft mit vielen Feldgehölzen, kleinen Wäldchen und Obstbaumreihen. Dabei öffnet sich die Aussicht auf den Ortsrand von Michelbach, dahinter der Rimberg mit seinen 500 Metern Höhe. Kurz vor Sterzhausen erreiche ich die Lahn. Schafe und Ziegen weiden am gegenüberliegenden Ufer. Es geht etwa vier Meter steil bergab zum Gewässerrand, ich stehe direkt an einem Prallhang der Lahn. Da kann man sehen, welche Kraft und Dynamik die Lahn bei Hochwasser entwickelt.

Der Lahnwanderweg führt lahnaufwärts über eine Brücke und danach am Ortsrand von Sterzhausen entlang. Die Lahn fließt zwischen Sterzhausen und Caldern am südlichen Rand des Tales, der Lahnwanderweg führt größtenteils etwa 300 Meter davon entfernt auf gerader Strecke zusammen mit dem Lahnradweg. Nach etwa einem Kilometer erreiche ich einen Rastplatz mit einer Informationstafel über die „Koppel Hebelache und Nassebett“, wo ein Hochwasser- und Naturschutzprojekt umgesetzt wurde. Die ehemaligen Gerinne der Lahn wurden wieder geschaffen und mit breiten Uferzonen versehen. Hinter mir sehe ich eine Herde von Fjordpferden und einige Rinder, die die Flächen beweiden.

Sicher ein interessantes Projekt, wünschenswert wäre, dass eine deutlich erkennbare Informationsstelle an beiden Eintrittsstellen in das Gebiet geschaffen wird. Dann wird es verständlicher, dass man um die Weiden herum gut zwei Kilometer auf nicht gerade attraktiven Weg läuft. Entlang des Weges haben Landwirte sogenannte Blühstreifen an ihren Feldern angelegt. Sonnenblumen stehen in voller Blüte. Vor einem Außengehöft biegt der Wanderweg zur Lahn hin ab und führt eine kurze Strecke an ihr entlang. An der Straße nach Caldern angekommen endet die Etappe. Ich gehe noch etwa 400 Meter, dann habe ich den Bahnhof Caldern erreicht. Stündlich verkehren Züge in Richtung Marburg.

 
Zur Person

Gerd Daubert schnürt wieder die Wanderschuhe. Der 70-jährige Marburger beweist: Wandern hält jung. Der frühere Leiter des Amts für den ländlichen Raum ist ein Kenner der Region.

Er hat beim Aufbau des hiesigen Wanderwege-Netzes mitgewirkt und engagiert sich im Regionalverein Burgwald-Ederbergland für die Weiterentwicklung der Wanderangebote. Für die OP hat er bereits mehrfach Wanderwege getestet und vorgestellt.

von Gerd Daubert

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