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Burgwald pur mit Bächen und Moor

Wanderserie, Teil 3 Burgwald pur mit Bächen und Moor

Dieser Weg lässt die Herzen von naturbegeisterten Menschen höher schlagen. Rund um die Franzosenwiesen war Gerd Daubert fast ausschließlich im Wald und in geschützten Gebieten unterwegs.

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Der Rundwanderweg Franzosenwiesen-Tour führt an Feuchtwiesen und Mooren im Burgwald vorbei.

Quelle: Gerd Daubert

Rosenthal. Am Wanderportal bei der Seegerteichhütte, am Stadtrand von Rosenthal, beginnt die Franzosenwiesen-Tour. Der Premium-Rundwanderweg ist mit 20,4 km der längste im Burgwald und kann damit als Tagestour bezeichnet werden. Burgwald pur bietet diese Tour, die fast ausschließlich im Wald verläuft und dabei das Naturschutzgebiet Franzosenwiesen/Rotes Wasser zum Ziel hat.

Ein Blick in den Flyer zur Orientierung – und es kann losgehen. Ich laufe etwa 500 Meter im Tal des Rodebachs. An einer Halle beginnt der eigentliche Rundwanderweg, von dort laufe ich bergan zum Waldrand hin. Auf einem weichen Waldweg und -pfad erreiche ich einen Forstweg, biege auf diesen ab, komme am Knöppelsbörnchen vorbei und erreiche den Alten Wetterweg. In der Nähe stehen die  Informationstafeln „Historische Grenzsteine“ und „Rosenthaler Grenzsteinwanderweg Süd“. Dort erfahre ich, dass nun die Franzosenwiesen-Tour zusammen mit dem Grenzsteinweg entlang der heutigen Kreisgrenze und der historischen Grenze zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem mainzischen Rosenthal verläuft und dies durch historische Grenzsteine markiert ist. Einem Hinweis folgend, gehe ich zunächst aber noch etwa 100 Meter weiter an den Waldrand, wo sich eine herrliche Aussicht auf Rosenthal mit der mehr als 500 Jahre alten Galgenbergseiche und dem Kellerwald im Hintergrund eröffnet.

Mit schönes Aussicht tiefer in den Burgwald hinein

Am Waldrand entlang gehe ich in eine Talsenke, danach wieder bergan bis zu einer Sitzgruppe, von der aus nochmals ein prächtiger Ausblick möglich ist. Dann tauche ich immer tiefer in den Burgwald ein, erreiche ein Wegekreuz namens „Neuer Stern“ und wandere auf einem Pfad nun meist bergab, bis ich das Rote Wasser erreiche. Der Name des Baches beschreibt die rotbraune Färbung seines Wassers, die durch die Auswaschung von Huminsäuren entsteht.
Nach etwa 500 Metern auf einem Forstweg erreiche ich die Herrenbrücke, gehe ein Stück auf dem Herrenweg und biege dann ab zu den Franzosenwiesen ab. Auf diesem Weg mache ich noch einen Abstecher zum Großen Badenstein, einem ehemaligen Basaltschlot, von dem noch eine meterhohe Buntsandsteinwand zu sehen ist.

Auf dem Sandweg am süd­lichen Rand der Franzosenwiesen erhält man stets wechselnde Einblicke in das Naturschutzgebiet. Streifenartig wechseln sich schmale Wiesen- und Waldflächen ab, eine Informationstafel des Arbeitskreises für Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf informiert über „Franzosenwiesen – historisch“.

Bis ins 17. Jahrhundert war das in einer Senke mitten im Burgwald gelegene Areal wohl ein feuchtes, mooriges Gebiet. Im Jahr 1627 wurde auf landgräfliche Anordnung ein „Heu-Bau in den Brüchern“, wie die Franzosenwiesen zur damaligen Zeit hießen, errichtet, um genügend Heu für die Wildfütterung im Winter zu haben. 1725 wurden Wiesen in den Brüchern  den „französischen Colonisten“ aus Schwabendorf zur Nutzung überlassen.

Wiesen der „Colonisten“ gehen an die Bauern

Erst 1847 werden diese erstmals als „Franzosenwiesen“ bezeichnet. Ein Jahr später gehen die Parzellen in das Eigentum der Landwirte über, ab 1900 verkauften viele Grundstückseigentümer diese an die Forstverwaltung. Einher ging dies mit der Aufforstung von Nadelbäumen. Dennoch entstand eines der ökologisch wertvollsten und schutzwürdigsten Gebiete im Burgwald, was 1987 zur Ausweisung als Naturschutzgebiet führte. Grundlage hierfür war das Mosaik aus Mooren, Feuchtwiesen, Bachläufen und Stillgewässern in Verbindung mit dem besonderen Klima und den Besonderheiten in der Tier- und Pflanzenwelt. Darauf weist auch eine Informationstafel im westlichen Teil der Franzosenwiesen hin.

Auf einem Forstweg führt die Franzosenwiesen-Tour nun leicht bergauf, durch Fichten- und Kiefernwald mit vielen Lichtungen, vorbei an der Kellerhütte. Eine große Waldwiese kommt in Sicht. Ich erreiche das Naturschutzgebiet „Nebeler Hintersprung“. Die Talmulde wird abwärts breiter und feuchter – mittendrin ein uriger Tümpel – und trifft auf das Hungertal, das vom Christenberg her kommt. Ab hier biegt die Franzosenwiesen-Tour in östliche Richtung ab und ich erreiche nach wenigen Metern den Informationspult „Dibbefrau-Stein“. Dort soll Mitte des 19. Jahrhunderts eine Trödlerin, die Marburger Dibberchen nach Frankenberg auf den Markt bringen wollte, ermordet worden sein.

Es geht bergauf zum Landgrafenborn

Am Weg steht eine etwas in die Jahre gekommene Bank mit Tisch, daran schließt sich auf etwa 400 Metern ein neu geschottertes Wegestück an, auf dem wahrlich nicht gut zu gehen ist. An dessen Ende stoße ich auf das Wetschaftstal, wiederum ein Naturschutzgebiet mit dem Namen „Diebskeller/Landgrafenborn“. Die Wetschaft selbst ist kaum zu sehen, feuchte bewaldete und lichte Täler wechseln sich ab, am Wegesrand hohe Farne. Hier gibt es den Sonnentau, Wollgras, besonders seltene Vogelarten wie Waldschnepfe und Grauspecht, Schmetterlinge und Libellen. Es geht steiler bergauf zum Landgrafenborn, einem Quellgebiet der Wetschaft. Auf einem Informationspult zum „Naturschutzgebiet Landgrafenborn“ wird unter anderem erläutert, dass bei landgräflichen Jagden die Quelle zur Versorgung mit Wasser genutzt wurde.

Auf einem Pfad bergan erreiche ich den Sengerberg, mit rund 380 Höhenmetern der höchsten Punkt der Franzosenwiesen-Tour. Weiter geht es auf einem weichen Waldpfad  bergab in Richtung Herrenbänke. Unterwegs bietet sich ein Ausblick auf den Kellerwald, das Hohe Lohr mit seinem Turm ist gut zu erkennen. Die Herrenbänke sind ein historischer Rastplatz am Herrenweg. Auf der Wegebeschilderung lese ich, dass ich bis Rosenthal noch 4,7 Kilometer zu gehen habe. Auf zum letzten Abschnitt. Auf dem Forstweg komme ich gut voran, ein interessanter Punkt ist noch einmal eine Informationstafel zur Wüstung Sigertenhausen. Dann folge ich dem Weg, der im Rodenbachtal zur Seegerteichhütte, dem Ausgangspunkt, führt.

von Gerd Daubert

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