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Aussicht satt auf Stadt und Land Aussicht satt auf Stadt und Land

Wanderserie Teil 1 Aussicht satt auf Stadt und Land

Für den ersten Teil der neuen OP-Wanderreihe hat sich Gerd Daubert auf dem Panorama-Rundweg von wechselnden Landschaftsformen und der Rauschenberger Stadtgeschichte begeistern lassen.

Der Panoramaweg führt vorbei an den "Heiligen Eichen" bei Rauschenberg.

Quelle: Gerd Daubert

Rauschenberg. Der Panoramaweg ist ein vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierter Premium-Rundwanderweg. Unterhalb von Rauschenberg, gegenüber der Schmaleicher Mühle, beginne ich die Wanderung am dort installierten Wanderportal.

Los geht‘s in nördliche Richtung des Wohratals, so erklimme ich die höchste Stelle der Tour, den Sossenberg, im ersten Teil der Wanderung. Nach etwa 500 Metern erreiche ich eine kleine Grünanlage des örtlichen Fischereivereins an der Wohra, danach geht es direkt an der Wohra auf einem Grasweg weiter. Die Wohra ist einer der kleinsten Flüsse Hessens und von Gemünden bis Kirchhain mitsamt Randstreifen ein europäisches Schutzgebiet. Geschützte Fischarten wie Bachneunauge und Groppe leben in dem Flüsschen.

Vorbei an 100 Jahre alter Lindenallee

Nach etwa 20 Minuten erreiche ich eine Lindenallee, die zur Fiddemühle hinführt. Die Lindenallee ist wohl an die 100 Jahre alt. Die heutigen Gebäude der Fiddemühle wurden von Albrecht von Bardeleben, einem preußischen Major a. D., in den Jahren 1888 bis 1890 im englischen Landhausstil erbaut. Angrenzend an das Wohnhaus befindet sich ein kleiner Park, ebenfalls mit großem Lindenbestand. Kurz hinter der Fiddemühle verlasse ich die Talaue, der Weg führt nun im Seitental stetig leicht, danach steiler bergauf.

So erreiche ich den Müncheberg, einen tollen Aussichtspunkt mit Blick auf den Kellerwald, die Amöneburg und den Rauschenberger Burgberg. Ab hier bietet der Premiumweg Aussichten satt. Nach einem weiteren Anstieg erreiche ich die Heilige Eiche, zwei Eichen, gut 150 und 100 Jahre alt, gepflanzt zur Erinnerung an die Völkerschlacht von Leipzig im Jahr 1813. Tüchtige Rauschenberger pflegen das Gelände gerade, es ist ein sehr attraktiver Punkt am Sossenberg, der mit 326 Metern höchsten Stelle der Tour. Gut 100 Höhenmeter und fast 3 Kilometer Anstieg haben mich bei schwüler Witterung ins Schwitzen gebracht. Belohnt werde ich durch die kurze Rast mit Rundumblick, jetzt auch zum zentralen Burgwald hin.

Wolfskaute: kleiner Hugenotten- und Waldenserort

Weiter geht es, mal durch eine kleine Mulde, mal über eine Kuppe mit Aussichten, vorbei an der Bauernhütte in Richtung Wolfskaute, einem kleinen  Hugenotten- und Waldenserort. Der Panoramaweg biegt unterhalb des Dörfchens in südliche Richtung ab, überquert die Landesstraße beim ehemaligen Forsthaus. Wenig später tauche ich in das Waldgebiet am Elbesberg ein und erblicke ein Informationspult zum Rabenstein. Dieser sei nur 100 Meter entfernt, lese ich auf einem Hinweisschild. Tatsächlich erreiche ich den Buntsandsteinfelsen erst nach etwa 250 Metern auf einem durchaus bergigen Pfad. Der Rabenstein soll  in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte gewesen sein.

Auf dem Rückweg ertönen eindringlich die Rufe „Wiip-­Wiip“ aus der Luft, ein Rotmilan kommt auf das Waldstück zugeflogen. Der sehr schöne Waldrandweg führt vorbei an der Schutzhütte Am Wolfsberg. Dort befindet sich ein Wanderbuch, in das sich Wanderer auf dem Panoramaweg eingetragen haben, in jüngster Zeit auch zwei Schulklassen. Weiter geht es nun bergan, am Wegesrand ein Saum von Brennnesseln, Wiesenkerbel, Kamillen, Schafgarbe und Disteln, auf
denen sich viele Schmetterlinge tummeln. Danach führt der Weg am Waldrand entlang, ausladende Äste der Buchen beschatten ihn, Bänke laden zum Verweilen ein.

Anstieg hinauf zum Schlossberg und zur Stadtkirche

Beim Anstieg zum Schlossberg erscheint der Kirchturm der Stadtkirche zunächst im Blickfeld, danach das obere Stadttor. Die im gotischen Stil Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute Kirche mit dem spätgotischen Flügelaltar aus dem Jahr 1420 lohnt es, zu besichtigen. Es ist aber ratsam, sich dafür Zeit zu nehmen, dabei das angrenzende alte Pfarrhaus und das Burgmannenhaus – beide aus dem 16. Jahrhundert – sowie das Rathaus gesondert zu besuchen. Denn der Rundwanderweg führt noch weiter.

Es geht den Schlossberg hinauf zur Ruine, vorbei an einem Felsenkeller, der Bierlagerstätte einer ehemaligen Gaststätte. Auf Tafeln kann man hier einiges über die Geschichte des Schlosses nachlesen. Die Zerstörung durch die „Niederhessischen“ in 1646 erfolgte im sogenannten Hessenkrieg, dem langjährigen Konflikt zwischen den Familienzweigen des Hessischen Fürstenhauses Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel. Am ersten Augustwochenende findet der traditionelle Heidelbeertanz auf dem Gelände statt.Von hier aus geht’s bergab zum Märchenwald, einer kleinen Anlage des Kultur- und Verschönerungsvereins, und zum Waldspielplatz, der heute gut besucht ist.

„Fuchstreppe“ hinauf zur ersten Siedlung Rauschenbergs

Direkt anschließend komme ich zur „Fuchstreppe“. An dieser Stelle war bis Mitte des 13. Jhdts. die Siedlung Rauschenberg gelegen. Nach einem Brand verlieh Gottfried von Ziegenhain 1266 dem heutigen Stadtgebiet die Stadtrechte, dieses Jahr wurden 750 Jahre Stadtrechte gefeiert.

Es schließt sich nun eine Strecke durchs freie Feld bis zum Waldrand an. Auf einem herrlichen Waldbodenweg und -pfad entlang des Waldrands wandere ich weiter bis zur Informationsstelle Roteküppel. Ein herrlicher Aussichtspunkt auf Rauschenberg mit seinem Schlossberg und auf den Kellerwald.

Dann liegen die letzten drei Kilometer vor mir, zunächst auf Feldwegen bis hinunter zum Ziegenküppel an der Wohratalbahntrasse. Dies ist nochmals eine landschaftlich schöne Ecke, ein kleiner teilweise bewaldeter Hügel. Entlang der ehemaligen Wohratalbahnlinie gehe ich in Richtung des ehemaligen Bahnhofs Rauschenberg und biege dann, entlang der Landesstraße, zum Wanderportal hin, ab.

von Gerd Daubert

 
Zur Person
Gerd Daubert schnürt wieder die Wanderschuhe. Der 70-jährige Marburger beweist: Wandern hält jung. Der frühere Leiter des Amts für den ländlichen Raum ist ein Kenner der Region. Er hat beim Aufbau des hiesigen Wanderwege-Netzes mitgewirkt und engagiert sich im Regionalverein Burgwald-Ederbergland für die Weiterentwicklung der Wanderangebote. Für die OP hat er bereits mehrfach Wanderwege getestet und vorgestellt.