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Am Bach entlang durch urigen Auwald

Wanderserie Teil 4 Am Bach entlang durch urigen Auwald

Die „Rotes-Wasser-Tour“ präsentiert sich mit neuen unbefestigten, pfadigen und erlebnisreicheren Wegeführungen.

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Auf moosigen Waldpfaden führt die Extratour "Rotes Wasser" durch den Burgwald.

Quelle: Gerd Daubert

Bracht. Vor rund zehn Jahren wurde die „Extratour Rotes Wasser“ konzipiert und 2008 als Premium-Wanderweg erstmals zertifiziert. Seit dieser Zeit sind in vielen Teilen Deutschlands solche prädikatisierte Wege wie Pilze aus dem Boden geschossen, dabei geht der Trend hin zu immer mehr Naturwegen mit Erlebnis­charakter.

Die „Extratour Rotes Wasser“ verlief einst zu 80 Prozent im Wald und oft auf befestigten Forstwegen. Zusammen mit dem Landesbetrieb Hessenforst, einem Vertreter des Naturschutzes und den Brachter Wegepaten hat die Region Burgwald-Ederbergland neue Wege­abschnitte  ausgesucht. Die Wohngruppe des Elisabethvereins in Schönstadt hat die Arbeiten vor Ort unterstützt.

Die neue Rotes-Wasser-Tour startet am Wanderportal hinter der Kirche in Bracht. Sie führt in Richtung des Friedhofs und danach ins freie Feld westlich des Ortes mit leichtem Anstieg zum Waldrand hin. Dort angekommen lohnt sich ein kurzer Blick zurück auf Bracht und den dahinter liegenden Mönchwald.

Durch die Bäume ist Bracht im Tal des Roten Wassers zu sehen

Ein neuer Wegeabschnitt führt um ein Feuchtbiotop mit Tümpel herum und dann auf einem sandigen Weg im Wald recht steil bergan. Zur rechten Seite hin steigt das Gelände fast alpin an. Nach etwa 400 Metern biege ich in einer scharfen Kurve ab und gehe nun auf ­etwa gleichbleibendem Niveau. Durch Lücken im Baumbestand ist Bracht im Tal des Roten Wassers zu sehen. Laut und deutlich ist das Klopfen eines Spechts zu hören. Auf einem Forstweg, danach auf einem Pfad, gehe ich durch einen naturnahen Buchenwald, in dem auffallend viele alte, kräftige Bäume stehen, bis zu der auf dem Höhenkamm verlaufenden Trost-Allee. Dann führt wiederum ein Pfad bergab in den „Langen Grund von Schönstadt“, ein Naturschutzgebiet, das auch als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet unter europäischem Schutz steht. Dies trifft ja auch auf die anderen Naturschutzgebiete im Burgwald zu. Der Burgwald insgesamt ist ein EU-Vogelschutzgebiet. Dies dokumentiert, dass der Burgwald mit seinen Tälern ein bedeutendes Naturschutzareal ist.

Im „Langen Grund“ fließt das „Schwarze Wasser“, viele kleine Moor- und Sumpfbereiche sorgen dafür, dass hier eine große Vielzahl an Libellen lebt – 21 Arten wurden in den vergangenen Jahren nachgewiesen. Eine stetig ansteigende, gut ein Kilometer lange Strecke im Tal auf dem Forstweg habe ich nun zu bewältigen. So freue ich mich, dass der letzte Anstieg zum Tauschenberg hin auf ­einem Pfad und danach auf ­einem Sandweg verläuft. Hier erreiche ich den höchsten Punkt der „Rotes-Wasser-Tour“ mit nahezu 400 Metern. Am Malstein mache ich eine erste Rast, ich habe jetzt vom Höhenprofil her die anspruchvollen Passagen geschafft.

Der Hohlweg mündet in den Forstweg bis zur Herrenbrücke

Auf einem Forstweg laufe ich talabwärts und erreiche eine zunächst unscheinbare Stelle, an der eine frühere alte Wegeverbindung kreuzt. Die „Rotes-­Wasser-Tour“ biegt ab in diesen Hohlweg, der danach wieder auf den Forstweg mündet. Auf einem Pfad werde ich bis an einen Informationspunkt, danach an  den Rand des ehemaligen Basaltschlotes geführt. Der Basalt ist längst abgebaut, er wurde zu Pflastersteinen verarbeitet, dadurch ist aber ein interessanter Trichter mit einer meterhohen Buntsandsteinwand entstanden. Die geologische Besonderheit in Verbindung mit dem urwüchsigen Ambiente macht den Großen Badenstein zu ­einem Erlebnis. Am Rand des äußeren Hangs geht der Pfad weiter, danach kreuze ich den Herrenweg und laufe im Wald bis zur Herrenbrücke.

Auf einer großen Waldwiese wurde das Gras gemäht, es liegt zum Trocknen dort und so duftet es wunderbar nach Heu. Die Herrenbrücke führt über das Rote Wasser. Auf einem Pult stehen Informationen über die Brücke, den Herrenweg und das Rote Wasser.

Erfrischendes Wasser direkt aus dem Drusenborn

Von der anderen Seite der Brücke aus kann ich deutlich die Rotfärbung des Gewässers erkennen. Diese besondere Farbe entsteht durch die ausgewaschenen Huminsäuren aus den oberhalb liegenden Mooren der Franzosenwiesen. Im 8. und 9. Jahrhundert gab es hier zwei Wirtschaftshöfe, die zur Versorgung der Ritterschaft im fränkischen Kastell auf dem Christenberg dienten. Von der Herrenbrücke aus verläuft die Rotes-Wasser-Tour nun bis Bracht etwa fünf Kilometer entlang des Baches. Der Talbereich ist mit Auwald bestanden, danach komme ich an zwei Teiche, die über und über mit Wasserlinsen, auch als Entengrütze bekannt, bedeckt sind. Am Ende des unteren Teichs führt der Weg auf einem neuen Pfad rechtsseitig des Baches auf einem weichen Waldweg, im Tal lichter Auwald, hangseitig sehr abwechslungsreiche Waldabschnitte, bis hin zu einer neuen kleinen Sitzgruppe, die schön beschattet, noch einmal zu einer kurzen Rast einlädt.

Ich gehe vorbei am Rennplätzchen, einem mittelalterlichen Rastplatz und Kreuzungspunkt zweier historischer Straßen, über die Landesstraße und hinunter zur Brücke über das Rote Wasser. Naturnah mäandriert der Bach im Tal, urig an vielen Stellen der Auwald und ein angenehmer Weg auf sandigem Boden. So erreiche ich den Drusenborn, eine Tümpelquelle, in der das aufsteigende Wasser stetig den feinen Sand aufwirbelt. Becher hängen an einem Strauch oberhalb der Quelle, wohl ein Zeichen, dass das Wasser trinkbar ist. Talabwärts entlang des Roten Wassers führt die Tour am Forsthaus vorbei. Das Tal wird breiter und Wiesen und Weiden bestimmen nun das Bild.

Anfangs der Ortslage von Bracht überquere ich auf einem Brückchen noch einmal das Rote Wasser. Oberhalb komme ich an dem Jagdschloss Bracht vorbei, einem mächtigen Fachwerkhaus, das in der ersten Hälfte des 18. Jh. erbaut wurde. Schon 1450 war ein Herrschafts-Jachthaus an dieser Stelle erbaut, in dem Landgraf Philipp der Großmütige 1520 Gespräche mit dem Ziel, die protestantische Lehre in seinem Hessen einzuführen, geführt hat. Ich überquere noch die Landesstraße und komme an die Kirche und das Wanderportal zurück.

von Gerd Daubert

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