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Sagenumwoben und höchst vielseitig

Wanderserie Sagenumwoben und höchst vielseitig

Es geht über Feld- und Waldwege, vorbei an geheimnisvollen Seen und einem plätschernden Bach mitten im Wald. Die Schächerbachtour bietet sagenhaft schöne Eindrücke – und echte Sagen.

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Homberg / Ohm. Von diesem Premiumwanderweg, der im vergangenen Jahr vom Deutschen Wanderinstitut mit 76 Punkten eine Spitzenbewertung erhalten hat, habe ich schon viel gehört und gelesen. Spontan haben meine Frau und ich beschlossen, die Tour zusammen mit einem befreundeten Ehepaar zu gehen.

Am Wanderportal beim Stadthallenparkplatz haben wir uns getroffen und sind in Richtung Pletschmühle gestartet. Einige Stufen geht es bergab, dann durch einen kleinen Park und eine Kleingartenanlage. Fleißig waren die Gärtner schon in diesem Jahr: der Rasen gemäht, die Tulpen in voller Blüte und etliche Beete bereits bestellt. Der Blick fällt auch auf eine alte Eisenbahnbrücke über die Ohm. Das Flüsschen entspringt im Vogelsberg, hat bis Homberg schon 30 Kilometer hinter sich und mündet bei Cölbe in die Lahn.

Der Brunnen, in dem der Müller mit Esel verschwand

An der Herrenmühle vorbei erreichen wir die Pletschmühle mit schön renoviertem Altbau aus 1567 und dem Landhaus. Direkt hinter dem Landgasthaus und noch vor der Kelterei biegt ein Wiesenweg zu dem alten Steinbruch Hambelborn ab. Auf einem Pfad geht es in Serpentinen durch den ehemaligen Basaltbruch in die Höhe.

Im Wäldchen sind die Türkenbundlilien schon 30 Zentimeter hoch, sie werden dieses Jahr schon im Juni blühen – die Blumen sind in Deutschland geschützt, damit sich viele Wanderer an der Pracht erfreuen können. Beim Austritt aus dem Wäldchen ein kurzer Blick auf die imposante Silhouette der Amöneburg, vorbei an einem Pfadfinderlager, in dem gerade viele Jugendliche campieren, und wieder über einen Waldpfad zur Wanderhütte mit Spielgelände des Wandervereins Homberg.

Kurze Zeit später erreichen wir einen Waldrandweg mit prächtigem Blick in das Schächerbachtal. Bei einer Schutzhütte biegt der Weg in das Tal hinab, wir bleiben kurz stehen und stimmen überein: „ Wie ist dieses Tal schön.“ Der Bach mit seinem Erlensaum, die angrenzenden saftgrünen Wiesen bis hin zu den Waldrändern mit den jungen, hellgrünen Blättern – ein Bild, wie gemalt.

Sage über die Kirchenglocken

Über eine kleine Brücke geht es weiter, das naturbelassene Bachbett, plätscherndes Wasser – und dann hinauf zum westlichen Waldrand und zum Herrnteich. Hier erfährt man, dass sich an dieser Stelle einmal ein Dorf befand. Eine Sage über die „Gocken“ und die Homberger Kirchenglocken ist zu lesen.

Auf einem Wiesenweg naht schon der nächste „sagenhafte“ Ort, der Dorotheabrunnen. Ein betrunkener Müller samt Esel soll in dem Brunnen, der heute zwischen Basaltsteinen herausgluckert, verschwunden sein – kaum zu glauben! Nur wenige Schritte weiter liegt der Quellbereich des Goldborn. Ein toller Pfad führt zur Quelle und man erfährt dort wieder eine Sage über einen Goldschatz.

In dieser Naturidylle kann man auch eine Rast machen, Kinder und auch andere Junggebliebene können Fitness und Geschicklichkeit beim Hoppen über die Steine im Bachbett testen. Ein kleiner Aufstieg und wir erreichen das Jungfernloch, eine Hütte mit düsterem Teich, in dem eine Homberger Jungfer mit ihrem Pferd im Morast versunken sein soll – einfach sagenhaft.

Blick auf die Silhouette von Homberg

Kaum haben wir auf einem Forstweg einen Schritt zugelegt, kommen wir an einen recht großen Fischteich mit Grillhütte, erkennbar ein Rastplatz für viele Wanderer. Am Waldrand hoch führt der Weg, dann einen Forstweg hinab zum Zoberwiesenteich. Auch hier wird wieder eine gruselige Geschichte über eine Verstorbene, die auf dem See getanzt haben soll, geschildert. Direkt unterhalb liegen ein weiterer kleiner Teich und ein Tümpel – und vom Waldrand aus gibt es eine erste herrliche Aussicht auf den Schlossberg und die Altstadt von Homberg.

Bergab geht es bis an den Schächerbach, auf Trittsteinen über den Bach und auf schmalem Pfad am Wasser entlang – eine herrliche Strecke. Von einer Ruheliege aus erblickt man wieder die Silhouette von Homberg. Über eine Wiese gehen wir weiter und überqueren den Bach auf einer Brücke aus Sandsteinblöcken. Eine Naturkneippstelle im Bach gibt es auch.

Wir gehen ein Stück bergauf, dann Richtung Stadt, erreichen ein kleines Wäldchen mit Schutzhütte und dahinter den „Dilich-Blick“, eine Bank von der aus ein schöner Blick auf die Altstadt von Homberg möglich ist. Bergab geht es zur Einmündung des Schächerbaches in die Ohm und wenig später auf Trittsteinen zum anderen Ufer. Auf dem Badepfädchen, einem früher sicher oft genutzten Pfad von der Altstadt zur Bademöglichkeit in der Ohm, gehen wir recht steil nach oben zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück. Kurz vorher kann man noch in den Gastronomiebetrieben der Mühlen einkehren.

von Gerd Daubert

 

Infos zum Wanderweg:

An- und Abreise
Mit dem Pkw nach Homberg / Ohm. Anreise mit dem ÖPNV: siehe RMV-Fahrplanauskunft

Wanderkarte:
Flyer „Sagenhaftes Schächerbachtal“ im Internet unter www.homberg.de/ind/dbi/FR2649.pdf

Dauer :
Gut zwei Stunden (geübte Wanderer),
gut drei Stunden (Genusswanderer)

Region:
Vogelsberg

Strecke:
9,2 Kilometer

Höhenlage:
220 bis 330 Höhenmeter

Tipps:
Wanderer sollten sich Zeit nehmen, um Natur und Sagen zu genießen auf diesem besonderen Weg.

Besondere Eindrücke :
Sehr schöne Landschaft, viele Erlebnisstationen, Pfade im Wald und an Gewässern, alte Sagen

Die Serie:

1. Burgwaldpfad
2. Postraubroute (Lahn-Dill-Bergland)
3. Rotes Wasser (Burgwald)
4. „Sagenhaftes Schächerbachtal“ (Stadt Homberg)
5. Hugenotten- und Waldenserpfad (Burgwald)
6. Drachenflug (Burgwald)
7. Lahnwanderweg Marburg – Fronhausen (Marburger Land)
8. Eibenhardtpfad (Burgwald)

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