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Durch die Stadt und raus aufs Land

Wanderserie (Teil 7 von 8) Durch die Stadt und raus aufs Land

Anfang des Jahres wurde der – Lahnwanderweg als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Eine neue Route, die Eindrücke von Stadt und Land bietet.

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Marburg. Von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in den Rhein verläuft dieser Weg auf einer Länge von 290 Kilometern. In dem „Lahnwanderweg Pocketguide“ werden 19 Tagesetappen für diese Tour vorgeschlagen, eine davon, die so genannte Königsetappe, ist rund 24 Kilometer lang und hält insgesamt 650 Höhenmeter als Anstieg bereit – dieses Teilstück von Marburg nach Fronhausen an der Lahn habe ich mir für meine Wanderung ausgesucht.

Die im Pocketguide angegebene Wanderdauer von neun Stunden halte ich für zu hoch gegriffen, ich denke, dass ich die Strecke in etwa sechseinhalb Stunden bewältigen kann. So starte ich an der Elisabethkirche mit Glockengeläut pünktlich um 10 Uhr, gehe über die Kreuzung Richtung Steinweg und folge der Wegebeschilderung, die zum Landgrafenschloss führt. Durch die Gässchen bergauf erreiche ich die alte Befestigungsmauer des Schlosses und blicke, auch um etwas zu verschnaufen, von einer Aussichtsplattform nochmals auf die imposante Elisabethkirche zurück. Einige Treppenstufen weiter steht der Hexenturm, 1478 als Geschützturm errichtet und ab 1550 für 300 Jahre als Gefängnis genutzt. Viele Frauen, die man als Hexen gebranntmarkt hatte, wurden hier einst eingesperrt.

Ich gehe weiter bergan zum Schloss, der ersten Residenz der Landgrafschaft Hessen. 1292 wurde Heinrich I., der Enkel der Heiligen Elisabeth, in den Reichsfürstenstand erhoben. Die heutige Baugestalt des Schlosses wurde in wesentlichen Teilen in der Regentschaftszeit von Heinrich I. geschaffen und sollte seine neue Stellung repräsentieren.

Hirschkäfer, Fledermäuse und Spechte

Auf dem Gisonenweg gehe ich hinüber zum Schlosspark, vorbei am Rosengarten mit dem dahinterliegenden Judizierhäuschen und der Freilichtbühne. Der Weg führt durch den prächtigen Baumbestand und vorbei an blühenden Rhododendren zum Dammelsberg. Auf einem Pfad gehe ich durch das Naturschutzgebiet der Stadt Marburg, das auch ein europäisches Schutzgebiet „Natura 2000“ ist. In dem mit vielen Eichen bestandenen Waldgebiet sind Hirschkäfer, viele Fledermausarten und Spechte heimisch.

Der Lahnwanderweg führt nun auf die Weinstraße, eine alte Handelsstraße, die die ehemalige Römerstadt Mainz mit Paderborn und den Hafenstädten an der Nordseeküste verband. Viele in Blüte stehende Streuobstbestände und eine Kirschbaumallee prägen die Landschaft, von den Bänken am Wegesrand kann man die Aussicht auf die gegenüberliegenden Lahnberge mit der Kuppe des Frauenbergs genießen.

Eine kleine Schutzhütte steht am Rand und nicht unweit davon wurde ein Rosenlehrpfad neu angelegt. Mehr als 50 Wild-rosenarten und frühe Kultursorten wurden hier angepflanzt, ein Schild benennt den Namen der Rose mit einer Zeichnung des französischen Pflanzenmalers Pierre-Joseph Redouté. Oberhalb des Tannenberggeländes bietet sich eine herrliche Aussicht zum Lahn-Dill-Bergland, zum Rimberg und der Angelburg. Auf einem Waldpfad gehe ich unterhalb des Tannenberggeländes herum, einen Forstweg hinunter zu einer großen Waldwiese mit vielen jungen Obstbäumen. Im Tal überquere ich die Landesstraße und auf einer Brücke die Allna, einen Lahnzufluss aus dem Lahn-Dill-Bergland. Kurze Zeit später steigt der Weg im Wald stetig an. Es gibt einige aufgeweichte Wegepassagen, gutes Schuhwerk ist zu empfehlen.

Gutes Schuhwerk empfohlen

Weiter geht‘s Richtung Oberweimar. Kurz vor dem Ort überschreite ich eine Kuppe, die mit einer Baumgruppe bestanden und mit Bänken bestückt ist und genieße den Blick auf die an erhabener Stelle stehende Kirche, die 1733 eingeweiht wurde. Fast die Hälfte der Wanderstrecke habe ich geschafft und ich mache hier eine Pause.

Auf dem Weg durch das Dorf komme ich an einem alten Hofgut mit Gutsstübchen, der schön renovierten alten Schule und der Kirche vorbei, überquere den Wenkbach und die neue Bundesstraße und strebe auf Feldwegen dem Waldrand zu.

Kaum im Wald durchquere ich ein Waldwiesenareal, gehe einen Forstweg hinab und an Niederwalgern mit einem Blick auf den Ort und seine Wehrkirche vorbei. Der Weg steigt gemächlich Richtung Stedebach an, dann steiler, abwechselnd durch Wald und Feld, bis auf die Lahnhöhen bei Oberwalgern.

In der Ortsmitte steht die alte Kirche, ein Backhaus, der Dorfbrunnen und ein alte Milchbank, der Dorftreffpunkt in früheren Jahren. Hinter dem Ort geht es kurz steil bergauf, danach durch Feld und Wald, wieder zur Weinstraße, die hier zwischen Oberwalgern und der Schmelzmühle verlief. Von hier aus gehe ich zu meinem Etappenziel hinab nach Fronhausen und dort an Fachwerkgehöften, der Wehrkirche, der Ober- und Unterburg und dem Alten Rathaus vorbei zum Bahnhof. Von hier aus fahre ich mit der Bahn zurück nach Marburg.

von Gerd Daubert

Infos zum Wanderweg:

An- und Abreise
Mit der Bahn von Fronhausen nach Marburg – Fahrplanauskunft über www.bahn.de.

Wanderkarte:
Lahnwanderweg-Pocketguide, Wanderkarten über www.marburg-biedenkopf-tourismus.de

Dauer :
Fünf Stunden (geübte Wanderer),
Sieben Stunden (Genusswanderer)

Region:
Marburger Land

Strecke:
24,5 Kilometer

Höhenlage :
120 bis 335 Höhenmeter.

Tipps:
Die Tour kann auch in kürzeren Abschnitten bis etwa Niederweimar oder Niederwalgern begangen werden.

Besondere Eindrücke :
Marburg mit Elisabethkirche, Schloss und Dammelsberg; Aussichten von der Weinstraße; ländliche Impressionen in Oberweimar, Oberwalgern und Fronhausen.

Die Serie:

1. Burgwaldpfad
2. Postraubroute (Lahn-Dill-Bergland)
3. Rotes Wasser (Burgwald)
4. „Sagenhaftes Schächerbachtal“ (Stadt Homberg)
5. Hugenotten- und Waldenserpfad (Burgwald)
6. Drachenflug (Burgwald)
7. Lahnwanderweg Marburg – Fronhausen (Marburger Land)
8. Eibenhardtpfad (Burgwald)

Lahnwander_Karte 136,09 kB
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Eine Tour im benachbarten Ederbergland, auf  dem Höhenzug westlich von Battenberg mit vielen Ausblicken hinab zur Eder, verheißt heute eine neue Wandererfahrung in luftiger Höhe.

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