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Auf der Route der Glaubensflüchtlinge

Wanderserie Auf der Route der Glaubensflüchtlinge

Interessante geschichtliche Eindrücke und das Naturidyll der Franzosenwiesen – eine Etappe auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad mit Start in Schwabendorf hat viel zu bieten.

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Schwabendorf. Im September 2013 wurde der Hugenotten- und Waldenserpfad durch den Europarat als Europäische Kulturroute ausgezeichnet. Er führt von der Region Dauphiné in Südfrankreich und dem Piemont über die Schweiz und Süddeutschland auf dem realen historischen Fluchtweg bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen.

In unserer Region verläuft der Pfad  entlang des Lahn-Dill-Berglandpfades und des Burgwaldpfades, die Hugenotten- und Waldenserorte Schwabendorf, Hertingshausen, Todenhausen, Wiesenfeld und Frauenberg werden durch Rundwege an den Hauptweg angebunden. Die Etappe von Schwabendorf zum Christenberg habe ich mir zum Wandern ausgesucht, weil dort interessante geschichtliche Orte zu finden sind.

In Schwabendorf, am Daniel-Martin-Haus, dem Dorfmuseum, treffe ich mich mit Gerhard Badouin, einem Vorstandsmitglied des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad und ehemaliger Vorsitzender des Arbeitskreises für Hugenotten- und Waldensergeschichte Schwabendorf. Das Museum, das sehr lebendig und interessant die Dorfgeschichte, das bäuerliche Leben und traditionelles Handwerk und Gewerbe dokumentiert, ist mir von früheren Besuchen gut bekannt. Für Wanderer, die oft außerhalb der Öffnungszeiten vorbeikommen, ist der Touch-Screen-Informationspunkt außen am Museumsgebäude eine wertvolle und interessante Quelle. Er liefert Eindrücke vom Hugenotten- und Waldenserpfad, informiert über die Rundwege und die Franzosenwiesen.

Die Siedlung Bracht wird umrundet

Gemeinsam starten Gerhard Badouin und ich zur Wanderung. An einer Begrüßungstafel vorbei, über die Bundesstraße 3 hinweg, biegen wir am Abzweig nach Hertingshausen nach Westen ab und umrunden die Siedlung Bracht, den bewaldeten Buntsandsteinrücken des Burgwalds vor Augen. Gut eingebettet und eingegrünt liegt Bracht im Tal vor uns. Wir gehen ein kleines Stück durch den Ort und folgen dem Roten Wasser bachaufwärts in ein schönes Wiesental mit einem mäandrierenden erlenbestandenen Bach.

Stellenweise blühen Sumpfdotterblumen auf einem Weg, der immer naturbelassener wird. So erreichen wir das Forsthaus Bracht Nord.  Auf einem Schild lesen wir, dass wir bereits 6,3 Kilometer gelaufen sind – noch gut 6 Kilometer bis zu den Franzosenwiesen.
Heidelbersträucher und federnder Waldboden

Auf einem Forstweg erreichen wir die Tümpelquelle des Drusenborn. Wir unterhalten uns über das Leben der Schwabendorfer Hugenotten- und Waldenserfamilien in den zurückliegenden Jahrhunderten. Von der Landwirtschaft in der ursprünglich nur 100 Hektar großen Gemarkung konnten die Familien kaum leben. Verdienstmöglichkeiten bot vor allem die Strumpfwirkerei. Aber auch Wälder wurden zur Hutung genutzt, was oftmals zu Konflikten mit der Obrigkeit führte – um 1850 sogar zu Handgreiflichkeiten, mit der Folge, dass Männer ins Gefängnis mussten und Frauen und Kinder zuhause große Not litten.

Geschichtstafel informiert über Franzosenwiesen

Wir kommen auf dem  Weg entlang des Roten Wassers gut voran und erfreuen uns an der aufblühenden Natur. Über die Herrenbrücke in einem Bogen um den Kleinen Badenstein herum erreichen wir die Franzosenwiesen, können einen ersten Blick in das Wiesenareal werfen und beschließen, auf zwei Sitzrollen zu  vespern.

Wenige Meter weiter, am Rand eines Sandweges, hat Gerhard Badouin eine Tafel „Die Franzosenwiesen im Burgwald – ein historischer Kalender“ aufgestellt. Dort ist zu lesen, dass 1725 die Brücher Wiesen erstmals gegen einen Pachtzins für sechs Jahre den französischen Kolonisten zur Nutzung überlassen wurden, erst ab 1847 wurden sie als Franzosenwiesen bezeichnet. Gerhard Badouin berichtet, dass die Heuernte früher sehr zeitraubend und mühselig war, zudem musste bis etwa 1800 zuerst eine herrschaftliche Scheune zur winterlichen Wildfütterung gefüllt werden.

Heute befinden sich die Franzosenwiesen ganz überwiegend im Eigentum des Landes Hessen, nur etwa  20 Private haben hier noch Besitz. Auf der Westseite der Franzosenwiesen steht ein Pult mit Informationen über das  Naturschutzgebiet. Auf der anderen Wegeseite hat sich angrenzend eine Flachwasserzone gebildet auf der sich augenscheinlich zwei Nilgänse sehr wohl fühlen.

Abwechslungsreiche Waldabschnitte

Auf einem leicht geschwungen verlaufenden Forstweg wandern wir weiter, an  der Kellerhütte vorbei, gelangen zu dem Naturschutzgebiet Nebeler Hintersprung mit Teich und Tümpeln, und gehen zum Wegekreuz Umdraht. Hier beginnt ein landschaftlich außerordentlich schöner Waldpfad, auf einem Bergrücken verlaufend, mit sehr abwechslungsreichen Waldabschnitten und vielen Heidelbeersträuchern.

Wir wandern im Sonnenschein auf weichem, federndem Waldboden und verspüren ein Wohlgefühl und Entspannung für Füße und Beine. So erreichen wir am Christenberg die Europäische Kulturroute Hugenotten- und Waldenserpfad und beenden unsere Wanderung im Waldgasthaus.

Hier kann man die vielen Eindrücke und Informationen nochmals vertiefen oder einfach nur ausspannen, denn für die Rückreise müssen wir noch etwa 45 Minuten zum Bahnhof Münchhausen laufen. 

Hugenotten_Karte 119,30 kB

von Gerd Daubert

Infos zum Wanderweg:

An- und Abreise
Mit dem Pkw nach Schwabendorf – von Münchhausen mit der Bahn zurück zum Start; ÖPNV-Verbindungen bei der RMV- Fahrplanauskunft

Wanderkarte:
Wanderkarte: www.hugenotten-waldenserpfad.eu/wanderkarten

Dauer :
Drei Stunden (geübte Wanderer),
Viereinhalb Stunden (Genusswanderer)

Region:
Burgwald-Ederbergland

Strecke:
16,8 Kilometer

Höhenlage:
240 bis 387 Höhenmeter

Tipps:
Proviant mitnehmen; an einer geführten Wanderung teilnehmen – Infos unter www.ak-schwabendorf.de

Besondere Eindrücke :
Schwabendorf mit Dorfmuseum; Weg entlang des Roten Wassers; Franzosenwiesen und ihre Historie

Die Serie:

1. Burgwaldpfad
2. Postraubroute (Lahn-Dill-Bergland)
3. Rotes Wasser (Burgwald)
4. „Sagenhaftes Schächerbachtal“ (Stadt Homberg)
5. Hugenotten- und Waldenserpfad (Burgwald)
6. Drachenflug (Burgwald)
7. Lahnwanderweg Marburg – Fronhausen (Marburger Land)
8. Eibenhardtpfad (Burgwald)

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