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Ein märchenhaftes Spielvergnügen

"Unsere Spielplätze": Marburg Ein märchenhaftes Spielvergnügen

Unter dem Titel „Unsere Spielplätze“ stellt die OP ab sofort in loser Reihenfolge die Spielplatz-Situation den Städten und Gemeinden im Landkreis dar. Wer hat die schönsten, die neusten, die beliebtesten Spielgeräte? Wie viel Geld wird jährlich von den Kommunen investiert? Was sagen die Eltern und welche Wünsche haben die Kinder? Mit diesen Fragen ging es in die Verwaltungen und natürlich auf die Spielplätze im Kreis.

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Jeder Platz hat eine Besonderheit

Das namensgebende Element des „Drachenspielplatzes“ in der Berliner Straße am Richtsberg ist beschädigt, das Spielgelände an einem sonnigen September-Sonntag verwaist.

Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch

Marburg. Die Antworten von Bürgermeistern, Eltern und Kindern sind vielfältig und unterschiedlich. Eindeutig festzustellen ist, dass sich einige Städte und Gemeinden mehr und intensiver mit der Thematik „Spielplätze“ beschäftigen als andere – beispielsweise durch die Unterstützung von Eigenleistungsprojekten und Elterninitiativen oder über die Nutzung städtebaulicher Förderprogramme, um die Spielplätze aufzuwerten.

Auf Spielplätzen können Sandkastenfreundschaften entstehen und erste Dispute ausgetragen werden. Sie sind Abenteuerland und Heimathafen ­zugleich. Die OP widmet ihnen jetzt eine Serie. Und die beginnt in Marburg. Die Sonne lacht, und die Kinder tun es auch: Auf dem Spielplatz im Marburger 
Northampton-Park herrscht an diesem sonnigen September-Sonntag Hochbetrieb. Da wird eifrig geklettert, schwungvoll geschaukelt und hochkonzentriert im Sandkasten gebaut. Auch der zweieinhalbjährige Emil ist da und wühlt im Sand. So wie immer, wenn das Wetter gut ist.

„Wir gehen dahin, wo andere Kinder sind – und hier sind eigentlich immer welche“, sagt Vater Igor Johannsen, während er seinen Sohn beobachtet. Am Spielplatz im Northampton-Park gefällt ihm besonders, dass er so zentral liegt, gut ausgestattet und gepflegt ist. „Und der umfunktionierte Bauwagen, wo man Kaffee und Crêpes kaufen kann, ist natürlich ebenfalls super und nicht zu verachten“, ergänzt Johannsen.

Spielfläche Rollwiesenweg nicht so gepflegt

Im Hochsommer hat Emil mit den anderen Kindern immer an und in dem kleinem Bach geplanscht, der den Park durchzieht. „Der Bach ist echt ein Hit“, sagt auch Mareen Radermacher. Ihre Tochter ist fünf Jahre alt. Gemeinsam besuchen sie so einige Spielplätze. „Wir wohnen im Rollwiesenweg, aber der dortige Spielplatz ist nicht so gepflegt, da gehen wir lieber ein paar Schritte weiter hier in den Park“, berichtet sie.

Der Spielplatz im Northamptonpark ist einer von 68 öffentlichen Spielplätzen der Stadt Marburg. Zwischen 100 und 8 000 Quadratmeter sind diese groß und je nach Fläche mit drei bis zehn Spielgeräten ausgestattet. Nicht alle, aber viele der Spielplätze, sind zudem mit Kleinkind-Spielgeräten ausgestattet, seien es nun eine kleine Rutsche, Spielkombinationen, Federtiere oder kleinkindgerechte Schaukeln.

Wunsch nach einer Schaukel für Kleinkinder

Der zweieinhalbjährige Emil besucht neben dem Spielplatz in Weidenhausen auch den Märchenspielplatz in der Oberstadt sehr gerne. Dort zwischen kleinen urigen Fachwerkhäusern und umrahmt von alten Gemäuern liegt ein echtes Kleinod. Wegen der geringen Größe ist der Spielplatz in seiner Gestaltung für Kinder bis neun Jahren ausgelegt, heißt es in einer Broschüre der Stadt. Schaukel, Rohr-Rutsche und Sandkasten sind die Grundausstattung. Dazu kommt neben einer Klettermöglichkeit ein farbiger Zaun mit Spiel-Elementen und ein kleines Karussell. In eine Mauernische duckt sich zudem ein kleines Häuschen, unter dem auch bei einem Regenschauer weitergespielt werden kann.

„Dieser Spielplatz ist echt toll, so klein und so gemütlich“, findet Eva Alshut. Die Gladenbacherin ist häufig zu Besuch in Marburg und geht dann mit ihren zwei Jungen dorthin zum Spielen und Toben. „Ich fände es aber gut, wenn es hier auch eine Kleinkind-Schaukel geben würde“, sagt sie. Denn ihr jüngster sei erst knapp zwei, schaukele gern und könne sich auf der Brettschaukel noch nicht so gut halten.

Besucher kommen auch aus anderen Stadtteilen

„Und die Rutsche ist auch ziemlich hoch für die ganz Kleinen“, ergänzt sie. Dennoch ist sie mit dem Angebot zufrieden. „In Gladenbach ist das Angebot an Spielplätzen und Geräten im Vergleich zu Marburg deutlich schlechter“, erklärt sie. Ihr fast vierjähriger Sohn sei ein großer Fan von Kletterpyramiden. „Die gibt es zwar auf dem Märchenspielplatz nicht, aber dafür finden sich hier genug ­Alternativen zum Spielen.“

Die vielen Spielmöglichkeiten lobt auch eine andere Mutter. Sie wohnt in Wehrda und nutzt neben den Spielplätzen im Stadtteil auch gerne das Angebot in der Innenstadt. „Der Spielplatz am Hallenbad in Wehrda ist zwar bei uns um die Ecke, aber dort ist es nicht immer sauber. Häufig liegen dort Scherben und Zigarettenstummel herum“, kritisiert sie.

Es sei zwar besser geworden, nachdem die Stadt einige Bäume zurückgeschnitten habe und die Sitzgelegenheiten nun auch von außen einzusehen seien. „Aber so richtig gut ist es nicht.“ Weiterer Kritikpunkt ihrerseits: Auf dem Spielplatz am Wehrdaer Weg gebe es viel Unkraut. „Das ist jetzt nicht wirklich schlimm, sieht aber eben ungepflegt aus“, betont sie.

310.000 Euro für 
Pflege und Unterhalt

Rund 310.000 Euro investiert die Stadt Marburg nach Mitteilung der Pressestelle in diesem Jahr in die Pflege und den Unterhalt der Spielplätze. Für Sanierung und Erneuerung sind im Haushalt rund 220.000 Euro vorgesehen. Wann und ob Geräte erneuert werden, richte sich nach Standort, Material und dem Grad der Nutzung, so Pressesprecherin Tina Eppler.

Auch das Alter des Gerätes und Vandalismus spielten dabei eine wichtige Rolle. Während die Spielplätze in der Innenstadt an diesem sonnigen September-Sonntag sehr gut besucht sind, bleiben die Spielplätze in den angrenzenden Stadtteilen weitgehend leer. In der Weintrautstraße fristen Seilkarussell und Rutsche ein tristes Dasein.

Der „Drachenspielplatz“ am Richtsberg liegt zwar idyllisch am Waldrand unterhalb der Berliner Straße, Kinder sind dort aber nicht anzutreffen. Und die namensgebende Drachenfigur ist teilweise beschädigt. Auch die Spielfläche in der Straße Am Richtsberg, die zentral zwischen den Wohnblocks liegt, ist leer. Einzig ein paar Blätter werden vom Wind über den Platz geweht, während die Sonne vom Himmel lacht.

Aus der Statistik
  • Zahl der Spielplätze: 68
  • Größe: von 100 bis 8 000 Quadratmeter
  • Spielgeräte: zwischen drei und zehn je Spielplatz
  • Haushaltsmittel: Für 2015 wurden rund 310 000 Euro für die Pflege und Unterhaltung sowie rund 220 000 Euro für Erneuerung und Sanierung veranschlagt
  • Empfehlenswert: „Zirkusspielplatz“ in Michelbach (Am Strauchacker); „Märchenspielplatz“ am Lutherischen Kirchhof; „Blumenspielplatz“ in Cappel (Auf dem ­Halmburger); „Spielplatz Steinküppel“ in Hermershausen.

Eine Liste der Marburger Spielplätze gibt es im Internet unter: www.marburg.de/de/16188

  • Lesen Sie am Mittwoch, 30. September, im nächsten Serienteil: „Unsere Spielplätze“ in Kirchhain

von Katharina Kaufmann-Hirsch

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