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Sterbehilfe: Das denken die OP-Leser

Reaktionen Sterbehilfe: Das denken die OP-Leser

Die OP-Reportage "Alfons‘ Traum vom Tod" sorgt im Landkreis Marburg-Biedenkopf für Anteilnahme. Viele OP-Leser äußern in Reaktionen den Wunsch, eine organisierte, ärztlich begleitete Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können. Es gibt aber auch kritische Stimmen

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Im Zuge des OP-Dossiers zur Sterbehilfe-Debatte setzen sich viele Zeitungsleser mit dem Thema auseinander. Die meisten im Landkreis Marburg-Biedenkopf scheinen sich Möglichkeiten der Freitodhilfe zu wünschen – aber es äußern sich auch Gegner. Archivfoto

  • „Der Artikel von Alfons hat mich sehr bewegt. Es ist kaum vorstellbar, was er für Gefühle und Gedanken kurz vor dem Freitod hatte“, schreibt Diana Pfeiffer auf dem OP-Facebook-Kanal. Sie erzählt von einem Trauerfall in der Familie, vom Leid eines Angehörigen, das zwar vor allem ihn, aber letztlich auch die ganze Verwandtschaft betraf. „Sein Tod hinterließ tiefe Spuren, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an ihn denken muss und so viele Situationen, in dem ich ihn schmerzlich vermisse! Der Gedanke tröstet mich aber, dass er auch nicht mehr leben wollte und auf seinen Frieden gehofft hat“, ergänzt sie. Ein todkranker Mensch, so Pfeiffer, „sollte selbst die Entscheidung treffen dürfen ob und wann er sterben möchte“.

Marburg. "Ich hoffe bloß, dass ich so eine Entscheidung nie treffen muss"

  • Gerhard Sippel lehnt hingegen Formen der Sterbehilfe ab: „Das Ende eines Lebens sollen nicht Menschen bestimmen. Der Weg zur Euthanasie wäre nicht mehr zu verhindern, wenn Menschen entscheiden würden, wann das Leben erträglich oder lebenswert wäre“, begründet er seine Entscheidung bei der Abstimmung auf www.op-marburg.de. Es gebe mittlerweile sehr viele Möglichkeiten, das Leiden von Kranken erträglich zu machen. „Sehr wichtig ist dabei die Nähe fürsorgender Menschen“, schreibt er. Das sieht Dr. Bernhard Conrads ähnlich, der in seinem Leserbrief vor einem „Dammbruch“ warnt, da mit der Zeit auch noch so strenge Kriterien für Sterbehilfe „nach und nach aufgeweicht werden.“
  • Serjoscha Steinert bringt die Debatte ins Grübeln: „Auch wenn sich der Vergleich jetzt blöd anhört, jeder der schon mal ein todkrankes Haustier hatte, weiß wie egoistisch es ist, es mit aller Gewalt am Leben zu halten und es unnötig leiden zu lassen. Bei Menschen sehe ich es nicht viel anders. Auf der anderen Seite, so eine Entscheidung darf keiner alleine treffen. Daran können ganze Familien kaputt gehen und so pervers es klingt, auch ganze Erbschaftskriege auslösen. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Ich hoffe bloß, das ich so eine Entscheidung nie treffen muss“, kommentiert er auf Facebook.
  • Christine Eich sieht die Sterbehilfe skeptisch: „Es sind schon Menschen aus einem langen Koma erwacht, haben durch Rehamaßnahmen wieder ein neues Leben beginnen können.“
  • Norfried Wittmann schreibt: „Ich habe als freier Bürger alleine das Recht, über mein Leben zu entscheiden und nicht die Kirche oder die Politik.“

"Für mich ist es sehr wichtig, allein zu entscheiden"

  • Manfred Leske schreibt in seinem Leserbrief: „Suizid ist Sterbehilfe, die ich mir selbst gewähre. Wenn jemand bei klarem Verstand sich für den Tod entscheidet und selbst nicht in der Lage ist sich das Leben zu nehmen, dem darf organisierte Sterbehilfe nicht verweigert werden.“
  • Ronja Tomwies: „Wenn ich sterbenskrank bin, mir nicht mehr zu helfen ist, will ich nicht bis zum bitteren Ende - eventuell auch noch mit einer Magensonde - dahinsiechen.
  • Silke Kohl : „Für mich persönlich ist es sehr wichtig, alleine zu entscheiden, wann ich sterben will. Das sollen weder meine Angehörigen noch Ärzte für mich entscheiden. Wir entscheiden doch sonst auch alles im Leben alleine, warum also nicht auch den Tod?“
  • Der Marburger Philosoph Dr. Joachim Kahl schreibt: „Nur ein vordemokratisch paternalistisches Arztethos und religiöse Verblendung nehmen sich heraus, Menschen zum Leben zu nötigen. Aber es gibt keine Pflicht zu leben. Ungefragt wurden wir ins Leben geworfen. Es ist unser gutes Menschenrecht, das Leben, wenn es zur unerträglichen Last wird, auch vorzeitig zu beenden. Sterben müssen wir ohnehin.“

"Hospize für ein menschenwürdiges Sterben gibt es zu wenige"

  • Christian Walther , Autor des Buches „Ausweg am Lebensende“ ergänzt eine alternative Form der Sterbehilfe: freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. „Nichts essen, nichts trinken: Ich denke, es wird Zeit, dass das allgemein bekannt wird. Nur wenige wollen wirklich vorzeitig aus dem Leben gehen, aber den meisten ist in der Endphase sehr geholfen, wenn sie über eine Möglichkeit Bescheid wissen, wie sie es gegebenenfalls machen könnten“, sagt er. Da man alternativ nur schwer an tödliche und sicher handzuhabende Medikamente herankomme, ist Sterbefasten „immerhin eine Option für manche“. Die Methode habe „im Normalfall kein grausames Ertrinken“ zur Folge. Das Durstgefühl könne durch gute Mundpflege eingedämmt werden. Er verweist auf das deutsche Ärzteblatt, wo im Januar ein Artikel dazu erschienen ist. „Und der Weg ist umkehrbar, man kann sich jederzeit zum Weiterleben entscheiden“, sagt Walther.
  • Auch im OP-Forum startete eine Debatte: „Jeder kann in die Situation einer lebensverändernden Erkrankung gelangen. Wie geht man dann damit um, wie kann ich mit dem Leiden und dem Schmerz leben, was mache ich, wenn es nur noch eine Paliativoption gibt?“, schreibt Nutzer „ mr-observer “.
  • Nutzer chakula kritisiert indes die ablehnende Haltung der Kirchen, hält die „hochgelobte Palliativmedizin“ für eine Option, die es für die meisten Menschen real nicht gebe. „Hospize für ein menschenwürdiges Sterben gibt es viel zu wenige. Leider muss man den Schritt hier in Deutschland früh genug gehen, bevor man in der Macht der ärztlichen Versorgung steht.“

Nehmen auch Sie hier an der OP-Umfrage teil.

von Björn Wisker

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