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Mehrheit plädiert für Sterbehilfe

OP startet Berichts-Serie Mehrheit plädiert für Sterbehilfe

Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind für die Sterbehilfe. Bei einer schweren Erkrankung möchte die Mehrzahl der Befragten die Möglichkeit haben, etwa ärztliche Suizidhilfe in Anspruch zu nehmen.

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Der Traum vom Tod

Marburg. 70 Prozent befürworten Formen der Sterbehilfe, rund ein Viertel der Befragten lehnen dies für sich ab. Ostdeutsche (82 Prozent) wünschen sich häufiger die Möglichkeit der Sterbehilfe als Westdeutsche (67). Das ist das Ergebnis von zwei deckungsgleichen Umfragen der Forschungsinstitute Forsa und YouGov mit je mehr als 1000 Befragten.

„Den Mehrheitswillen darf man nicht ignorieren“, sagt Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Bürgerinitiative Gesundheit DGVP. Solche Themen sollten zwar nicht über Volksentscheide geregelt werden. Dennoch sollten in Demokratien die gesellschaftlichen Wünsche und Mehrheitsverhältnisse nicht ignoriert werden, ergänzt Sven Lüders, Geschäftsführer der Humanistischen Union mit Ortsgruppe in Marburg.

„Ich vermute, hinter der Zustimmung steht die Sorge, dass man am Ende des Lebens zu schwach sein könnte, sich zu wehren. Mit anderen Worten, dass man zu etwas gezwungen werden könnte, das man nicht will. Das können auch medizinische Maßnahmen sein. Man möchte sein Leben, solange es geht, in der Hand behalten“, sagt Dr. Friedrich Heubel, Arzt und Medizinethiker aus Marburg.

„Der Missbrauch von Reanimation und Intensivtherapie hat sich herumgesprochen. Deshalb fordern viele ein Recht auf Sterben in Ruhe und Frieden ein, verfassen zunehmend Patientenverfügungen. Aus der Angst, intensiv zu Tode gequält zu werden, resultiert zum Teil die hohe Zustimmung zu Maßnahmen der Sterbehilfe“, ergänzt Christian Zimmermann, Präsident des Allgemeinen Deutschen Patientenverbands in Marburg.

Die evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck kritisiert indes die Zustimmung: „Mündige Bürger sind nicht gleich kundige Bürger“, sagt Bischof Martin Hein. Dem Mehrheitswillen dürfe man, auch angesichts der deutschen Vergangenheit, vor allem in Fragen von Leben und Tod nicht folgen.

Den von Hein vermuteten Informations-Mangel bestätigen die Umfragen: Demnach fühlen sich die Mehrheit der Befragten „weniger gut“ (41 Prozent) oder „überhaupt nicht gut“ (16 Prozent) über die derzeit geltenden Regelungen bei der Sterbehilfe informiert. „Sehr gut“ informiert bezeichnen sich acht Prozent, 35 Prozent „gut“.

Das Bistum Fulda zweifelt am Wahrheitsgehalt der wissenschaftlichen Erhebungen. „Ich vertraue derartigen Umfragen nicht. Wie kommt dieser behauptete Mehrheitswillen zustande?“, sagt Bischof Algermissen. Er müsse erst die Situation der Befragten und die Fragen selbst kennen. Ältere Menschen sind beim Thema Sterbehilfe laut Umfrage noch aufgeschlossener als Junge. Während in der Gruppe der 18- bis 24-jährigen Befragten rund 56 Prozent für aktive Sterbehilfe sind, wollen 68 Prozent der über 55-Jährigen diese erlauben. Zudem befürworten 62 Prozent der Jungen die Beihilfe zum Suizid, von den Älteren hingegen 73 Prozent.

In den Umfragen wurde nach aktiver Sterbehilfe gefragt. Damit ist laut Definition die Tötung auf Verlangen gemeint, etwa die Verabreichung eines tödlichen Medikaments. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten, Beihilfe zum Suizid dagegen nicht. Verboten ist jedoch die Mitwirkung eines Arztes bei der Selbsttötung eines Patienten. Innerhalb der EU ist Sterbehilfe in Belgien, Holland und Luxemburg erlaubt.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sich für eine Bestrafung jeglicher geschäftsmäßiger Hilfe zur Selbsttötung ausgesprochen. Noch 2014 soll der Bundestag ein Gesetz beraten. Einschätzung des Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (SPD): „Der Bundestag hat bei derartigen Fragestellungen immer gut daran getan, sich ausreichend Zeit zu lassen und offen über alle Aspekte zu diskutieren.“

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Morgen in der OP: Die Reportage über einen Marburger, der zum Sterben in die Schweiz fährt.

von Björn Wisker

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