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Formen der Sterbehilfe

Thema Sterbehilfe Formen der Sterbehilfe

Aktive und passive Sterbehilfe, assistierter Suizid - wir erklären die Unterschiede.

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Das von "Exit" zur Sterbehilfe verabreichte Mittel Natrium-Pentobarbital.

Quelle: Exit

Aktive Sterbehilfe: Bei der aktiven Sterbehilfe verabreicht jemand einem Patienten ein unmittelbar tödlich wirkendes Mittel. Der Patient nimmt es also nicht selbst zu sich (das ist der Unterschied zum assistierten Suizid), sondern es wird dem Patienten von außen „aktiv“ zugeführt. Wer aktive Sterbehilfe betreibt, setzt also bewusst und vorsätzlich einen neuen Kausalverlauf in Gang, der unmittelbar und kurzfristig zum Tod führen soll.

 Passive Sterbehilfe: Darunter versteht man den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen oder deren Beendigung, entweder weil sie (in der unmittelbaren Sterbephase) medizinisch nicht mehr indiziert sind oder weil der Patient solche Hilfen ablehnt. Im Unterschied zur aktiven Sterbehilfe wird hier also kein tötendes Mittel verabreicht, sondern man lässt den natürlichen Sterbeprozess geschehen.

Assistierter Suizid: Hierbei handelt es sich um eine Beihilfe zur autonomen Selbsttötung des Patienten. Dem Betroffenen wird ein Mittel nicht aktiv verabreicht, sondern nur zur Verfügung gestellt, der Patient nimmt dies aber selbst ein. Da die Selbsttötung in Deutschland nicht strafbar ist, macht sich auch der Beihelfer nicht strafbar. Die Bundesärztekammer hat sich aber eindeutig positioniert und erklärt, dass die Beihilfe zum Freitod gegen das ärztliche Ethos verstößt. Ärzten ist also in Deutschland die Beihilfe zur Selbsttötung durch die Musterberufsordnung verboten.
Rechtlich ist in der Schweiz die aktive Sterbehilfe ebenso untersagt wie in Deutschland. Anders als bei der Tötung auf Verlangen nimmt der Sterbewillige das tödliche Medikament bei Organisationen wie Exit oder Dignitas jedoch selbst zu sich. Es findet sich für die Praxis der Suizidbeihilfe im deutschen Strafgesetzbuch keine ausdrückliche Regelung. Aufgrund des deutschen Paragrafen zur unterlassenen Hilfeleistung 
wäre jeder jedoch verpflichtet, Sterbenden sofort zur Hilfe zu eilen, weshalb eine institutionelle Freitodhilfe in der Bundesrepublik nicht möglich ist – daher müssen deutsche Mitglieder der umstrittenen, weil kommerziellen Organisation Dignitas zum Sterben in die Schweiz reisen.

Bei seinem Suizid kann sich in der Schweiz rein formal jeder Mensch begleiten lassen, der an einer sogenannten „unzumutbaren Behinderung“ leidet und urteilsfähig ist. Ob diese Bedingungen erfüllt sind, wird durch ein oder mehrere ärztliche Gutachten sowie durch ein obligatorisches Gespräch zwischen dem Sterbewilligen und einem Freitodbegleiter festgestellt. In diesem Gespräch muss der Antragsteller die Gründe für seine Entscheidung und für seine derzeitige Situation darlegen.

Rund 500 assistierte Suizide zählen die Schweizer Behörden pro Jahr, mehr als ein Drittel der Todes-
 suchenden stammt aus Deutschland – die Tendenz ist seit Jahren steigend. Ebenso wächst die Zahl der Vereinsmitglieder der Organisationen Exit (88 000, Schweizer Staatsbürger / in der Schweiz 
Lebende) sowie Dignitas (7000, davon 3000 deutsche Staatsbürger).  

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Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind für die Sterbehilfe. Bei einer schweren Erkrankung möchte die Mehrzahl der Befragten die Möglichkeit haben, etwa ärztliche Suizidhilfe in Anspruch zu nehmen.

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