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Windkraftanlagen? Lieber am Wollenberg

Bauausschuss des Stadtparlaments Wetter Windkraftanlagen? Lieber am Wollenberg

Das Thema Windkraft beschäftigte auch den Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung in Wetter am Montagabend.

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Angst vor Rotoren auf Höhe der Burg

So könnte ein Windpark mit 140 Meter hohen Anlagen zwischen Todenhausen (vorn) und Mellnau – von Amönau aus – aussehen.

Wetter. Bürgermeister Kai-Uwe Spanka (parteilos) informierte die Vertreter der Fraktionen über den Stand beim "Teilplan Energie", der ergänzend zum gültigen Regionalplan Mittelhessen beschlossen werden soll.

Spanka berichtete, dass die Stadt auf Anfrage des Regierungspräsidiums (RP) Gießen zunächst nur den bestehenden Standort bei Mellnau zurückgemeldet habe. Die Frage, ob derzeit weitere Standorte vorangetrieben werden sollten, habe die Stadt zunächst verneint. Ziel der Information im Ausschuss sei aber auch, so Spanka, zu erfahren, wie der Magistrat weiter vorgehen solle.

Das Meinungsbild war nach der Präsentation der besten Windkraftstandorte im Stadtgebiet recht eindeutig. Denn niemand in Wetter ist glücklich mit der im Regionalplan ausgewiesenen Vorrangfläche zwischen Mellnau und Todenhausen. Das wurde auch an diesem Abend wieder deutlich.

Windpotenzial größer in Lahntal und Dautphetal als in Mellnau

Die Windpotenzialkarte des RP zeigte auf, dass am Wollenberg, jeweils an der Grenze zu den Nachbargemeinden Lahntal und Dautphetal, windmäßig bessere Bedingungen herrschten als bei Mellnau. Diese Standorte kamen bei früheren Diskussionen nicht zur Geltung, weil sie größtenteils im Wald liegen, was vor wenigen Jahren noch ein Ausschlusskriterium war.

Für den Grünen Björn Krieg, selbst Mellnauer, war damit auch das letzte Argument für die Mellnauer Fläche weggefallen. Andere Fraktionsvertreter wie Volker Drothler (CDU) sprachen sich dafür aus, nun mit den Nachbargemeinden Gespräche aufzunehmen, inwiefern man auf interkommunaler Ebene gemeinsam einen Windkraftstandort entwickeln könne, der besser geeignet sei als der vorhandene bei Mellnau.

Umgehen muss man damit trotzdem. Einsprüche des Parlaments und der Stadt, die sich unter anderem auf naturschutzfachliche Gutachten stützten, seien stets vom Regierungspräsidium zurückgewiesen worden, so Bürgermeister Kai-Uwe Spanka. Für ihn ist aber damit noch keine endgültige Entscheidung darüber gefallen, ob es Windräder auf der Fläche bei Mellnau und Todenhausen geben wird oder nicht. Dies hatte im Verlauf der Diskussion Marc Böttcher von der Bürgerinitiative Windkraft Wetter - weitgehend unwidersprochen - so geschlussfolgert.

"Stadt darf keine 'Verhinderungsplanung' betreiben"

Für Spanka ist der Knackpunkt vielmehr der von der Stadt aufgestellte Bebauungs- und Flächennutzungsplan, der der Stadt ermögliche, die Planung auf dieser Fläche vorzugeben. "Die Stadt darf keine ,Verhinderungsplanung‘ betreiben", so der Bürgermeister. Sie könne aber sehr wohl in einem Bebauungsplan vorgeben, unter welchen Voraussetzungen Windkraft auf dieser Fläche möglich sein soll - und Schutzgütern wie Mensch, Natur oder Landschaft sowie der Wirtschaftlichkeit Rechnung getragen werden könne. Die Stadtverordneten hätten es letztlich in der Hand, dies zu steuern.

Grundsätzlich denkbar sei auch, so Spanka auf OP-Nachfrage, dass die Stadt selbst oder gemeinsam mit einem Investor einen Windpark auf der Fläche entwickeln könne, dessen Erlöse dann zum Teil in der heimischen Kasse blieben. Schon vor der Wahl hatte sich Spanka dahingehend positioniert. Wenn Windräder aus rechtlicher Sicht dort unumgänglich würden, sollten die sich wenigstens auch zum Wohle der Bürger drehen, die dort leben. Die Akzeptanz sei sicher besser, wenn Bürger an einem solchen Projekt beteiligt werden könnten und es der Region zugute käme.

Die Vorrangfläche:
Die Stadt Wetter hat die Fläche zwischen Todenhausen und Wetter schon Anfang des Jahrtausends als Vorrangfläche gemeldet. Es gab jedoch immer Zweifel an der Eignung der Fläche. Der Versuch, sie im Zuge der Neuaufstellung des Regionalplans heraus-nehmen zu lassen, scheiterte an der zuständigen Behör-de, dem Regierungspräsidium in Gießen. Zudem gibt es seit einigen Jahren Interessenten, die auf dieser Fläche Windkraftanlagen betreiben wollen. Mit der Aufstellung eines Flächennutzungsplanes vergangenes Jahr verhinderte die Stadt, dass private Investoren auf direktem Weg Baurecht erlangen und loslegen konnten. Die Stadt hat nun die Planungshoheit für das Gebiet.

von Michael Agricola

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