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Windkraft mit der Nachbarkommune

Ortsbeirat Schönstadt Windkraft mit der Nachbarkommune

In der jüngsten Schönstädter Ortsbeiratssitzung legte Ortsvorsteher Hannes Weber einen Vorschlag vor, der die Planung der Stadt Kirchhain für Windenergieanlagen bei Sindersfeld ins Wanken geraten lassen könnte.

Schönstadt. Werden in Hessen Windparks beziehungsweise so genannte Windenergieanlagen errichtet, dann in einem Mindestabstand von einem Kilometer zur nächsten Besiedelung, auf Flächen, auf denen die Windgeschwindigkeit mindestens 5,5 Meter pro Sekunde beträgt und auf denen mehr als drei Windräder Platz finden. Eine Untersuchung ergab für die Gemeinde Cölbe gemäß dieser Auflagen nur eine einzige mögliche Stelle. Und auch die nur eingeschränkt: Die „Betziesdorfer Höhe“.

Durchzogen von der Gemeindegrenze zu Kirchhain könnten hier auf beiden Seiten der Grenze mehrere Windkraftanlagen Platz finden, für Cölbe käme es vom Platz her auf zwei. Der Cölber Teil der „Betziesdorfer Höhe“ gehört zum Ortsteil Schönstadt. Durch die Nähe zum Schönstädter Flugplatz tritt außerdem eine weitere Auflage in Kraft: der Standort „Betziesdorfer Höhe“ läge in der Einflugschneise des Schönstädter Flughafens. Würden die Windräder an diesem Standort realisiert, müsste die Flugplatzrunde verlegt werden.

„Eigentlich haben wir mit der Nahwärme eben erst ein großes Projekt auf den Weg gebracht und würden gerne noch ein bis zwei Jahre warten, bis wir uns um die Windenergie kümmern“, so der Schönstädter Ortsvorsteher Hannes Weber. Doch diese Zeit wird ihm nicht gegeben. Das benachbarte Kirchhain plant eine Windkraftanlage im Wald bei Sinderfeld, für die ebenfalls die Flugroute verlegt werden müsste. Eine Lösung, bei der beide Standorte realisiert werden könnten, hält Weber für ausgeschlossen. „Wenn Kirchhain baut, haben wir gar keine Chance mehr“, sagte Weber. Bürgermeister Volker Carle betonte: „Wir wollen für unsere Gemeinde den Energiemix - die Windenergie kann helfen, eine Bedarfsspitze aufzufangen. Schon ein Rad produziert eine Menge an Energie.“ Somit präsentierte Weber dem Ortsbeirat einen Vorschlag, der vorsieht mit Kirchhain in Verhandlungen zu treten, um die Nachbargemeinde von ihren Plänen bezüglich des Sindersfelder Waldes abzubringen und einen gemeinsamen Windpark auf der „Betziesdorfer Höhe“ zu errichten. Dies sei aber mit zwei dicken „Wenns“ verbunden.

Zum einen seien die Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium Kassel sowie mit dem Kurhessischen Verein für Luftfahrt noch nicht aufgenommen und es sei unklar, ob und wie eine Verlegung der Flugplatzrunde möglich sei. Zum anderen sei es möglich, dass Kirchhain nicht mitmacht. Trotz allem sei es besser, wenn zwei Kommunen zusammen arbeiteten. Darüber hinaus könnte dieses Projekt nach der Nahwärme ein zweites Leuchtturmprojekt werden, so Weber. Er denke daran, auch hier eine Genossenschaft zu gründen, bei der jedes Mitglied seine jährliche Dividende in Kilowattstunden gutgeschrieben bekäme. Somit umgehe man die Gewerbesteuer, die lediglich der Gemeinde zufiele.

Standortbesichtigung am Samstag

Die Mitglieder des Schönstädter Ortsbeirates zeigten sich skeptisch. Windräder stellen eine Einschränkung in der Vogelwelt dar, meinten sie. Andere Energien seien effizienter, der andere Standort sei windreicher. Auf der „Betziesdorfer Höhe“ seien die Windräder für jedermann in Schönstadt sichtbar.

Bürgermeister Carle zerstreute die Bedenken weitgehend. Trotzdem räumten Carle und Weber dem Ortsbeirat eine Bedenkzeit ein. Am kommenden Samstag treffen sich die Ortsbeiratsmitglieder um 14 Uhr vor dem Schönstädter Bürgerhaus, um den geplanten Standort gemeinsam zu besichtigen. Alle Interessierten sind eingeladen, mitzukommen. Kommenden Montag wird man eine Entscheidung zu Form und Inhalt einer Stellungnahme treffen.

von Kristina Gerstenmaier

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