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Vier Kommunen, ein gemeinsames Ziel

Windkraft Vier Kommunen, ein gemeinsames Ziel

Windkraft ist ein heikles Thema. Um mögliche Konflikte mit den Nachbarn gleich zu minimieren, tun sich im Süden des Landkreises vier Bürgermeister jetzt über Kirchtürme und die Kreisgrenzen hinweg zusammen.

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grün: Als Vorranggebiet Windenergie ausweisen

rot: nicht als Vorranggebiet Windenergie ausweisen

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Quelle: Karte: Pavlenko

Fronhausen. Drei Windkraftanlagen machen den Anfang bei der Zusammenarbeit der Kommunen Allendorf/Lumda, Ebsdorfergrund, Fronhausen und Staufenberg. Die Windräder sollen auf der Anhöhe „Kalter Stall“ zwischen Ebsdorfergrund-Leidenhofen und dem Allendorfer Stadtteil Winnen entstehen. Die Entwicklung dieses 10 bis 12 Millionen Euro teuren Projektes sowie die Verhandlungen mit den Banken sind bereits weit fortgeschritten“, erklärte Peter Gefeller, Bürgermeister der Stadt Staufenberg im Landkreis Gießen.

Er, Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause aus dem ebenfalls hinter der Kreisgrenze gelegenen Allendorf-Lumda sowie Andreas Schulz und Reinhold Weber, die Kollegen der Gemeinden Ebsdorfergrund und Fronhausen, informierten im Bürgerhaus von Fronhausen über die interkommunalen Planungen in der Windkraft.

Nur in gemeinsam abgestimmten Projekten

Einig sind sich die Rathauschefs, dass das damit zu verdienende Geld nicht „in die Welt“ gehen darf“, sondern in der Region bleiben muss. Zu leisten sei dieses „ambitionierte“ Vorhaben nur gemeinsam, so die Bürgermeisterin und ihre drei Amtskollegen.

Projektentwickler seien in den vergangenen Wochen auf die Gemeinden, Privatleute oder Waldinteressenten zugekommen, um Flächen zu akquirieren, erzählte Schulz. Bergen-Krause und ihre Kollegen sind sich aber darin einig, dass sie sich Windkraftanlagen nicht einfach vor die Nase setzen lassen. Nur gemeinsam abgestimmte Projekte soll es geben.

Um „feindliche“ Pläne von vornherein zu unterbinden, wollen die zwei Städte und zwei Gemeinden ihre eigenen Flächennutzungspläne miteinander koordinieren, um diese dann vom Regierungspräsidenten im Raumordnungsplan Mittelhessen-Teilplan Energie berücksichtigen zu lassen. Das sei ein ganz wichtiger Schritt, betonten die Verwaltungschefs.

Das Aufstellen eines „interkommunalen“ Flächennutzungsplanes sowie die landkreisübergreifende Zusammenarbeit sei nach seinem Wissen ein als absolutes Novum in Hessen, so Gefeller.

Finanzierung aus der Region

„Damit haben wir uns eine Steuerungsmöglichkeit geschaffen, die für alle Beteiligten nur gut sein kann“, ergänzte Weber, der sich aktuell den Plänen angeschlossen hatte. Schulz empfahl, dass sich Dritte im Zuge ihrer Planungen immer zuerst an die Gemeinde- oder Stadtverwaltungen wenden, um die Interessen im Vorfeld abzustimmen. Das Finanzierungsmodell für die Windkraftanlagen muss nicht mehr erfunden werden. Bewährt hat sich bereits die Energiegesellschaft Lumdatal bei der Errichtung eines Solarparks. Dieser GmbH gehören sechs Kommunen - die Gemeinde Rabenau, Buseck und Wettenberg sowie die Städte Allendorf, Staufenberg und Lollar - an.

„Weil sie von der Idee überzeugt sind, haben auch die Gemeinde Reiskirchen und die Stadt Pohlheim einen Beitrittsbeschluss zur Gesellschaft gefasst“, informierte Gefeller.

Die Bürgermeister von Ebsdorfergrund und Fronhausen wollen ihre Gemeindevertreter nun ebenfalls für einen solchen Beschluss gewinnen. Mit zehn Kommunen im Rücken könne man schon einiges bewegen, war man sich einig.

Die Finanzierung des Pilotprojektes in Ebsdorfergrund soll zu 50 Prozent über die Energiegenossenschaft Lumdatal finanziert werden. Damit für die Bürger neben den landschaftlichen Einbußen auch eine Chance auf „lukrative“ Renditen besteht, sollen 30 Prozent der Anlage nach dem genossenschaftlichen Prinzip privat finanziert werden. Vorstellbar ist, dass hier die bereits laufende Sonnenland-Genossenschaft Pate steht.

Ebenfalls mit im Boot wird eine kommunale Energiegesellschaft, sie soll 20 Prozent der Finanzierung übernehmen. Wer das sein wird, denkbar wären zum Beispiel die Stadtwerke aus Marburg oder Gießen, ist noch offen.

Damit könne man nicht nur die Energiewende für ihre Kommunen zu nutzen, sondern auch dazu beitragen, die Haushaltslage zu entspannen. „Unsere Ressourcen sind unsere Flächen. Die erneuerbaren Energien eröffnen uns große Zukunftschancen“, untermauerte Gefeller. Die „Verschwisterung“ der Kommunen über die Kreisgrenzen hinweg sei überhaupt ein bedeutender Schritt, um das Potenzial der Region auszuschöpfen, betonte Bergen-Krause. Über die aktuellen Energieziele hinaus sieht die Gruppe noch zahlreiche weitere Handlungsfelder, um das Gebiet zwischen Marburg und Gießen zu entwickeln. Vorstellbar seien zum Beispiel gemeinsame Gewerbegebiete an der B3.

von Martina Becker

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