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Auf diesen Flächen könnten bald Windräder stehen

Energiewende: Landkreis im Überblick Auf diesen Flächen könnten bald Windräder stehen

Der Entwurf des Teilplans Energie Mittelhessen liegt vor. In ihm sind 3,1 Prozent der Fläche Mittelhessens als Vorrangfläche für die Nutzung von Wind­ energie ausgewiesen.

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Regionalplan-Entwurf: Die OP zeigt potenzielle Gebiete im Hinterland für die Nutzung der Windkraft.

Quelle: Matthias Lewin (pixelio)

Marburg. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf sieht das planende Regierungspräsidium in Gießen sogar 3,3 Prozent der Fläche als geeignet an, um darauf jeweils mindestens drei Windkraftanlagen je Windpark aufstellen zu können. Überraschend ist, dass die im Vorhinein hoch gehandelten Flächen der Städte Biedenkopf und Wetter nicht verplant werden können. Zum einen greifen die Restriktionen der „Natura-2000-Gebiete“, also naturschutzrechtliche Belange, zum anderen die Erhöhung der Anforderungen an die Windgeschwindigkeiten auf 5,75 Meter pro Sekunde in 140 Metern Höhe. Wetter verbleiben nun zwei kleine Regionen, eine bei Todenhausen und eine, die gemeinsam mit der Gemeinde Lahntal geplant und genutzt werden soll.

Auch im Hinterland, wo die Windkraftpläne in einigen Gemeinden sehr umstritten sind, kommt einiges anders als geplant. So wird die Stadt Gladenbach auf dem Allberg keine Windkraftanlage errichten können und auch die Gemeinde Dautphetal muss mit kleineren Flächen zurechtkommen.

Einige Änderungen zum ersten Entwurf enthält das vorliegende Kartenwerk. Die Regionalversammlung soll im Dezember darüber entscheiden. Zeit genug, um in den Gemeinden darüber zu diskutieren. Wir zeigen, wo das Regierungspräsidium potenzielle Windkraftstandorte sieht. 

Noch ist nichts endgültig festgelegt, doch der Rahmen für die zukünftige Windkraftnutzung im Kreisgebiet ist abgesteckt. Am Donnerstagnachmittag präsentierten Vertreter der Fachabteilung des Regierungspräsidiums (RP) in Gießen den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Umwelt, Ländlicher Raum und Infrastruktur der Regionalversammlung Mittelhessen die Ergebnisse ihrer monatelangen Arbeit: eine noch nicht öffentliche Karte mit den möglichen Vorranggebieten für die Nutzung der Windenergie. In unseren OP-Karten können Sie die potenziellen Windkraftflächen im Hinterland und im ganzen Landkreis sehen.

Dokument Karte der Windkraftstandorte im Landkreis (pdf)Dokument Karte der Windkraftstandorte im Hinterland (pdf)

Für das Hinterland ergeben sich daraus einige Änderungen zu den Absichten der Gemeinden. Während zum Beispiel die angrenzende Südkreisgemeinde Lohra zufrieden sein kann, weil die von ihr vorgesehenen Flächen bei Rodenhausen genehmigungsfähig sind, dürfte man auch in Biedenkopf nicht ganz unzufrieden sein. Zwar ist die große Fläche des Biedenkopfer Stadtwaldes nicht für die Errichtung von Windkraftanlagen freigegeben, dafür aber zwei kleine Flächen bei den Stadtteilen Dexbach und Engelbach.

Davon sei er ausgegangen, erklärt Bürgermeister Joachim Thiemig, für den aber das gemeinsame Projekt mit der Gemeinde Breidenbach auf dem Schwarzenberg wichtiger ist: „Darauf haben wir unseren Fokus gelegt.“

Gladenbachs Allberg kommt nicht mehr in Frage

Mit einer kleinen Träne im Auge sieht Gladenbachs Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim den vorliegenden Entwurf. Der Allberg sei als Alternative gedacht gewesen, falls andere Gebiete nicht zum Zuge kämen. Der in der Nachbargemeinde umstrittene Allberg kommt nun nicht mehr in Frage, hauptsächlich weil er nicht genügend Fläche für mindestens drei Windkraftanlagen – eines der Kriterien, mit denen man der „Verspargelung der Landschaft“ entgegenwirken will – bietet. Er könne damit leben, sagt der Gladenbacher Rathauschef, zumal diese Einschränkung des RP förderlich für die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zur Gemeinde Dautphetal sein dürfte.

Dort, vor allem im Ortsteil Holzhausen, stießen die Absichten der Gladenbacher übel auf. Im Ortsbeirat wurde vergangene Woche sogar beschlossen, die Gemeinde Dautphetal solle darauf hinwirken, dass der Stadt die Möglichkeit verschlossen bleibe, den Allberg jetzt oder auch später als Vorranggebiet beantragen zu können. Noch am gestrigen Vormittag hatte Bürgermeister Bernd Schmidt zu den Ergebnissen des Entwurfs erklärt, das Gespräch mit den Vertretern der Stadt Gladenbach zu suchen, um zu erfahren, wie diese weiter vorgehen wolle. Insgesamt, so Schmidt, habe man sich mehr Flächen erhofft.

"Hohe Höll" fällt raus

In die abgelehnten Flächen bei Buchenau und bei Allendorf, Dams- und Elmshausen wolle man keine unnötigen Energien verpulvern. Da mache man sich keine Hoffnungen, noch etwas erreichen zu können. Für den Bereich um Herzhausen wollte der Dautphetaler Bürgermeister am Freitag noch keine detaillierte Stellungnahme abgeben. Dort hatte die Gemeinde ein großes Gebiet beantragt, aus dem aber nun der Höhenzug „Hohe Höll“ herausfällt. Das wiederum dürfte die Holzhäuser freuen, die befürchteten, ihr Ort werde von Westen bis Osten in Sichelform von Windrädern „umzingelt“. Laut Schmidt soll das Planungsbüro nun prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, „mehr zu erzielen“.

Dazu müssten die Gemeinden die in harte und weiche Ausschlusskriterien gegliederten Grundsätze des RP per Gutachten aufheben. Harte Ausschlusskriterien sind zum Beispiel:

  • Vorranggebiete Siedlung einschließlich 600-Meter-Abstandszone
  • Wohnbebauung im Außenbereich
  • Vorranggebiet Industrie
  • Naturschutzgebiet
  • Schutz- oder Bannwald
  • Naturdenkmal
  • Schutzzone eines Wasserschutzgebietes
  • Stillgewässer
  • Mittlere Windgeschwindigkeit geringer als 5,5 Meter/Sekunde.

von Gianfranco Fain

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