Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Angst vor Rotoren auf Höhe der Burg

Windkraft in Wetter Angst vor Rotoren auf Höhe der Burg

Unruhe in Mellnau und Todenhausen: Nachdem das Thema Windkraft zwischen Sonnenwendskopf und Galgenberg jahrelang als erledigt galt, ist es nun aktueller denn je. Offen ist, ob Windräder dort noch zu verhindern sind.

So könnte ein Windpark mit 140 Meter hohen Anlagen zwischen Todenhausen (vorn) und Mellnau – von Amönau aus – aussehen.

Quelle: Lothar Feisel (BI Windkraft)

Mellnau. Vor wenigen Wochen, am 2. Februar, hat sich die Bürgerinitiative Windkraft Wetter gegründet. Mit einem harten Kern von fünf Leuten und bislang etwa 25 Unterstützern in Todenhausen und Mellnau setzt sie jetzt auf schnelle Information und den Versuch, Unterstützung bei den Bürgern und den zuständigen Stellen zu bekommen - damit an dieser Stelle kein Windpark realisiert wird.

"Wir sind nicht gegen Windkraft", betonen die Vertreter der Initiative, sie halten diesen Standort allerdings für ungeeignet. Die Stadt habe geeignetere Flächen, zum Beispiel an der Grenze zu Lahntal oder Dautphetal. Das wird nicht zuletzt durch eine Auswertung von neuen Wind-Daten gestützt, die der Stadt vom Regierungspräsidium zur Verfügung gestellt wurde. Diese stellte Bürgermeister Kai-Uwe Spanka in der jüngsten Bauausschusssitzung am Montag vor.

Die Bürgerinitiative, zu der neben den Ortsvorstehern Margot Diehl (Mellnau) und Ralf Funk (Todenhausen) auch die Mellnauer Lothar Feisel und Andreas Ditze und der Amönauer Marc Böttcher gehören, sieht sich ausdrücklich nicht als Windkraftverhinderer. Sie will "kritischer Begleiter und konstruktiver Gesprächspartner für alle sein, die die Einführung von Windenergie in Wetter betreiben". Ziel sei es, dass Windkraftanlagen "dort entstehen, wo sie wirtschaftlich sinnvoll sind und Mensch und Natur Raum zum Leben lassen". Bei Mellnau seien dies definitiv nicht der Fall. Margot Diehl erinnert daran, dass sich Mellnau schon vor Jahren gegen die Ausweisung von Windkraftflächen an dieser Stelle ausgesprochen habe. In der Zeit der Dorferneuerung habe dieses Thema immer eine Rolle gespielt. Diehl findet, dass Wetter vielleicht auch ohne Windkraft auskommen könne. Schließlich werde in Wetter bereits viel über Biomasse gemacht.

Fotomontagen zeigen, wie es später aussehen könnte

Die Bürgerinitiative setzt zunächst aber darauf, zu zeigen, was auf die Bürger von Mellnau, Todenhausen, aber auch auf Amönau zukommen kann. Auf der im Regionalplan ausgewiesenen Vorrangfläche für Windkraft bei Mellnau sind seit einiger Zeit auswärtige Investoren aktiv, die auch bereits diverse Vorverträge mit Grundstücksbesitzern abgeschlossen haben. Das wurde in der Bauausschusssitzung der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend noch einmal deutlich.

Um zu illustrieren, wie ein Windpark sich an dieser Stelle auswirken würde, hat Lothar Feisel zwei Fotomontagen aus Sicht von Amönau und aus Mellnau gesehen, angefertigt. Diese erheben nicht den Anspruch, bis ins Detail korrekt zu sein, dafür habe man zu wenig Erfahrung damit, so Feisel. Es sei auch nicht klar, ob wirklich so viele Anlagen geplant seien, wie auf den Fotomontagen abgebildet sind. Die Fotos sollten zeigen, wie sich ein Windpark in der Umgebung auf das Landschaftsbild auswirken würde.

Künftige Windkraftanlagen könnten in 300 Meter Höhe stehen, sie wären nach dem Stand der Technik inklusive der Flügel etwa 186 Meter hoch. Zum Vergleich: Die Burg Mellnau steht in etwa 380 Meter Höhe und ist knapp 20 Meter hoch, so die Bürgerinitiative. Der Abstand der Flächengrenze beträgt zum ersten bewohnten Haus nach Todenhausen nur 750 Meter, nach Mellnau 1500 Meter. Doch diese Entfernung sei aufgrund der Lage Mellnaus am Berg keine Beruhigung.

Die Befürchtung ist, dass es vor allem für Mellnau aufgrund der vorherrschenden Windrichtung auch entsprechende Lärmbelastungen durch die Rotoren gäbe. Zudem sei nicht klar, wie sich der Schattenwurf der sich drehenden Räder und die für Flugzeuge wichtige Beleuchtung (Blinklichter) auf die Anwohner auswirke. Die Bürgerinitiative verweist auf diverse Erfahrungen an anderen Standorten, wo empfindliche Menschen erheblich gefährdet seien.

Zu einer öffentlichen Veranstaltung lädt die Bürgerinitiative am Sonntag, 1. April um 14 Uhr ein. Vom Sportplatz aus startet der erste "Mellnauer Sonntagsspaziergang" zu der geplanten Windkraftfläche. Ein Angebot, dass es möglicherweise regelmäßig geben soll.

"Wir lassen es eskalieren, wenn es sein muss"

Die BI will gemeinsam mit den Gremien der Stadt versuchen, die Errichtung von Windrädern zwischen Mellnau und Todenhausen zu verhindern. Vom Regierungspräsidium will man Informationen einfordern, warum der Standort aufrechterhalten werde, obwohl es vor Ort große Zweifel an seiner Eignung gibt.

Wenn alle Argumente nichts nützen, so Andreas Ditze, sei man auch bereit, den Protest zu verschärfen. Mit Interesse habe man die heftigen Diskussionen um die Windkraftstandorte im Hinterland verfolgt. "Wir lassen es auch eskalieren, wenn es sein muss", so Ditze.

von Michael Agricola