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Zwischen Stress und Besinnlichkeit

Adventsserie Zwischen Stress und Besinnlichkeit

Weihnachten ist ein christliches Fest. Klar. Aber welche Bedeutung hat die Religion für den einzelnen in der Adventszeit?

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Die besinnliche Seite von Weihnachten in der Elisabethkirche.

Quelle: Andreas Arlt

Marburg. Marburg. Einmal in der Woche treffen sich Marc Reich, Dennis Mude, Maik Barholz, Sven Busch, Niclas Kruschwitz und Sebastian Klemm. Mindestens. Denn alle sechs Studenten an der Philipps-Universität sind begeisterte Sportler und gehen dann gemeinsam an der Lahn joggen. Kennengelernt haben sich die sechs erst in Marburg und durch ihren Lauftreff. Aber die Gespräche - auch mal Abends bei einem Bier in der Kneipe - drehen sich bei den sechs unterschiedlichen Charakteren nicht nur um Sport.

OP: Stress beim Geschenkekauf oder besinnliche Vorweihnachtszeit. Was überwiegt im Dezember?

Kruschwitz: Ich finde es manchmal lustig, wenn ich vor Weihnachten in der Stadt unterwegs bin und in die Gesichter der ganzen gestressten Menschen gucke, die von einem Geschäft zum nächsten hetzen.

Klemm: Man nimmt sich ja jedes Jahr vor, früher mit dem Geschenke-Kauf anzufangen. Aber am Ende wird es dann doch nichts.

OP: Also überwiegt der Stress und verdrängt die eigentliche Bedeutung von Weihnachten?

Busch: Nein. Vielleicht ein bisschen, weil der Konsumgedanke in dieser Zeit stärker ist und ja auch an allen Ecken noch unterstützt wird. Aber für mich zumindest rückt die Bedeutung immer stärker in den Vordergrund, je näher Weihnachten kommt. Aber das hat bestimmt auch damit zu tun, dass ich kurz davor nach Hause nach München fahre und mich auf meine Familie und Freunde freue.

Kruschwitz: Aber das ist eigentlich auch nicht die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten. Klar freut man sich, wenn an diesen Tagen alle zuhause sind, viele alte Freunde wieder im Ort sind und man sich treffen kann. Mit Religion oder dem weihnachtlichen Gedanken hat das aber nichts zu tun.

Busch: Das habe ich auch nicht gesagt. Für mich steht an Weihnachten der gemeinschaft­liche familiäre Gedanke im Vordergrund. Ob das christlich begründet ist oder nicht, ist ja eigentlich egal.

Mude: Ich finde auch nicht, dass es sich widerspricht. Es ist das Fest der Liebe.

Kruschwitz: Ja, schon. Aber wie viele Menschen reden denn an Heiligabend über die Geburt Jesu? Klar, man singt in der Familie Weihnachtslieder, hat seinen Weihnachtsbaum und geht in die Kirche. Mit Religion oder dem Glauben beschäftigen sich aber wahrscheinlich die wenigsten.

Barholz: Das ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Immer weniger Menschen beschäftigen sich mit Religion oder sind gläubig. Das spiegelt sich dann auch darin wider, wie die Menschen Weihnachten feiern und welche Bedeutung die Religion an sich dabei hat.

OP: In der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium heißt es „Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“. Kann man mit dieser Botschaft auch als nicht-gläubiger Mensch etwas anfangen?

Barholz: Ich glaube schon. Viele Menschen haben Zukunftsängste und wissen nicht, was in den nächsten Jahren kommen wird. Aber trotzdem haben sie die Hoffnung, dass es für sie besser wird. Das steckt ja in diesem Vers.

Klemm: Das „Fürchtet euch nicht“ trifft dann aber nur bedingt zu. Wenn man den Engel durch einen beliebigen Politiker ersetzt, macht der Spruch auch noch Sinn (lacht).

Reich: Das zeigt doch nur, dass es immer noch eine Bedeutung hat. Und das trifft ja bei vielen Botschaften zu, die in der Bibel stehen, auch wenn ich nicht wirklich bibelfest bin. Ob man sich darin wiederfindet oder nicht, hängt von jedem selbst ab.

Kruschwitz: Das Schöne ist ja, dass viele das in der Weihnachtszeit verstärkt - auch unbewusst - machen. Das würde beim Rest des Jahres vielleicht auch nicht schaden.

von Andreas Arlt

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