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Jetzt ist Zeit, um Obstbäume zu pflanzen

Obstbäume pflanzen Jetzt ist Zeit, um Obstbäume zu pflanzen

Obwohl man auf den ­Erfolg seiner Arbeit einige Zeit warten muss, pflanzen immer mehr Menschen eigenes Obstgehölz. Platz dafür ist im kleinsten Garten.

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Frust über späten Frost wirkt nach

So pflanzen Sie Obstbäume richtig. Grafik: Ricarda Schick

Quelle: Ricarda Schick

Marburg. Jeder Deutsche isst jährlich im Durchschnitt fast 70 Kilogramm Obst. Das stammt größtenteils aus Supermärkten. Wer auf neue Geschmackserlebnisse aus ist oder auf die neueren Sorten allergisch reagiert, pflanzt ausgewähltes Obstgehölze im eigenen Garten.

Davon profitieren auch heimische Insekten, Vögel und andere Kleintiere: Sie lassen sich im Obstgarten gerne Nektar, Früchte oder Samen schmecken. Einige Obstsorten sind schon mitten im Sommer reif, andere erst im Herbst: Werden die Pflanzen gekonnt kombiniert, dann ist im eigenen Garten über einen langen Zeitraum immer etwas reif.

Beste Pflanzzeit für Obstgehölz ist von Ende Oktober bis zum ersten Frost. Dann kommen die sogenannten wurzelnackten Pflanzen in den Boden. Sie sind deutlich billiger als Containerware, die man das ganze Jahr über pflanzen kann.

Umpflanzen ist ein massiver Eingriff ins Wurzelwerk

Wer besondere Sortenwünsche hat, sollte seine Bestellung rechtzeitig aufgeben. Wichtig ist jetzt auch, den Standort für den Obstbaum gründliche vorzubereiten. Der Marburger Pomologe­ (Obstbaukundler) Dr. Norbert Clement gibt Tipps, damit das Anpflanzen von Obstgehölz möglichst perfekt gelingt. Damit die Früchte gut ausreifen, sollte der Standort sonnig sein.Der Experte empfiehlt, kräftige Bäume zu pflanzen. „Sind sie zu schwach entwickelt, dann werden sie den Schock durch das Pflanzen zwar überstehen, aber in den darauf folgenden Jahren eine Depression im Wachstum durchlaufen, die nur schwer aufzuholen ist“, erläutert er.

Nach dem Roden, dem Ausgraben, werde in der Baumschule etwa zwei Drittel der Wurzeln entfernt, berichtet er. Dadurch habe der Baum wesentlich schlechtere Ausgangsbedingungen. Aber eine kräftige Pflanze hole das schnell wieder auf.

Das Umpflanzen sei ein massiver Eingriff in das Wurzelwerk. Deshalb dürfe der Pflanzschnitt an der Krone nicht vergessen werden (Abbildung 3). Dabei bleibt ein langer Mitteltrieb stehen, die Seitentriebe werden auf eine Höhe gekürzt, die sogenannte Saftwaage.

Spätestens im Frühjahr muss der Pflanzschnitt erfolgen

In einer heimischen Baumschule vollzieht eine Fachkraft den unerlässlichen Pflanzschnitt. Foto: Hartmut Berge

Durch das Verkürzen der Wurzel könne ein Baum – im Vergleich zu vorher – nur etwa ein Drittel des Wassers in die Pflanze liefern. Deshalb müsse auch die oberirdisch zu versorgende Fläche, die Krone, im Gleichgewicht zur Wurzel stehen.

Den Pflanzschnitt könne man  beim Kauf in den Baumschulen machen lassen, spätestens im Frühjahr müsse er erfolgen, sagt Dr. Clement. „Der Baum darf vor dem Pflanzen keinem Frost ausgesetzt werden“, warnt der Fachmann und erklärt: „Ansonsten sterben die Feinwurzeln ab und die Pflanze wächst womöglich nicht an.“ Wer nicht gleich pflanzen kann, der schlägt den Baum in einer Grube ein, bedeckt die Wurzel mit Erde und wässert kräftig. Bei kurzen Wartezeiten reicht es, die Wurzeln für ein paar Stunden ins Wasser zu stellen.    

Die Größe des Pflanzlochs (1) richte sich nach der Wurzel des Baumes, sagt der Experte. Anstelle tiefer Gruben hat es sich inzwischen bewährt, den Pflanzbereich mit dem Spaten zu lockern. Ist der Boden schlecht beschaffen und Erde soll ausgetauscht werden, gräbt man ein größeres Loch.

Für Mäuse sind Wurzeln wie für den Menschen Schokolade

„Wühlmäuse fressen gerne Pflanzenwurzeln, besonders gerne Obstbaumwurzeln, weil sie unter anderem recht viel Kohlenhydrate enthalten. Für sie ist das, wie für uns Schokolade“, sagt der Pomologe. Deshalb muss die Wurzel mit einem Drahtkorb geschützt werden. „Der Draht sollte nicht kunststoffbeschichtet oder verzinkt sein“, sagt er. Einfaches enges Drahtgeflecht (13 Millimeter) halte solange, bis sich die Wurzel stark genug entwickelt habe.

Der Baum wird auf die Höhe gesetzt, wie er vorher stand (2). Gleichwohl dürfen die Wurzeln nicht aus dem Erdreich ragen. Bevor die Erde eingefüllt wird, setzt man mindestens einen Stützpfosten. Den schlägt man vorsichtig, nicht zu nahe am Stamm, zwischen den Wurzeln, ein (1). Drei Pfähle bieten den optimalen Schutz gegen Wind und Sturm aus allen Richtungen. Zur Anbindung empfiehlt Dr. Clement Kokosstricke (4). Wenn Bäume auf Wiesen und Weiden gepflanzt werden, sollte ein Schäl- und Verbissschutz angebracht werden.

Beim Einfüllen der Erde in das Pflanzloch ist darauf zu achten, dass sich an den Wurzeln keine Luftlöcher bilden. Bei der Verwendung von Mäuseschutzdraht kann das leicht passieren. „Die Erde darf man nicht zu sehr verdichten, damit die Feinwurzeln nicht leiden“, sagt er. Manche Experten schwören auf das Einschlämmen der Erde, andere meinen, es reiche aus, die Pflanze beim Setzen kräftig anzugießen.

Liste für Apfelallergiker beim BUND Lemgo

Halb- und Viertelstämme lassen sich zwar leichter pflegen und abernten, Dr. Clement rät aber, sich vor dem Pflanzen Gedanken über die Baumform und -größe zu machen. Der Standort sei wichtig und die Frage, wann man die ersten Früchte ernten wolle. Für einen umzäunten Garten könne man durchaus einen Halbstamm wählen. Entscheidend sei die Unterlage. Bei einem Sämling als Unterlage sei der Garten relativ schnell voll und es dauere lange, bis der Baum trage. In der freien Landschaft sei ein Halbstamm mit schwach wachsender Unterlage nicht angebracht, weil man womöglich Probleme mit Weidetieren bekomme und die Pflanzen gegen hoch aufwachsendes Gras nicht konkurrenzfähig seien. „Hochstämme sind dort eher angebracht“, betont er. Für den heimischen Garten rät er zu Halbstämmen auf mittel-schwach wachsenden Unterlagen.

Mit Apfel-Allergien und Sortenempfehlungen für Allergiker befasst sich seit Jahren die BUND-Ortsgruppe Lemgo. Informationen dazu gibt es auf deren Internetseite.
Dr. Norbert Clement hat in seiner Funktion als Obst- und Gartenbauberater des Landkreises Marburg-Biedenkopf eine­ Sortenliste mit für die Region empfehlenswertem Obstgehölz zusammengestellt. Interessierte können sie bei ihm anfordern unter der E-Mail-Adresse ClementN@marburg-biedenkopf.de oder Telefon 0 64 21 /4 05 63 04.

von Hartmut Berge

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