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Feuchte Füße, trockener Kopf

Saisongarten Feuchte Füße, trockener Kopf

Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es in unseren Gefilden auch heute noch Sommer, in denen die Tomaten ausreifen können.

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Hobbygärtner haben es in der Hand, durch die Auswahl eines sonnigen, geschützten Standortes für eine frühe Pflanzenentwicklung und Fruchtbildung der Tomaten zu sorgen.

Quelle: Archivbild

Marburg. Tomaten gibt es in unzähligen Formen und Farben. Die schmackhaftesten sind nach altbewährtem Verfahren durch aufwändige Kreuzungen entstanden. Andernorts baut man auf die „super widerstandsfähige“ Gentomate.

Doch viele herkömmlich ­gezüchtete, aber in kalten ­Regionen gewachsene Tomaten schmecken nach nichts, werden als „schnittfestes Wasser“ verspottet. In den USA haben Forscher herausgefunden, warum die Massentomate aus dem ­Supermarkt quasi geschmacksneutral ist.

Schuld daran seien die Züchter, die seit Jahrzehnten nur auf eine schöne, gleichmäßige rote Farbe aus seien und dabei den Geschmack vernachlässigt hätten, behaupten sie. Dass dies nur die halbe Wahrheit ist, erklärt Gerhard Kurz, Seniorchef der Gärtnerei Kurz in Gladenbach-Bellnhausen. „In Holland beispielsweise wachsen die billigsten Tomaten auf Glaswolle, bekommen nur Nährstofflösung und Wasser.“ Welche Bedeutung der Boden für den ­Geschmack haben kann, wisse man ja vom Weinanbau.

Ohne Wärme gibt es keine Rotfärbung, keine Ausbildung von Fruchtsäure, Aromastoffen und Traubenzucker. Der geneigte Hobbygärtner hat es in der Hand, durch die Auswahl eines sonnigen, geschützten Standortes für eine frühe Pflanzenentwicklung und Fruchtbildung zu sorgen.

Und im Herbst schützen ­Tomatenhauben die Früchte vor Regen und darauf folgender Braunfäule (Phytophtora). Die durch die Folie eingefangene Wärme begünstigt überdies die Reife.

Bei Tomaten sollte man tunlichst übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden. Dagegen begünstigen Kali und Phosphor - im Kompost und in organischen Düngemitteln reichlich vorhanden - die Ausbildung des Geschmacks.

Eine alte Gärtnerweisheit ­besagt, dass in unserem Klima nicht mehr als fünf bis sechs Fruchttrauben zur Reife gelangen können. Deshalb wird empfohlen, rücksichtslos die Spitze der Tomatenpflanze mit den überzähligen Fruchtansätzen zu kappen. Bester Zeitpunkt dafür ist Anfang September. Aus den Blattachseln bricht man laufend die Seitentriebe aus.

Tontöpfe dienen als Bewässerungshilfe

Beim Geschmack ist es durchaus strittig, ob eine säuerliche, fast salzige Frucht als gut empfunden wird oder eine, die nach dem Stadium der Vollreife süßlich schmeckt. Auf jeden Fall sollte sie ein kräftiges Aroma besitzen. Selbst die kleinsten, vor dem Frost geernteten Früchte werden noch rot. Voraussetzung ist, dass sie nicht angestoßen, verletzt oder von Krankheiten befallen sind. Am besten werden sie in einer Schüssel oder in einem Korb flach ausgebreitet aufbewahrt - nicht kühl und hell, sondern dunkel und warm.

Tomatenpflanzen sollte man nach den Eisheiligen, also jetzt an die Außentemperaturen gewöhnen.

Kennen Sie die beste Art, Tomaten zu wässern? Pfiffige Hobbygärtner gießen das Wasser in einen Tontopf, der dicht an den Tomatenwurzeln eingegraben ist. Das Wasser kommt schnell an die Wurzeln. Stengel und Blätter bleiben trocken.

Wer nicht genügend Blumentöpfe hat, kann auch gebrauchte Papptüten etwa für Milch und Säfte verwenden. Die Tüte oben ganz aufschneiden, unten an der Seite, die den Wurzeln der Tomate zugewandt ist, einige kleine Löcher einschneiden. Wenn die Tüte direkt neben der Pflanze eingegraben und mit Wasser gefüllt wird, gelangt das lebensspendende Nass nicht an die Wurzeln.

In feuchten Sommern geben viele Tomatenliebhaber ihren Pflanzen einen Regenschutz, da es Tomaten nur an den Wurzeln feucht mögen. Nässe von oben bekommt ihnen schlecht. Sie werden krank und faulen. Die einfachste Art, sie zu schützen, sind durchsichtige Plastikhauben. Etwas aufwendiger ist eine­ kleine „Freilufthalle“. Hier zieht es so stark, dass sich die weiße Fliege, die sich gern auf den ­Tomaten im Glashaus breit macht, nicht hält.

So gedeihen Tomaten optimal

Vor dem Pflanzen - nach den Eisheiligen - wird ein tiefes Pflanzloch ausgehoben, es muss mindestens einen Spatenstich tief sein. In dieses Loch gibt man eine Portion frischen Pferdemist oder eine Handvoll organischen Dünger wie Horn-, Blut-, Knochenmehl. Darauf kommt eine dünne Schicht Erde.

Jetzt wird der Anbindepfahl eingeschlagen, aus Holz oder Metall, das spielt keine Rolle. Wenn man ihn erst nach dem Setzen der Tomaten einschlägt, verletzt man die Wurzeln.

Die Tomatensetzlinge kommen so tief in den Boden, dass mindestens ein 20 Zentimeter langes Stengelstück über der Wurzel auch in die Erde kommt. Dieses Stengelstück bewurzelt sich schnell und führt der Pflanze zusätzlich Nahrung und Feuchtigkeit zu. Nach dem Pflanzen werden die Tomatensetzlinge gründlich angegossen, damit die Wurzeln schnell Kontakt mit der Erde bekommen.

Wenn die Tomatenpflanzen zu wachsen beginnen, muss man sie anbinden, spätestens, wenn die ersten Blüten erscheinen. Man verwendet dafür Anbindebast oder weiche Plastikschnur. Die Schlaufe wird in Form einer Acht geführt und zwar so, dass sich die Schnurhälften zwischen Anbindestab und Stengel kreuzen.

So wird der empfindliche Stengel der Tomate nicht verletzt, auch wenn die Pflanze schwer an Früchten trägt. Um eine optimale Ernte zu bekommen, werden auch bei Kirschtomaten die Triebe in den Blattachseln ausgegeizt, das heißt, man bricht sie heraus, wenn sie noch möglichst klein sind.

Brennnessel-Pflanzen im Tomatenwald

Auch alle Triebe, die aus der Wurzel kommen, schneidet man ab. Wenn die Tomaten sehr hoch werden, trägt man auch die Spitze ab, sobald sich sechs bis sieben Fruchtansätze entwickelt haben.Alles was man von Tomaten abschneidet und ausgeizt, lässt man auf dem Bett liegen. Tomaten haben es gern, wenn sie mit ihren eigenen Blättern gedüngt werden. Wenn man den Tomaten zusätzlich immer wieder ­eine Mulchdecke aus frischen Brennnesseln gibt, wachsen sie besonders kräftig. Sie bekommen ein gutes Aroma und sind vor Tomatenkrankheiten, etwa der Braunfäule, geschützt.

Die Brennnesseln sollten aber keine Samen gebildet haben, sonst hat man im nächsten Jahr Brennnessel-Pflanzen im Tomatenwald.

Tomaten bleiben immer auf dem selben Bett, sie gedeihen in ihrem eigenen Dunstkreis am besten. Im Herbst werden die Pflanzen herausgezogen, und man lässt sie auf dem Bett liegen. Das ist gut für den Boden und düngt für das nächste Jahr.

von Hartmut Berge

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