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Feldzug durchs Gemüsebeet

Saisongarten Feldzug durchs Gemüsebeet

Von den zehn jungen Salatpflänzchen sind über Nacht fünf verschwunden. Der Ärger ist riesengroß und der Dieb hat sich 
verkrochen. Zeit für eine Gegenoffensive!

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Eine Spanische Wegschnecke kriecht über Zwiebellauch. Die schleimigen Kriechtiere gehören nicht zu den Freunden der Hobbygärtner.

Quelle: Patrick Pleul

Marburg. Schnecken, Blattläuse, Engerlinge, Wühlmäuse, Elstern und Waschbären – die Liste der tierischen Gartenbewohner, auf die der Hobbygärtner nicht gut zu sprechen ist, umfasst viele Namen. Noch mehr Zeit benötigt man, die unterschiedlichen Strategien aufzuzählen, der fressenden und saugenden Feinde Herr zu werden.

Arion Vulgaris heißt der größte Schrecken des Gärtners. Die spanische Wegschnecke, auch Kapuzinerschnecke oder Lusitanische Wegschnecke genannt, hat sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet. Die spanischen Eroberer sind auf ihrem Feldzug auch deshalb so erfolgreich, weil sie geschmacklich selbst für Igel eher eine Zumutung darstellen. Mit anderen Worten: es fehlt an natürlichen Feinden.

Mancher Gartenbesitzer schickt Indische Laufenten in die Verteidigungsschlacht, andere setzen auf die chemische Karte und schwören auf Schneckenkorn. Von dem gibt es inzwischen auch Formen, die, so die Versicherung des Herstellers, für alle anderen Tiere ungefährlich sind. Damit die blauen Körner auch gefressen werden, enthalten sie einen Lockstoff, was zugleich bedeutet, dass im Zweifel noch mehr Schnecken zum Gemüsebeet gleiten.

Erfolg versprechen auch Schneckenzäune, Beeteinfassungen mit einem engen Innenwinkel, den die Schleimer nicht überwinden können. Auch breiter Kupferdraht soll die Schnecken von den Beeten fernhalten. Kaum noch „Stand der Technik“ sind dagegen die Bierfallen. Die größte Wirkung erzielt allerdings nach wie vor das Absammeln der Tiere, insbesondere in den frühen Morgen- und den Abendstunden.

Weinbergschnecken stehen unter strengem Schutz

Weinbergschnecken sollte 
der Gartenfreund allerdings verschonen, sie stehen unter Schutz und fressen im Zweifel auch die Eier der Spanischen Wegschnecke.
Wer beim Unkrautjäten plötzlich auf eine stattliche Sammlung kleiner weißer Kügelchen trifft, sollte sich freuen – und das komplette Gelege der Schneckeneier zerstören.

Gegen Blattläuse gibt es gleich mehrere tierische Verbündete. Die Larven der Marienkäfer gehören ebenso zu den Blattlaus-Vernichtern wie die der Schwebfliegen und die einiger Florfliegen. Unterstützend kann man auch mit einem Brennnessel-Kaltwasserauszug – nur 24 Stunden im Wasser ziehen lassen – sprühen.

Auch unterirdisch gibt es Plagegeister

Unter der Erde treibt die Wühlmaus ihr Unwesen. 
Alle Wurzeln, die nicht tiefer als einen halben Meter in der Erde stecken, gehören zu ihrer Beute. Deshalb sollten Obstbäume auch nur mit einem Schutz aus sogenanntem „Hasendraht“ eingepflanzt werden. Zu ihren
 natürlichen Feinden gehören 
Mauswiesel, Hermelin und Fuchs, wem die tierischen Helfer nicht ausreichen, der kann zu Fallen greifen.

Gleichfalls auf die Wurzeln abgesehen haben es die Engerlinge, insbesondere die Larven des Maikäfers. Sie können sogar ausgewachsene Bäume absterben lassen. Wenn man sie im Boden entdeckt, ist es allerdings häufig schon zu spät. Mäuse, Igel und Marder, aber auch Vögel gehören zu den natürlichen Feinden. Die Larven des Rosenkäfers und des Nashornkäfers sind dagegen ungefährlich. Sie finden sich vor allem in Komposthaufen und stehen unter strengem Schutz.

Engerlinge im Kompost dürfen dort bleiben

Der größte Gartenräuber aber ist der Waschbär. Der Amerika-­Import, der sich gerade in Hessen stark ausgebreitet hat, muss praktisch kaum natürliche 
Feinde fürchten, ist sehr anpassungsfähig und ein ausgesprochenes Leckermaul. Im Familienverbund reicht ihm eine einzige Nacht, um einen ausgewachsenen Pflaumenbaum komplett abzuernten. Ihm ist selbst mit Lebendfallen nur schwer beizukommen.

Das Beispiel der Elster zeigt indes, dass auch die vermeintlichen Schädlinge meist eine 
gute Seite haben. Als Kirschendieb zieht der schwarzweiße Vogel unseren Zorn auf sich, macht er sich über die Engerlinge her, schätzen wir ihn als 
unseren Verbündeten.

Am Ende teilen wir den Garten als Teil der Natur eben auch mit anderen Lebewesen. Und dann hilft die Abschätzung, ob der Aufwand, den wir im Kampf gegen einen Schädling betreiben, nicht den tatsächlichen Schaden überwiegt.

von Frank Rademacher

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