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Auf zur süßen Beerenjagd

Saisongarten Auf zur süßen Beerenjagd

Erd-, Him- und Brom­beeren kannten schon die Großeltern – heute ist die Vielfalt an früchtetragenden Sträuchern für den Garten sehr viel größer.

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Brombeeren tragen zuverlässig Früchte, die ab Juli über Wochen hinweg reifen.

Quelle: Rademacher

Marburg. Lonicera caerulia camptchatica heißt die Maibeere mit botanischem Namen, sie wird aber auch als Kamtschatka-Heckenkirsche, Sibirische Blaubeere, Honigbeere oder Gimolost bezeichnet. Die blauen, gut einen Zentimeter langen Früchte sind die ersten, die hierzulande im Garten geerntet werden können.

Die verschiedenen Namen verraten schon, wo sie ursprünglich zuhause ist und wo wir sie geschmacklich einordnen können: Bei den Heidelbeeren, nicht beim Honig. Und wie die Heidelbeere l??sst sich die Maibeere auch gut verarbeiten, das heißt: direkt im Garten naschen, als Fruchtquark zum Nachtisch oder in den kommenden Wochen als Marme­
lade. Die Sträucher werden bis zu zwei Meter groß und sind selbst für sibirische Verhält­nisse frosthart.

Haben wir uns an den Maibeeren satt gegessen, schimmern schon die ersten Monats- oder Walderdbeeren rot. Diese 
Naturformen der Kulturerd­beeren sind etwas früher reif als ihre größeren Nachfahren. Dafür warten sie mit einem unvergleichlich erdbeerigen Aroma auf. Wie bei den großen Erdbeeren muss man sich um den Nachwuchs keine Sorgen machen.

Ab Juni wird Beerenauswahl größer

Erdbeeren bilden im Sommer Ableger, mitunter ganze Ketten, die, wo sie mit dem Erdboden in Berührung kommen, schnell Wurzeln und neue Pflänzchen 
 bilden. Wer nur von den besonders starken und wohlschmeckenden Pflanzen Nachkommen 
haben möchte, lässt deren Ableger in kleinen Blumentöpfen Fuß fassen. Wenn die Pflänzchen kräftiger geworden sind, kappt man die Verbindung zur Mutterpflanze und setzt sie an den neuen Standort.

Nach drei Jahren lässt der Ertrag der Erdbeeren nach, für Nachwuchs ist dann aber ja schon gesorgt. Im Juni wird die Beerenauswahl im Garten größer. Die ersten frühen Himbeeren werden reif, genauso die wilden Heidelbeeren, die in Wuchs und Früchten kleiner bleiben als die Kulturformen. Dazu kommen die Johannisbeeren sowie die ersten Stachelbeeren – und deren Kreuzung, die Jostabeeren.

Die Himbeeren gibt es als frühe Sorten, als solche, die erst im Herbst tragen, und welche, die gar zweimal – im Juni und noch einmal im Oktober – fruchten. Auch sie sorgen selbst für den Nachwuchs, allerdings durch unterirdische Kriechsprosse. Die Früchte sind rot, in Kulturformen auch gelb, schwarz oder violett und lassen sich leicht vom Fruchtboden lösen. Während die frühen Sorten mitunter verwurmt sind, bleibt dieser Makel bei den im Herbst tragenden Sorten aus. Die abgeernteten Triebe werden im Herbst bodennah abgeschnitten.

Johannisbeeren auslichten

Viele Heidelbeeren bevorzugen einen sauren Boden, sind also dankbar für eine Mulchschicht aus Fichtennadeln. Mittlerweile gibt es aber auch Sorten, die auf neutralen Böden gut gedeihen. Die Sträucher müssen nicht beschnitten werden und können bis zu zwei Meter groß werden.

Johannisbeeren gibt es in den „deutschen“ Farben schwarz, rot und gelb. Die schwarzen haben den intensivsten Geschmack, der auch nicht bei jedermann ankommt. Eine mit gemahlenen Nelken verfeinerte Marmelade kann aber Überzeugungsarbeit leisten.

Die roten Johannisbeeren sind bestens für Gelee und Kuchen geeignet, die gelben sind im Geschmack noch etwas milder als die roten und haben den Vorzug, dass sie nicht so leicht von den Amseln entdeckt werden.

Ältere Pflanzen sollten immer wieder mal ausgelichtet werden, das heißt die verholzten dickeren Triebe werden entfernt, so dass nur fünf oder sechs junge Triebe übrig bleiben.
Die Jostabeeren vereinen den etwas milderen Geschmack der schwarzen Johannisbeeren mit der Größe der Stachelbeeren. Die Sträucher gleichen denen der Johannisbeeren, sind aber noch frohwüchsiger und lassen sich durch Absenker leicht vermehren.

Dazu werden längere, 
tief hängende Triebe bis auf den Boden gebunden, wo sie neue Wurzeln und später neue Triebe bilden. Sind diese Ableger kräftiger geworden, kappt man die Verbindung zur Mutterpflanze.

Die Stachelbeeren haben lange wegen ihrer Namen gebenden Eigenschaft unter fehlender Liebe gelitten. Stachellose Sorten der gelben und roten Früchte machen diese Bedenken im Hinblick auf eine mit Schmerzen verbundene Ernte aber überflüssig.

Lange Ruten müssen angebunden werden 

Die Tay- oder Loganbeere ist eine Kreuzung aus Himbeere und Brombeere und hat wie diese feine Stacheln. Die Früchte haben die Form von Brombeeren, werden im August reif, dunkelviolett und auch dann erst süß im Geschmack. Die Ruten werden auf einem nährstoffreichen Boden leicht fünf bis sieben Meter lang und tragen die Früchte wie Himbeeren und Brombeeren im zweiten Jahr.

Danach sterben sie ab und werden im Herbst auch bodennah abgeschnitten. Die langen Ruten müssen angebunden werden und brauchen dazu ein Gerüst. Gezielt lassen sie sich durch Absenker vermehren.

Die Brombeeren sind ähnlich frohwüchsig, warten mit schwarzen, süßen Früchten auf und lassen sich gleichfalls durch Absenker vermehren. Allerdings bilden sie auch unterirdische Kriechsprosse, die zum Problem werden können, wenn man nicht rechtzeitig einschreitet. Wer die Brombeeren im Stehen ernten möchte, sollte auch ihnen ein Gerüst geben.

Das gilt auch für die Japanische Weinbeere, deren Ruten mit sehr vielen Stacheln bestückt sind. Wer die Früchte ganz ausreifen lässt, was man an der dunkel­
roten Farbe erkennt, wird mit einem erfrischenden süßsäuerlichen Geschmack belohnt.

Unglaublich gesund sind die Früchte der Schwarzen Apfelbeere, auch Aronia genannt. Die im Herbst reif werdenden, erbsengroßen schwarzen Früchte 
haben allerdings eine herbe Geschmacksnote, die nicht gerade zum Naschen verleitet. Sie können wie Rosinen getrocknet werden, um ins Müsli zu gelangen, oder werden dampfentsaftet.

Gemein haben alle Beeren, dass ihr Pflegeaufwand gering ist und sie zuverlässig Früchte tragen. Wer ihnen etwas Gutes tun will, versorgt sie im Frühjahr mit einer Portion Kompost.

von Frank Rademacher

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