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Auge in Auge mit schuppigen Exoten

OP-Serie "nebenan" Auge in Auge mit schuppigen Exoten

Mit Cindy und Bert fing vor zehn Jahren alles an: Die Familie Berger teilt sich ihr Heim in Stadtallendorf mittlerweile mit 50 Geckos.

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Freunde in der Zwangsnachbarschaft

Neugierig guckt einer von 50 Geckos, die in den Terrarien der Familie Berger aus Stadtallendorf leben, in die Kamera.

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Wenn der Nachbar bei Cordula und Ronny Berger klingelt, hat er gelegentlich eine Heuschrecke als Mitbringsel in der Hand. Nicht für Cordula und Ronny, dafür aber für Cindy und Bert - zwei der 50 Taggeckos, die sich bei den Bergers in den vielen Terrarien tummeln. Vor zehn Jahren begann ihre Leidenschaft für die Schuppentiere. Die ersten zwei Exemplare wurden nach dem Schlagerduo benannt, „natürlich wegen dem Nachnamen Berger“, wie Cordula sagte.

Die Namenssuche wird schwieriger

Überhaupt gibt die 50-Jährige allen ihren Tieren Namen. „Die hier heißt Karfreitag, weil sie an Karfreitag geschlüpft ist. Langsam wird es schwierig mit den Namen“, sagt Berger und deutet auf eines der 19 Terrarien, die alleine im Arbeitszimmer des Ehepaars stehen. Alle hat Ronny eigenhändig eingerichtet, mit großen Blattpflanzen, Bambusrohren und Versteckmöglichkeiten für die Exoten, die überwiegend aus Madagaskar und von den benachbarten Inseln stammen.

 

Heizen müssen die Bergers weder im Arbeits- noch im Wohnzimmer. Die Wärme-Abstrahlung der Terrarien, die tagsüber auf einer Temperatur von 25 Grad gehalten werden, reicht im Winter völlig aus. „Im Sommer“, sagte der 53-Jährige, „ist es schon grenzwertig. Da haben wir hier manchmal mehr als 40 Grad in den Zimmern und müssen kühlen, damit Tiere nicht eingehen.“ Weiterer Effekt, auch durch die Beleuchtung der Terrarien: „Eon freut sich über unser Hobby“, lachte Ronny, denn die Stromkosten seien enorm hoch. „Wir müssen deshalb auch die Zahl der Tiere verringern.“

Leicht wird dieses Vorhaben aber nicht, vor allem, weil Cordula sehr an den Tieren hängt. „Dafür gehe ich schließlich auch jeden Tag arbeiten“, sagte die 50-Jährige. „Wenn ich danach gestresst bin und nach Hause komme, hört mir immer jemand zu.“ Ihr Mann sieht ähnliche Vorteile. „Ich bin eher der ruhige Typ und ganz froh, wenn sie beschäftigt ist“, scherzte er.

Zeit kostet das Ehepaar das Zusammenleben mit den Exoten, von denen die Stadtallendorfer 15 Arten halten, bis zu zwei Stunden täglich. Terrarien putzen, die intensive Pflege der Nachzucht und das Füttern der bis zu 25 Zentimeter langen Tiere - alles braucht Zeit. Vor allem das Füttern dauert bei Cordula am längsten, „denn sie redet zu viel mit den Geckos“, sagte Ronny. Schaben, Asseln, Mehlwürmer, Heimchen, Heuschrecken und Mäuse kommen bei den Reptilien auf den „Teller“. Gefüttert wird mit einer Pinzette. Denn die Echsen können trotz ihrer Größe ordentlich zubeißen. „Und lassen dann auch nicht mehr los. Tiere zum Anfassen sind Geckos nicht.“ Lebende Mäuse zu verfüttern, kommt für Cordula nicht in Frage. „Wir hatten mal welche bestellt. Aber ich habe die Mäuschen dann lieber aufgezogen.“

Beobachter beim Frühstücken

Und wie kommt man gerade auf Geckos aus Madagaskar? „Wir haben erst mal mit einem Kind angefangen“, meinte Cordula. Eine Maus, jede Menge Fische, eine Katze („die war so dick, dass sie immer für einen Hund gehalten wurde“) und Frösche zogen nacheinander in die Wohnung der Bergers ein. „Aber eine Katze ist uns zu langweilig.“ Dann lieber die Exoten aus Madagaskar, die mit ihren Haftzehen auch kopfüber Glasscheiben entlanglaufen können.

Die Familie Berger aus Stadtallendorf lebt mit 50 Geckos unter einem Dach.

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Und das ist nicht immer von Vorteil. „Einmal“, erinnerte sich Cordula, „bemerkte ich beim Frühstücken, dass uns jemand beobachtet. Und wirklich entdeckte ich an der Wand einen winzigen Gecko, der erst wenige Wochen alt war und irgendwie aus dem Terrarium gekrochen war.“

Nachwuchs bekommen die Gecko-Pärchen häufiger. Die Weibchen legen die Eier gut versteckt im Terrarium ab. Die Bergers brüten die Eier dann in einem Inkubator aus und päppeln die Schlüpflinge auf. Für 40 bis 200 Euro, je nach Art, wechseln die Tiere dann den Besitzer - meist als Pärchen. „Wir leisten so auch einen Beitrag, dass die Arten erhalten bleiben“, sagte Ronny.

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Hintergrund

Geckos bevölkern seit etwa 50 Millionen Jahren die Erde und haben sich im Laufe ihrer Entwicklung weltweit ausgebreitet. Die meisten Arten sind in den Tropen zu finden. Taggeckos sind im Gegensatz zu ihren nachtaktiven Verwandten auffälliger gefärbt und besitzen eine runde Pupille. Diese Unterart kommt hauptsächlich auf einigen Inseln des Indischen Ozeans vor, überwiegend in Madagaskar. Die rasante Vernichtung von Wäldern, der Bau großer Hotelanlagen an den Uferzonen und der verstärkte Einsatz von Insektiziden sind eine starke Bedrohung für die Echsen. Wer in Deutschland Geckos hält, muss dem zuständigen Regierungspräsidium regelmäßig seinen Bestand sowie die Zu- und Abgänge melden.

von Andreas Arlt

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