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Tollkühner Ritt über die Alpen

Mein erster VW Käfer Tollkühner Ritt über die Alpen

Der Cappler Albert Schmidt erinnert an seinen ersten VW Käfer.

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Der erste VW Käfer von Albert Schmidt aus Cappel.

Quelle: Privatfoto

Cappel.  Im Jahr 1964 kaufte ich für 4 000 D-Mark vom Marburger Studentenarzt einen fast neuen, sehr gepflegten, anthrazitfarbenen VW Käfer Export, 1,2 Liter mit 34 PS und vielen Extras, wie Schiebedach, Nebellampen, Halterung für Kofferradio, Skihalter und verriegelter Motorklappe. Unsere erste Urlaubsfahrt sollte ins Reiseland Nummer eins Italien, nach Rimini an  der Adria führen. Für die damalige Zeit absolut vorausschauend, statteten wir den Käfer von uns aus freiwillig zusätzlich mit Kopfstützen und Sicherheitsgurten aus. Heute eine Selbstverständlichkeit.

Versehen mit Reisepass, ADAC-Schutzbrief, Benzingutscheinen, einer Campingausrüstung und der Agfa Silette SL mit Dia-Farbfilmen ging‘s bei Fernwald auf die Autobahn. Über den Brenner, Bozen und Trient erreichten wir am späten Nachmittag Rovereto, wo wir feststellten, dass es bis Rimini eigentlich zu weit war. Ein kurzer Blick in den Shell-Atlas ergab dann Jesolo bei Venedig als attraktive Alternative.
Als Camper war man flexibel. Die kürzeste Strecke führte danach über den Pasubio-Pass und Schio weiter in Richtung Venedig. Wir hatten keine Ahnung, auf welch Abenteuer wir uns mit dieser spontanen Entscheidung eingelassen hatten. Wir hätten es wohl niemals gewagt.

Die Straße wurde nach etwa einem Kilometer plötzlich zu einem schmalen Schottersträßchen, nicht viel breiter als unser Käfer. Wenden war unmöglich. Nach einigen Serpentinen hinter einem Tunnel wurde es dann richtig mörderisch. Durch das Seitenfenster konnte ich fast die schroffen Felskanten berühren und rechts ging es hunderte Meter tief ohne Randsicherung in den Abgrund. Meine Frau rutschte zu mir rüber und saß fast auf dem Schaltknüppel, den ich ohnehin nicht mehr benötigte, da die enormen Steigungen bis zu 15 Prozent sowieso nur im ersten Gang zu bewältigen waren.
Von Serpentine zu Serpentine mit den vielen dunklen Tunnel wurde es gefährlicher. Es war ein Himmelfahrtsunternehmen. Die Schottersteine wurden von den teilweise stark durchdrehenden Rädern nach hinten geschleudert und ich bangte nicht nur um den Auspuff, sondern auch um unser Leben.

Es kostete viel Kraft, das Lenkrad durch die dicken Gesteinsbrocken gerade zu halten, denn eine Servo-Unterstützung gab es nicht. Jeder wassergekühlte Motor wäre hier zum Kochen gekommen. Der VW Käfer benötigte für die Kühlung hingegen nur Luft und die war in etwa 1 100 Metern Höhe auch noch recht kühl.
Der Käfer lief und lief und lief, so wie es die Werbung versprochen hatte. Nach einer endlos erscheinenden langen Wahnsinnsfahrt erreichten wir schweißgebadet, aber überglücklich, den Ort Schio und ich rauchte die schönste Zigarette meines Lebens. Ein Klick ins Internet zeigt zum Pasubio-Pass Bilder, die mehr sagen als tausend Worte.

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