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Besondere Autos erhalten ihren Wert

Mein erstes Auto Besondere Autos erhalten ihren Wert

Karl-Heinz Töpfer berichtet, warum sein erster VW Käfer trotz einiger Macken zuverlässig blieb und seinen Wert erhalten konnte.

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Karl-Heinz Töpfer auf dem Dach seines ersten eigenen Wagens, einem VW Käfer, Baujahr 1961.

Quelle: Privatfoto

Mornheim am Rhein. Es waren rein medizinische Gründe, die mich im Winter 1971 zum Kauf meines ersten eigenen Autos bewogen hatten. Ich hatte nämlich im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll, mich im Stadtbus zur Uni permanent anhusten und vollschniefen und mich von jeder Erkältung anstecken zu lassen. Mit dem Hausmeister einer Marburger Schule wurde ich daher schnell handelseinig: 1000 Deutsche Mark – das war mir meine Gesundheit schließlich wert.

Und dann stand er vor mir: Ein zehn Jahre alter Volkswagen Käfer, ein Traum in Maigrün. Frisch gewaschen, makellos im Lack und mit einer Ausstattung, die nahezu keine Wünsche mehr offen ließ. Dicke Chrom-Radkappen, Tacho, Blumenvase und ein riesiges Falt-Schiebedach, das den Wagen, wenn es die Temperaturen zuließen, fast in ein Cabriolet verwandelten.

Austauschmotor so teuer wie die Anschaffung

Die fehlende Musikanlage hatte ich mir schnell aus einem Kassettenrecorder, einem alten Radio-Lautsprecher und einem Plastikkanister vom Müll zusammengebastelt. Der Sound war zu jener Zeit kaum noch zu toppen und gern gehört in Marburgs damaligen Party­hochburgen auf den Lahnwiesen oder an der Elnhäuser Mühle, die inzwischen vom Zahn der Zeit aufgefressen wurde.

Natürlich war nicht alles Freude und Eierkuchen. Das erste Problem tauchte schon anlässlich der Jungfernfahrt nach Dänemark kurz vor Hamburg auf. Kolbenfresser! Der Austausch-Motor war so teuer wie der Wagen selbst.

Frustrierte Tritte in einer frostigen Nacht

Auf der Däneninsel Römö konnte man nicht nur über den flachen Strand brettern, sondern auch durch das seichte Nordseewasser und dabei die Gischt nach allen Seiten spritzen lassen. Wenige Tage später waren Motorraum und Austausch-Motor komplett eingerostet. Doch wenigstens lief und lief und lief er.

Allerdings nur bis zum nächsten Winter. Mitten in einer Frostnacht quittierte er seinen Dienst. Nachdem die Batterie ganz leer georgelt war, trat ich, vom Jähzorn übermannt und bereit zum endgültigen Abschied, eine Beule in die Fahrertür – und ein Wunder geschah: Nachdem die Batterie wieder geladen war, ließ mich mein Auto, quasi als Akt von Wiedergutmachung, fortan nie mehr im Stich. Seitdem glaube ich daran, dass auch Autos eine Seele besitzen.

Und dann war da noch ein nächtliches Abenteuer auf einem Waldweg, der so kurvenreich wie meine Beifahrerin war. Nachdem ich mit dem Auto auf selbigen ins Unterholz fuhr, um ihr die Schönheiten der Natur zu zeigen, habe ich in der Dunkelheit Stunden gebraucht, um den Wagen rückwärts wieder aus dem Wald heraus zu rangieren. Trotz Schampus war der Abend gelaufen. Doch schon am nächsten Tag war ich stolzer Besitzer eines Rückfahrscheinwerfers mit Tachowellenschalter. In solch eine peinliche Situation wollte ich nie mehr geraten.

Mein automobiles Schicksal wollte es so, bald verliebte ich mich in ein anderes Auto. Den VW-Käfer, mein erstes Auto, das mich, trotz aller Ärgernisse, immerhin vor so mancher Erkältung bewahrt hatte, kaufte mir die damalige Beifahrerin für 1000 Deutsche Mark ab. Besondere Autos verlieren eben nie ihren Wert. 54 Jahre wäre er heute alt, ob es ihn wohl noch gibt?

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