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Mit Panther lebt es sich einfach besser

Mein erster treuer Freund Mit Panther lebt es sich einfach besser

Heute ist er „seniorengrau“. Doch Panti ist trotz seines Farbverlustes immer noch etwas ganz Besonderes für Heike Döhn. Ein Stofftier, das sogar auf peinliche Geheimnisse aufpasst.

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OP-Mitarbeiterin Heike Döhn mit ihrem Kuscheltier „Panti“.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Viele Jahre durfte er in meinem Bett schlafen, jetzt verbringt er seinen Lebensabend zurückgezogen im Schrank. Die Rede ist nicht von einem Mann, sondern von einem Kuscheltier.
Dem Einzigen von vielen, bei dem ich es nie übers Herz gebracht habe, es zu entsorgen. Es handelt sich um einen ehemals elegant-blauschwarzen, heute eher seniorengrauen und verfilzten Panther, von mir im Alter von fünf Jahren originellerweise „Panti“ getauft.

Panti lag unter dem Weihnachtsbaum bei meinen Großeltern, als ich fünf Jahre alt war, und ich war ihm sofort verfallen. Dieses extrem weiche Fell. Und diese irrsinnig grünen Augen. Beides garantierte dem Neuzugang in der großen Gruppe meiner Schlaftiere eine Sonderbehandlung.

Eigentlich mussten die nämlich alle unter meinem Kissen schlafen, in einer genau ausgeklügelten und immer gleichen Art Abend für Abend arrangiert. Es waren vor Panti bereits acht, unter denen sich allerdings neben politisch nicht korrekten Negerpüppchen und Kissen in Löwenform auch Reste eines Mantelfutters – „Fellchen“ – und zwei plattgelegene Mützenbommeln – „Miez“ und „Mauz“ – befanden.

Reuig in der Waschmaschine

All diese zur Nachtruhe unerlässlichen Begleiter wurden unter das Kissen gelegt, das Löwenkissen obenauf, damit es wenigstens eine halbwegs ebene Fläche zum Schlafen gab, auch wenn ich quasi halb im Sitzen schlafen musste. Übrigens war es mir auch nach Abschaffung der Schlaftiere bis in meine Studienzeit hinein nicht möglich, mit weniger als zwei Kopfkissen zu schlafen, alles Gewohnheit. Panti aber musste nicht unter das Kissen, Panti durfte an meiner Seite schlafen. Und auch als alle anderen mehr oder weniger plüschigen Nachtgefährten ausrangiert waren, blieb Panti.

Tatsächlich auch bis in die Studienzeit. Wurde immer grauer und verfilzter. Eines der tollen grünen Augen – die meine Freundinnen der Kinderzeit übrigens nur als ganz besondere Auszeichnung ansehen durften – ging verloren. Irgendwann wurde es dann doch zu mühsam, Panti immer diskret verschwinden zu lassen, wenn Herrenbesuch kam. Aber mitgenommen wurde er bei jedem Umzug. Durfte in schwierigen Lebenssituationen sogar später noch hin und wieder mit ins Bett, bis er im Laufe der Zeit dann doch in Vergessenheit geriet und in eine muffige Kellerkiste gelangte. Wo er Jahre später wiedergefunden wurde, reuig in der Waschmaschine entmüffelt, und seither, nein, nicht mehr im Bett, aber im Schlafzimmer lebt. Im Schrank halt.

Panti ist mittlerweile 48 Jahre alt, und uns kann jetzt wohl nichts mehr trennen. Inzwischen hat er Gesellschaft bekommen, von Püppi. Einst große Liebe meines Sohnes, inzwischen natürlich unfassbar peinlich für einen Teenager. Aber weil sich das bestimmt eines Tages ändern wird, bleiben sie halt so lange im Schrank beisammen, Panti und Püppi.

von Heike Döhn

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