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Die Teddybären-Bande

Mein erster treuer Freund Die Teddybären-Bande

Bären sind hart im Nehmen. Nicht nur die großen in den dunklen Wäldern, sondern auch die aus Stoff, die des Nachts über unseren Schlaf wachen. Ein ­Redakteur berichtet. 

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Garantiert nicht so, wie es aussieht und ganz bestimmt nur für das Bild gestellt: OP-Redakteur Florian Lerchbacher zusammen mit seinem ersten treuen Freund „Teddy“.

Quelle: Florian Lerchbacher

Marburg. „Es ist nicht so, wie es aussieht! Das mag jetzt vielleicht eigenartig wirken, aber Teddy und ich, wir können das erklären. Ihr mögt uns jetzt vielleicht gemeinsam im Bett erwischt haben und meint zu wissen, was hier Sache ist. Aber es sei betont: Das war ­eine absolute Ausnahme.
Denn Teddy ist mit seinen ­geschätzten 38 Jahren einfach nicht mehr der Fitteste. Um nicht zu sagen: Er ist etwas ­altersschwach. Gebrechlich trifft es vielleicht auch.

Deswegen ziehen wir es seit einigen Jahren vor, unsere innige­ Beziehung mit ein wenig Distanz zu pflegen: Während ich weiterhin im Bett liegen darf, sitzt Teddy auf dem Nachttisch oder der Heizung und wacht von dort über meinen Schlaf. Nebeneinander zu liegen, wäre einfach zu gefährlich: Sollten 88 Kilo ­Lebendgewicht des nachts über den kleinen Steiff-Bären rollen, könnte das verheerende Folgen für das zarte Geschöpf haben.

Teddy ist schließlich seit 38 Jahren mein treuer Begleiter und steter Freund, der immer zu mir gehalten hat. Egal, was ich auch schon wieder angestellt hatte. Er verurteilte mich nie, sondern ist einfach für mich da. Und das seit einer Nacht, die irgendwie dunkel in meinen Erinnerungen ­herumwabert: Mein Vater brachte mir und meiner Schwester nachts, als er von einer Dienstreise zurückkehrte, zwei Bären mit. Teddy bekam ruckzuck den kreativen Namen Teddy und ist seitdem stets dabei: Ob in Bonn, in Kairo, in Königstein oder in Marburg.

Nur das Austauschjahr in Amerika (1993/1994) hat er nicht mitgemacht – angeblich wollte er die Reisestrapazen nicht auf sich nehmen. Wahrscheinlich brauchte er von dem pubertierenden 17-Jährigen damals aber einfach mal eine kurze Auszeit.

Schon da hatte das Leben mit mir schließlich einige Spuren hinterlassen. Fell hat Teddy eigentlich nur noch an den Beinen. Bauch und Kopf sind freigekuschelt. Und die Nase ist auch etwas mitgenommen. An der ließ sich so wunderbar herumknabbern. Das war als Kind einfach  beruhigend (Hobbypsychologen: Feuer frei!). Auf jeden Fall war es irgendwann Zeit, dem fast nackten Teddy den nötigen Respekt zu zollen, den er sich verdient hatte.

Es galt, die Scham zu bedecken: Bekleidung musste her. Was zunächst meine Oma zur Stricknadel greifen ließ und später eine Freundin (von denen alle verpflichtet waren, Teddy so zu lieben wie mich – es gibt uns eben nur im Doppelpack).

Zugegeben: Großmutter hatte etwas genauer Maß genommen. Doch Teddy trägt auch seinen zweiten „Anzug“ mit viel Freude. So wie er eigentlich stets fröhlich ist. Er strahlt immer. Und wird es immer für mich tun.“

von Florian Lerchbacher

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