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Ein ganz besonderes Erbe

Mein Oldtimer Traktor Ein ganz besonderes Erbe

Dieser Traktor steht nicht irgendwo in einer Scheune, er bekommt einen schönen Platz in einer gerade in Bau befindlichen Garage. Und dort wird er auch nicht versauern, sondern nur auf die nächste erlebnisreiche Ausfahrt warten.

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Ein Acker-Superheld so stark wie 38 Pferde

Ein Eicher Tiger Diesel Type EM 200 B mit 25 PS ist der ganze Stolz von Helmut Waschk aus Wollmar. OP-Fotograf Tobias Hirsch setzt das Fahrzeug über eine spezielle Bildbearbeitung noch einmal gesondert in Szene.

Quelle: Tobias Hirsch

Wollmar. Wenn Helmut Waschk auf seinen Traktor sitzt, ist der Weg das Ziel. Denn er genießt jede Sekunde am Steuer. Und das ist auch gut so, denn er kann nicht einfach mal aufs Gaspedal treten und dann durchstarten. „25 PS, Höchstgeschwindigkeit 20 Stundenkilometer“, sagt er lachend. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, mit dem Traktor bis zum Bodensee zu fahren. Natürlich kreuz und quer über kleine Nebenstraßen. Drei Tage hat das gedauert.

Seine Schlafstätte hatte er hinten angehängt, einen selbst hergerichteten Schäferwagen, urgemütlich, wirklich einladend, sogar mit einem Fernseher ausgestattet. Aber den brauchte er wohl gar nicht an den Abenden während er unterwegs war. Zum einen findet man mit einem solchen Reisefahrzeug immer schnell Kontakt, zum anderen war er keineswegs alleine unterwegs, sondern mit einer kleinen Truppe Gleichgesinnter bildete er eine kleine Traktor-Kolonne.

Waschk hält das Erbstück seines Vaters in Ehren

Helmut Waschk liebt seinen Eicher Tiger, Baujahr 1959, innig. Dabei spielt es weniger eine Rolle, dass es sich um einen Eicher handelt. Es ist viel mehr ein Erbstück. Ein Erbstück seines Vaters Hugo Waschk, zu dem er zu Lebzeiten immer ein gutes und inniges Verhältnis hatte. Sein Vater legte sich Ende der 60er-Jahre als Feierabendlandwirt den Traktor zu. Da war der Eicher von 1959 technisch schon längst nicht mehr das Nonplusultra, aber für die bei Hugo Waschk anfallenden Arbeiten noch längst gut genug. „Dass es ein Eicher war, war reiner Zufall. Es hätte auch ein Deutz oder Massey Ferguson sein können. Ich hätte ihn jedenfalls genauso übernommen wie jetzt den Eicher“, sagt Helmut Waschk.

Und weil es nun mal ein Eicher war, ist Waschk (Foto: Hirsch) jetzt irgendwie doch auch ein Eicher-Fan geworden. So hat er sich ein entsprechendes Shirt zugelegt und ganz aktuell gar noch einen zweiten Eicher. Einen Geräteträger, um genauer zu sein. „Der hat mir auf der Baustelle schon gute Dienste erwiesen“, sagt Waschk.

Auf welcher Baustelle? Die neben dem Wohnhaus. Dort entsteht gerade eine große Garage, in der der Eicher, dann wohl auch der Geräteträger selbst und natürlich der Schäferwagen, untergestellt werden sollen. Der 62-Jährige kann sich auch sehr gut vorstellen, den Geräteträger nach seinem Baustelleneinsatz umfassend zu restaurieren. Angst davor hat er jedenfalls keine. Den Traktor seines Vaters hatte er schließlich auch bis zur letzten Schraube auseinandergebaut und dann mit einigen Ersatzteilen wieder zusammengesetzt. Und das so gut, dass er jetzt schnurrt und schnurrt.

Den Geräteträger hat er übrigens mehr oder weniger zufällig erstanden. „Ich war zu der Zeit gerade im Krankenhaus. Da hat mir meine Frau den Laptop gebracht, damit ich Beschäftigung hatte. Und da sah ich dann die Verkaufsanzeige. Die war wohl ganz frisch eingestellt. Eine Stunde später hatte ich ihn schon gekauft“, erzählt Waschk. Ein Kauf, den er nicht bereut hat. Allerdings hat der Geräteträger ein Biedenkopfer Nummernschild bekommen, weil ein Marburger Nummernschild mit der Typenbezeichnung „G 200“ leider schon vergeben war. Alles nicht ganz so einfach mit den Wunschkennzeichen.

Schleppertreffen oder auf dem Weg in der Urlaub

Jetzt aber wieder zurück zum Eicher Tiger von 1959 (Foto: Hirsch). Die Einsätze in der Landwirtschaft liegen weit hinter ihm. Heute bringt er Waschk in den Urlaub oder zu einem der zahlreichen Schleppertreffen. Etwa nach Haiger, Medebach, Bottendorf Hatzfeld oder Niederwalgern. Waschk gibt zu, da in eine „Szene“ hineingerutscht zu sein, in der er sich aber sichtlich wohlfühlt.

„So ein Traktor ist ein gutes Gerät zum Entschleunigen“, findet er. Mit Gleichgesinnten aus der Umgebung war er übrigens mit dem Traktor auch noch am Edersee im Urlaub. Seinen zum 60. Geburtstag von der Familie geschenkten Schäferwagen hat er für seine Zwecke umgebaut und gemütlich eingerichtet. Darin kann man nicht nur schlafen, sondern in kleiner Runde auch einen gemütlichen Abend verbringen. Passend zum Traktor wurde er auch alpenblau gestrichen.

Und was macht er, wenn der Traktor in der Garage steht?   „Ich habe während der Restaurierung alle meine Schritte fotografiert. Ich möchte gerne ein Fotobuch erstellen, wo ich das Aussehen vor und nach der Restaurierung im Detail aufzeige“, sagt er. Das ist sicher eine schöne Aufgabe für kommende dunkle Herbstabende.

von Götz Schaub

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