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Ein Besuch in „Annas Paradies“

Marburgs schönste Gärten Ein Besuch in „Annas Paradies“

Einen sehr verwilderten Garten haben Anna und Werner Liessmann vor 14 Jahren übernommen. Heute ist es ein fruchtbarer Flecken voller Gemüse und Blumen.

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Im Garten von Anna und Werner Liessmann sprießen die Blumen. Daneben pflanzt die Hobbygärtnerin reihenweise Gemüse.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Es ist eine kleine Erfolgsgeschichte, die Anna und Werner Liessmann viel Schweiß gekostet hat: Sie haben vor 14 Jahren einen Garten in einem Kleingärtnerverein bekommen. Das 400 Quadratmeter große Stück Land war jedoch sehr verwildert. „Wir haben gearbeitet wie zwei Bekloppte, um daraus unseren Traumgarten zu machen“, erklärt Anna Liessmann. Doch das geht nicht mal eben so in einigen Tagen oder Wochen.

Wenn die Natur sich erst mal ein Stück Land zurückerobert hat, dauert es viel länger, den Boden wieder urbar zu machen.
Zehn Jahre lang hat das Paar gehackt, gegraben und gewerkelt, um fruchtbare Beete in akkuraten Reihen, gepflasterte Wege und ordentliche, bunte Blumenreihen anzulegen. Dazwischen finden sich frischer, gestutzter Rasen, Vogelhäuschen, eine gemütliche Laube und ein Pavillon mit Blick in die Blumen. Der Garten ist schön, bunt und vor allen Dingen ordentlich angelegt. „So gefällt uns das“, sagt Werner Liessmann.

Blumen zieht die Gärtnerin selbst im Hochbeet

„Erst seit drei Jahren haben wir weniger Arbeit mit dem Garten“, verrät Anna Liessmann. Seither können sie das fruchtbare Land verschönern – oder mal einfach nur genießen. Dann sitzen sie in ihrem Pavillon, essen die Mahlzeiten, die sie direkt in der Laube zubereitet – mit frisch geerntetem Gemüse. „Ich muss nicht wegen zwei Möhren einkaufen, ich kann sie mir hier direkt holen“, erzählt Anna Liessmann.

Der Garten ist das zweite Zuhause des Paares. Sie leben in einer Wohnung in der Stadt, der Balkon reichte ihnen nicht mehr. „Wir wollen in der Natur sein, die Sonne und die Luft genießen“, so Werner Liessmann. Acht Stunden am Tag seien sie im Garten. Spätestens ab Februar, mit warmen Klamotten. „Erst im November geben wir uns geschlagen und beenden die Gartensaison.“

Die Arbeit hat das Paar aufgeteilt: Er darf mit Werkzeugen bohren, hämmern und hacken. Sie kümmert sich um die Pflanzen. „Er zertrampelt mir sonst alles“, sagt sie lachend. Rote Bete, Salate, Erbsen, Kartoffeln oder Mangold – für alles hat die Gärtnerin ein Händchen. Aber auch die Blumen liegen ihr: Es blühen Strohblumen, Feuersalbei, Lilien, Nelken und viele Rosen um die Wette. Die Blumen für das nächste Gartenjahr zieht sie selbst im Hochbeet.

Mit dem Gemüse versorgen die Liessmanns nicht nur sich und die Nachbarn. Weil es so reichlich wächst, stellen sie oft eine Kiste vor ihren Garten, damit Fußgänger sich bedienen können. „Außerdem haben wir einen offenen Garten. Wenn Menschen über den Zaun hineinschauen, laden wir sie gerne ein“, erzählt Werner Liessmann. Sie geben ihnen dann Tipps – damit es auch anderswo so schön grünt und blüht. „Leider gibt es ja immer weniger richtige Gärten mit Blumen und Gemüse“, bedauert er.
Ihren Garten wollen Liessmanns noch lange pflegen – obwohl sie bald 70 werden und er ohne Rollator keine längeren Strecken mehr gehen kann. „Hier sind die Wege ja kurz“, erklärt er. Und sie ergänzt: „Wenn man sich nicht mehr bewegt, wird es mit der Beweglichkeit ja auch nicht besser.“ So sei Gartenarbeit auch ein Jungbrunnen – selbst wenn die Arbeiten ihnen nicht mehr so schnell von der Hand gingen wie früher.

von Patricia Grähling

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