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Gut versorgt im grünen Waldtal

Marburgs schönste Gärten Gut versorgt im grünen Waldtal

Von der Gurke bis zur Erdbeere – in der Obst- und Gemüse-Abteilung des ­Supermarktes wird man Lioba und Gert Pöschl wohl nie finden. Das beste Angebot hat das Paar zuhause im eigenen Garten.

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Tomaten, Gurken, Äpfel und Kartoffeln: Die Familie Pöschl hat einen rund 600 Quadratmeter großen Nutzgarten. Der diente vor allem in der Nachkriegszeit der Existenzsicherung.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Es grünt und gedeiht in den ordentlich abgesteckten Beeten, Gewächshäusern und Obststräuchern. Grün hat die Oberhand in dem bestens ausgestatteten Nutzgarten der Familie Pöschl im Waldtal.
In langen Reihen wächst Kopfsalat in akkurat gejäteten Beeten, Kartoffeln und Möhren gedeihen prächtig im Nachbarbeet, gegenüber winden sich Bohnenranken in die Höhe.

Als Rankhilfe dienen auch mal aussortierte Skistöcke. Ein selbstgebautes Gewächshaus beherbergt Gurken. Noch sind auch die Tomaten grün wie die Gurken, nur hier und da blitzen die ersten roten Flecken zwischen den Sträuchern hervor. Seit Generationen hegt und pflegt die Familie Pöschl den rund 600 Quadratmeter großen Nutzgarten.

Der half den Eltern durch schwere Zeiten. Entstanden Ende der 1940er Jahre, sorgte das Stückchen Land im Waldtal für das Überleben der Familie in der kargen Nachkriegszeit. Heute dient der Garten nicht mehr der Existenzsicherung, das reichhaltige Angebot genießt das Paar dennoch. „Der Garten bietet alles, was man so braucht, wir sind fast Selbstversorger“, sagt Gert Pöschl.

Überschuss ging an die Nachbarn

Von dem reichhaltigen Angebot profitierten auch andere. Rund 40 Jahre lang war der heute 73-Jährige in der Waldtalgemeinde aktiv, arbeitete als Tierpfleger und pflegte nebenher den Familiengarten. Der versorgte das Paar mit allem Nötigen und die Nachbarn gleich mit, die mit dem Überschuss beschenkt wurden. „Das nimmt leider immer weiter ab, nur wenige Leute bestellen heute noch einen Garten“, so Gert Pöschl.

Sein liebstes Hobby teilt er sich seit rund 25 Jahren mit Ehefrau Lioba Pöschl. Die gebürtige Stuttgarterin stammt aus der Landwirtschaft und kennt sich aus mit der Gartenarbeit. „Ein gut bestückter Garten kann eine Familie das ganze Jahr ernähren, auch wenn er viel Arbeit macht“, erklärt die 70-Jährige. Obst und vor allem Gemüsepflanzen sind vorherrschend in dem grünen Idyll des Paares. Auch Kräuter sind hier und da zu finden: Petersilie, Schnittlauch und Pfefferminz verbreiten einen würzigen Duft.

Blumen stehen, wenn überhaupt, nur am Rande. Bis auf eine Ausnahme. Eine besondere Ecke des Gärtchens hat Lioba Pöschl aufwendig umgestaltet. Der Bereich ist ausschließlich für die Schönheit statt für den reinen Nutzen reserviert, „das ist was für das Auge“. Anstelle von Gemüsestauden gedeihen dort farbenfrohe Blickfänge.

Nicht nur Nutzen, sondern auch Schönheit

Besonders Hortensien in allen Farben haben es der Gärtnerin angetan. Auch eine Tagetes mit knalliger rot-gelber ­Blüte wächst neben einer zart lilafarbenen Waldrebe. Manche Schönheiten sorgen für eine besonders harmonische Duft­note. „Das ist der Phlox“, erklärt sie den intensiven Duft. Die Flammenblume ist beliebt unter Gartenfans, blüht sie doch fast das ganze Jahr über.

Überall auf dem Gelände finden sich Figürchen und Dekoelemente, peppen die akkurat gestalteten Beete auf. Kleine Hinweise weisen auf die Geschichte des Gartens hin: Eine gravierte Holzscheibe erinnert an einen mehr als 60 Jahre alten Nussbaum, der vor vier Jahren weichen musste. Mehrere Vogelhäuschen beherbergen eine reiche Bewohnerschaft. Zwei Eulenfiguren hängen an einem roten Gartenhäuschen im schwedischen Stil. „Die Eule ist mein Lieblingsvogel – der Vogel der Weisheit“, sagt Lioba Pöschl.

Seit Jahrzehnten genießt das Paar seine kleine Oase mitten im Stadtteil. „Es macht einfach Freude, wenn man in seinem Garten sitzen kann und alles wachsen sieht“, schwärmt Gert Pöschl. Heute im hohen Alter lässt sich das Paar bei der schweren Arbeit helfen, ­feste Aufgaben haben beide trotzdem. Sie jätet Unkraut und umsorgt die bunte Blumenpracht. Er ist zuständig für Apfelbäume, Brombeeren und Tomaten, „da muss man sich nicht so viel bücken“.

Jeden Tag landet irgendetwas aus dem eigenen Garten auf dem Teller. Kartoffelgerichte, Tomaten- oder Gurkensalat, Äpfel oder Kürbis gehören zum festen Speiseplan des Paares. „Wir brauchen kein Gemüse einzukaufen, wir haben ja alles da, essen täglich aus dem eigenen Garten“, sagt Gert Pöschl.

von Ina Tannert

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