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Klimaschutz konkret

Heizkosten sparen Nicht ohne Fachberatung sanieren

Der höchste Energiebedarf im Haus entsteht durch das Heizen. Hier lässt sich viel Geld sparen, aber auch einiges falsch machen. Der Expertenrat zahlt sich deshalb aus.

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Architekt Thomas Jungherr aus Gießen nimmt in einer Beratung die Daten der Heizung auf, um eine Energiebilanz des Hauses vornehmen zu können. Foto: Landkreis

Quelle: Foto Landkreis

Marburg. Eine energetische Beurteilung des Eigenheims vergleicht Thomas Madry vom Fachdienst Klimaschutz und Erneuerbare Energien beim Landkreis mit der Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt. Beide dienten der Vermeidung größerer Schäden und Unannehmlichkeiten und seien deshalb im eigenen Interesse. Eine unabhängige Beratung, wie sie etwa die Verbraucherzentralen anböten, sei schon deshalb sinnvoll, weil Fehler bei der Dämmung oder dem Einbau einer neuen Heizung sehr teure Folgen haben könnten, mahnt Fachdienstleiter Dr. Norbert Clement.

Der Energieberater könne nach einer zweistündigen Beratung zuhause eine fundierte Einschätzung darüber treffen, welche energetischen Verbesserungen im konkreten Fall sinnvoll sind und einen ersten Überblick über die möglichen Kosten geben. Diese Beratung kostet gerade einmal 20 Euro; Geld, das aus Sicht von Clement und Madry gut investiert ist.

Zu viel Feuchtigkeit lässt den Schimmel wachsen

„Ob eine Dämmung sinnvoll ist, oder doch eher die Fenster ausgetauscht werden sollten, lässt sich nicht grundsätzlich beantworten - das ist im Einzelfall ganz unterschiedlich“, betont Thomas Madry. Das könne am ehesten ein unabhängiger Fachmann beurteilen, der keine eigenen Interessen verfolge. Das sei vor allem dann angeraten, wenn es um eine Komplettsanierung des Hauses gehe, ergänzt Dr. Norbert Clement. Damit die auch finanziell zu leisten sei, komme häufig eine Aufteilung in einzelne Bauabschnitte infrage, die dann aber in ein Gesamtkonzept passen müssten.

Mitunter können aber schon kleine Maßnahmen Abhilfe schaffen, verrät Thomas Madry. An einem windigen Tag mit einer Kerze durch das Haus zu gehen, offenbare schon Handlungsbedarf. Die so aufgedeckte kalte Zugluft lässt sich häufig schon mit einer Erneuerung der porös gewordenen Fensterdichtungen verhindern.

Die Angst vor Schimmel hält manchen Hauseigentümer davon ab, sein Haus ganz oder in Teilen zu dämmen. Die Gefahr besteht insbesondere bei der Innendämmung, erklärt Thomas Madry. Verhindert die Dämmung einen Abtransport der Luftfeuchtigkeit, dann droht Schimmelbildung. Beträgt die Luftfeuchtigkeit über mehrere Tage 70 Prozent oder mehr, steigt das Schimmel-Risiko. Mit einem Hygrometer lässt sich das kontrollieren, mit regelmäßigem Lüften - zwei bis vier Mal pro Tag für einige Minuten bei weit geöffnetem Fenster - lässt sich das Schlimmste verhindern.

Weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit halten kann, hilft auch das Heizen gegen den Schimmel. Zugleich hat aber die Zimmertemperatur einen erheblichen Einfluss auf die Heizkosten. 19 bis 21 Grad lautet hier die Empfehlung für den Wohnbereich. Wer es lieber 24 Grad warm hat, muss dafür etwa ein Drittel mehr bezahlen. In dieser Frage hat auch der Mieter einen Einfluss auf die Kosten.

In der Entscheidung, welche Heizung installiert wird, ist er dagegen außen vor. Klimatechnisch seien Holz, Erdwärme und die Sonne für die Erwärmung des Brauchwassers in jedem Fall Öl und Gas vorzuziehen, erklärt Dr. Norbert Clement. Angesichts der augenblicklich niedrigen Preise für Erdöl und Gas falle die Entscheidung für Erneuerbare Energien freilich etwas schwerer, räumt er ein. Der Beschluss des Kreistages, bis 2040 im Landkreis klimaneutral zu heizen, werde mit dem Einbau jeder neuen Öl- und Gasheizung schwieriger gemacht, gibt er zu bedenken.

Großes Potenzial sieht Clement nach wie vor in der Nutzung der Solarenergie. Für wen sich eine solche Anlage rechne, könne aber auch nur im Einzelfall wirklich beurteilt werden. Neben der rein wirtschaftlichen Betrachtung dürfe aber auch die ökologische Sicht nicht ganz außer Acht gelassen werden.

Das gute Gefühl, mit von der Sonne erwärmtem Wasser zu duschen, müsse sich noch weiter verbreiten, weist er auf einen emotionalen Aspekt hin, der mit dem praktizierten Klimaschutz verbunden sei.

von Frank Rademacher

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