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Mit Fahrspaß in den nächsten Stau
Klimaschutz konkret

Thema Verkehr Mit Fahrspaß in den nächsten Stau

Fahrspaß und Klimaschutz vereinen – dem Autohersteller Ford gelingt dies, zumindest in seiner aktuellen Radiowerbung. Umweltschützer können darüber nicht mal lachen.

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Für kleinere Strecken ist das Fahrrad eine sinnvolle Alternative zum Auto, das auf den ersten beiden Kilometern 50 Prozent mehr Sprit verbraucht als im Durchschnitt.

Quelle: Archivbild

Marburg. Kein Werbeblock im Fernsehen, in dem nicht mindestens ein Auto durch wunderschöne  Landschaften oder vergleichsweise autofreie Städte gleitet. Der Film gewordene Traum vom Autofahren, Fahrspaß in seiner reinsten Form. Da lasse sich kaum verstehen, warum das Auto durchschnittlich 22 Stunden pro Tag steht, bemerkt Andrea Tobelander von der Marburger Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Die Werbung habe mit der Realität nun mal gar nichts gemein, ergänzt ihr Kollege Gunter Hirt aus Marburg, der inzwischen nahezu ganz ohne Auto auskommt.

Vermeiden, verlagern und verbessern – an diesen drei Grundforderungen in der Verkehrspolitik habe sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Aber auch wenn sich das eine oder andere in der Zwischenzeit verbessert habe, müsse man zugleich konstatieren, dass der Autoverkehr weiter zunehme, ziehen die beiden ein gemischtes Fazit.

Es gehe gar nicht darum, dem Einzelnen etwas zu verbieten. Die persönlichen Umstände seien ganz unterschiedlich, betont Andrea Tobelander. Wer in Marburg wohne und arbeite, dem falle es sehr viel leichter, auf das Auto zu verzichten und auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen als etwa dem Versicherungsvertreter, der in einem abgelegenen Dorf des Hinterlandes wohne. Die alltäglichen Staus, die es ja auch in Marburg gebe, hätten mit Fahrspaß ja ohnehin nicht allzuviel zu tun.

Es gebe einen unveränderten Drang, in der Stadt zu wohnen. Die Menschen wünschten sich dabei aber eine lebendige Innenstadt, in der es sich gut leben lasse. Das aber werde durch eine Ausweitung der Parkmöglichkeiten nicht gerade gefördert, gibt Tobelander zu bedenken. Das Beispiel der Skiorte zeige, dass sich der Autoverkehr aus den Stadtkernen verbannen lasse. Ein attraktives Angebot durch Busse und Bahnen lasse sich in städtischen Bereichen auch leichter umsetzen als auf dem Land. Die Kommunalpolitik habe aber auch hier die Möglichkeit, das Umfeld so zu gestalten, dass man das Auto mal stehen lassen könne, etwa durch Einkaufsmöglichkeiten. Solche Angebote müssten dann aber auch angenommen werden, weist Hirt auf die Verantwortung des Einzelnen hin.

Weitere Gruppentickets könnten den ÖPNV stärken

Die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs lasse sich auch dadurch stärken, dass neben den Schülern und Studenten noch weitere Gruppen in den Genuss günstiger Monats-, Semester- oder Jahrestickets kommen. Für Neubürger etwa könne der erste Monat frei sein, Zeit, in der sich die Vorzüge eines guten Angebots entdecken ließen.

Vermeiden ist aus Sicht von Fahrlehrer Marcel Baumann beim Autofahren die effektivste Form des Klimaschutzes. Kurze Strecken solle man zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, das halte fit und schone den Geldbeutel doppelt, erklärt der Marburger. Schließlich liege der Spritverbrauch auf den ersten beiden Kilometern rund 50 Prozent über dem Normalverbrauch.

Seine Fahrschüler lernen im praktischen wie theoretischen Unterricht spritsparendes Fahren. Und da gelten seit Jahrzehnten die gleichen Regeln, an die sich trotzdem viele Autofahrer nicht halten oder die wieder in Vergessenheit geraten sind. Das fange mit dem Schalten an: Immer im höchstmöglichen Gang fahren, so wenig wie möglich mit Vollgas und vorausschauend fahren. Am geschlossenen Bahnübergang werde der Motor ausgeschaltet und zur roten Ampel lasse man den Wagen mit eingelegtem Gang ausrollen, langsam nach unten schaltend. Heizung, Klimaanlage, zusätzliches Gewicht und ein zu niedriger Reifendruck sorgten dagegen für einen höheren Verbrauch.
Noch mehr den Geldbeutel und das Klima schonen könne man mit Fahrgemeinschaften, rät Baumann und ist mit seinem letzten Tipp ganz nah bei Andrea Tobelander: Beim Fahrzeugkauf solle man gleich auf einen niedrigen Verbrauch achten – der SUV sei da nicht die erste Wahl.

von Frank Rademacher

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