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Bye, bye Harmonie – Konflikte im Beruf

Karriere Bye, bye Harmonie – Konflikte im Beruf

In der Kolumne „Ihre Karriere, bitte" schreibt Coach Inge Maisch dieses Mal über Konflikte am Arbeitsplatz – und wie man sie sinnvoll austragen kann.

Gehören Sie zu den friedliebenden Menschen? Mit Kollegen und Kolleginnen kommen Sie normalerweise gut aus? Und nun müssen Sie feststellen, auch Ihnen kann der Kragen platzen, die ständig zu laut telefonierende Kollegin hat Sie bei einem wichtigen Gespräch mit einem Kunden so richtig aus der Fassung gebracht. Und seither ballen Sie jedes Mal, wenn Sie Ihre Kollegin sehen, innerlich die Fäuste. Und je länger die gegenseitige Abneigung andauert, umso schwerer fällt es Ihnen, mit der Kollegin zu sprechen und zu arbeiten.

Ein Konflikt, der Sie zunehmend belastet und sich auf Ihre Arbeit und die Ihrer gesamten Abteilung auswirkt. Oder leiden Sie unter dem Neid Ihrer gesamten Abteilung, weil Sie Ihrem Chef, Ihrer Chefin direkt zuarbeiten? Sie erleben täglich, wie Ihr Kollege, Ihre Kollegin Sie vor allen anderen schlecht macht und Ihre Arbeit diskreditiert?

Falsch oder nicht ausgetragene berufliche Auseinandersetzungen können bis zu einem Drittel aller personellen und zeitlichen Ressourcen in einem Unternehmen oder in einer Behörde binden.

Nur, wie gehen wir mit Konflikten im Berufsalltag um? Wie lösen wir einen Konflikt zwischen einem Kollegen, einer Kollegin und uns oder zwischen uns und unserem Chef, unserer Chefin? Eine eindeutige und einfache Antwort gibt es nicht, ein paar – wenn auch sehr allgemein gehaltene – Spielregeln können jedoch helfen, mit einem Konflikt so umzugehen, dass Sie weniger darunter leiden als bislang oder ihn vielleicht sogar lösen.

Auch wenn es uns oft schwer fällt: Ganz wesentlich für ein erfolgsversprechendes Konfliktmanagement ist es, den Konflikt möglichst rasch anzusprechen und nicht darauf zu hoffen, dass er sich irgendwann von selbst löst. Besonders wir Frauen scheuen uns oft davor, uns einer Auseinandersetzung zu stellen. Dabei ist ein Konflikt nichts Böses. Er ist nur Ausdruck dessen, dass zwei Interessen miteinander kollidieren. Deshalb können viele Konflikte allein dadurch gelöst werden, dass die beiden Konfliktpartner ihre unterschiedlichen Interessen darlegen und versuchen, einen Interessenausgleich, einen gemeinsamen Konsens herzustellen.

In vielen Konfliktfällen ist es außerdem hilfreich, sich gründlich auf das Gespräch mit dem Kollegen, der Kollegin, dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin vorzubereiten und den möglichen Gesprächsverlauf vorab schriftlich festzuhalten. Wichtig für ein langfristig erfolgreiches Lösen eines Konfliktes ist es, gemeinsam mit dem Konfliktpartner nach erreichbaren Zielen zu suchen und diese möglichst wiederum schriftlich zu fixieren. In schwierigen Fällen gibt es allerdings nur eine Lösung, dass sich die Konfliktpartner trennen und jeder seinen eigenen Weg geht.

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
1.) Als Vorgesetzter, als Vorgesetze Konfliktgespräche möglichst ankündigen, damit jeder der Konfliktpartner sich darauf einstellen kann. Und das Gespräch möglichst zeitnah zum Konflikt durchführen.
2.) Wenn Sie ein Konfliktgespräch führen müssen, zeigen Sie durch Ihre Körpersprache und Ihren Blickkontakt Ihr Interesse an Ihrem Gegenüber. Tragen Sie Ihre Kritikpunkte sachlich vor und sprechen Sie aus Ihrer – ganz subjektiven - Perspektive.
3.) Unterstreichen Sie Ihr Interesse, wenn möglich, mit wertschätzenden Worten.
4.) Hilfreich kann auch eine angenehme Gesprächsatmosphäre sein mit Kaffee oder Tee.
5.) Lassen Sie Konfliktgespräche möglichst unter vier oder sechs Augen stattfinden, nicht in der unternehmerischen Öffentlichkeit.
6.) Ihr Gegenüber können Sie nicht ändern. Sie können jedoch versuchen, gemeinsam Lösungen für Ihre Probleme zu finden. Manchmal hilft es, wenn jeder der Konfliktpartner die jeweilige persönliche Sicht der Dinge aufschreibt und beide sich ihre Standpunkte zum Lesen geben, ehe sie darüber sprechen.
7.) Wenn eine einvernehmliche Lösung nicht möglich ist, muss ein Chef, eine Chefin Regeln aufstellen und sich auch darum kümmern, dass sie eingehalten werden.
8.) Manchmal kann ein Konflikt auch ein Motor sein für Veränderungen im Unternehmen: Wenn es Ihnen gelingt, im Standpunkt des anderen etwas Neues zu erkennen, können unterschiedliche fachliche Positionen Ihr Unternehmen weiter bringen.

Tipps zum Lesen
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:
Haeske, Udo: Team- und Konfliktmanagement: Teams erfolgreich leiten – Konflikte konstruktiv lösen, Cornelsen Verlag, 2008, ISBN 3589234091
Herzlieb, Heinz-Jürgen: Konfliktpotentiale erkennen – in Konfliktsituationen souverän agieren, Cornelsen Verlag, 2008, ISBN 358923438
Kast, Verena: Konflikte anders sehen: Die eigenen Lebensthemen entdecken, Herder Verlag, 2009, ISBN 3451059754
Von Hertel, Anita: Grr! Warum wir miteinander streiten und wie wir davon profitieren können, Campus Verlag, 2006, ISBN: 35933776660
Pöhlmann, Simone: Streiten will gelernt sein: Die kleine Schule der fairen Kommunikation, Herder Verlag, 2008, ISBN: 345105454X

Das OP-Expertenteam
Waldemar Droß, Arbeitsamt Marburg, Leitung
Frank Hüttemann, Referent Wirtschaftsförderung Landkreis Marburg - Biedenkopf
Claudia Schäfer, Frauenbeauftragte, Landkreis Marburg - Biedenkopf
Barbara Schade, Beraterin und Coach, Klinik für Psychosomatik, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Elke Seim, Berufsberaterin, Arbeitsamt Marburg

von Inge Maisch

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In der Kolumne "Ihre Karriere, bitte" schreibt Coach Inge Maisch dieses Mal überdie eigene Wahrnehmung dessen, was wir gut können.

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Die Karriere-Beraterin

Inge Maisch arbeitet im Bereich Business und Personal Coaching. Sie begleitet und berät ihre Klienten bei beruflichen oder persönlichen Fragestellungen. Schwerpunkte sind Karriereplanung, Weiterentwicklung als Führungskraft, das Herausarbeiten neuer beruflicher Perspektiven und die Unterstützung beim Auftritt im Beruf.

Seit 2009 schreibt sie die wöchentliche Kolumne "Ihre Karriere bitte!" für die Oberhessische Presse. mehrKostenpflichtiger Inhalt