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Der Jäger der Schimmer-Steine

OP-Serie: Ich sammele Der Jäger der Schimmer-Steine

Gerd Kerkhey lebt in einem Museum. In zwei Meter hohen Vitrinen, in zahllosen Schubladen und Kisten hortet er Tausende verschiedene Mineralien aus Hessen. Vor allem in Steinperf und Wetter gelangen ihm Top-Funde.

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Die Farbenlehre des Gerd Kerkhey (66): In 40 Jahren hat er 3000 Mineralien-Exemplare gefunden. Sein Werkzeug bei der Jagd nach den Steinen: Hammer, Brecheisen und Co. Fotos: Björn Wisker

Ockershausen. Das Brecheisen ist die Waffe der Wahl. Für die Jagd nach seinen Artefakten braucht Gerd Kerkhey die groben Werkzeuge. „Massives Gestein lässt sich nur mit Kraft knacken“, sagt der 66-Jährige. Er rammt Hammer, Pickel und Co. in dünne Spalten im Gestein. Jene, die durch kaum sichtbare äußere Farbtupfer Indizien dafür liefern, dass in ihnen eine Ader verlaufen könnte - ein Quell Mineralien.

Kerkhey gräbt sich seit Jahren, wöchentlich mindestens zwei Mal, durch stillgelegte Bergwerke, Steinbrüche und sonstige Landschaften, die möglichst karg, von Geröll übersäht sind. „Für die meisten sind das nur Steinhaufen“, sagt er. Dabei liege unter Staub und Dreck eine Art Korallenlandschaft. Blutrot, limettengrün, azurblau: Die Farbpalette auf den Klumpen scheint keine Grenzen zu kennen. „Diese Vielfalt ist es, die mich fasziniert“, sagt der Ex-Laborant.

Der Auslöser für seine Sammelleidenschaft war ein Urlaub in Österreich. Aus Neugier schaute er sich ein Mineralienmuseum an. Und was er dort sah, ließ ihn nie wieder los. Fortan kaufte er sich Szene-Magazine, wühle sich durch die Fachlektüre. Und fing mit dem Graben an. Basalt, Quarzit, Sandstein. Calcit, Pyrit, Baryt - für Kerkhey sind das normale Vokabeln. Er begann das Hobby zu lieben, dann zu leben.

Das Resultat dessen, was 1973 Jahren begann: Etwa 3000 Exponate. In seinem Haus im Stadtteil Ockershausen stapeln sich die Mineralien bis unter die Zimmerdecken. In zig Vitrinen, Schubläden und Kisten. Auf Tauschbörsen wird für manch seltenes Mineral viel Geld bezahlt - Tausende Euro bisweilen. Aber Hobbysammler Kerkhey kümmert das nicht. Er ist ein Jäger, ein Schatzsucher, der Berge hinauf kraxelt und in Schluchten hinab steigt. Auch im Rentenalter. Ans Aufhören denkt er trotz Knie- und Rückenschmerzen nicht - „kommt alles vom Schleppen. Die Dinger wiegen ja 20, 30 Kilogramm.“ Ungefährlich ist das Schuften in den Steinbrüchen ohnehin nicht. Immer wieder können sich tonnenschwere Brocken lösen, stürzen herab. Um Schätze zu heben, gräbt Kerkhey auch selbst Stollen in Erde und Gestein - abgestützt mit Holzbalken. Das alles zusammenkracht? Kalkuliertes Risiko.

Kerkhey hat sich auf regionale Mineralien spezialisiert. Mit Ausnahme einiger Exemplare aus den Alpen, ist er in Hessen, im Landkreis und den Nachbarkreisen unterwegs. Seinen letzten Top-Fund ergrub er sich 2011 in Steinperf im Hinterland. Auch Wetter, wo Gestein und Mineralien durch eine schwarz-rote Farbgebung geprägt sind, zählt zu Kerkheys Stamm-Revieren. Was andere Mineralien-Jäger in irgendwelchen Winkeln der Erde gefunden haben, kümmert den Marburger kaum. „Ich schaue mir das interessiert an, aber mich reizt das Selbersuchen“, sagt er. Gerade deshalb suche er in der Region. „Das ist erreichbar für mich. Auch als Ausgleich zum Job damals“, sagt er.

Geduld die entscheidende Tugend. Oft vergehen Tage, Wochen, gar Monate bis ein Sammler den Schimmer erblickt, der ihn seine Mühen vergessen, den Herzschlag schneller pulsieren lässt. „Drei größere Funde pro Jahr“, bilanziert Kerkhey, „sind meine Ausbeute.“ Sein Stolz: Ein 28 Kilogramm-Brocken Eisenerz, hellgrün schimmernd. Doch wenn es um seine Favoriten geht, kramt er in allen Schubladen und Vitrinen. „Es gibt so viele Schönheiten“, sagt er. Seine Augen weichen aber nicht on der sogenannten grünen Zinkblende, gefunden vor Jahren in Hartenrod,

Und damit diese und alle anderen Farbenwunder jeder sehen kann, denkt er schon an sein Erbe. „Ich würde die Sammlung gerne Marburgs Mineralogischem Museum spenden“, sagt er. Und das wird der Tag sein, an dem Gerd Kerkhey seine Waffen niederlegt.

von Björn Wisker

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