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Tagung nimmt Sprachminderheiten ins Visier

Forschung Marburg: Sprachatlas Tagung nimmt Sprachminderheiten ins Visier

Eine Tagung mit Forschern aus mehreren Ländern zur Mehrsprachigkeit im Deutschen Reich fand kürzlich am Sprachatlas 
in Marburg statt.

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Historische Materialien der Marburger Sprachforschung sind im Sprachatlas-Gebäude archiviert.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Minderheitensprachen und Sprachminderheiten. Deutsch und seine Kontaktsprachen in der Dokumentation der Wenker-Materialien“: Das war das Thema einer Tagung vor wenigen Wochen in Marburg.

Nicht nur Sprachwissenschaftler aus Deutschland, sondern auch deren Kollegen aus Staaten wie Frankreich, Dänemark, Russland, Litauen oder Polen waren Gäste der Tagung in Marburg, die der Marburger Professor Alfred Lameli zusammen mit seinem Kollegen Professor Jürg Fleischer vom Deutschen Sprachatlas organisierte.

Die länder- und sprachübergreifende Kooperation macht Sinn, weil es auch um die Wechselwirkungen zwischen der deutschen Sprache und benachbarten Sprachen geht. Dabei können die Sprachwissenschaftler aus Marburg die am Sprachatlas gelagerten Materialien zur Mehrsprachigkeit nicht alleine auswerten, denn sie sind keine Experten für Polnisch, Französisch oder andere Sprachen. Bisher wurden allenfalls Teilaspekte wissenschaftlich untersucht, was sich jetzt ändern soll.

Es gibt schon einige konkrete Projekte der Wissenschaftler für die Zukunft. So will Fleischer die historischen Daten mit Schwerpunkt auf der Analyse des Satzbaus auswerten, wobei neben Deutsch auch die Fremdsprachen mit einbezogen werden sollen. Die bis jetzt nur in Form von Karten oder Bildern vorliegenden Informationen sollen am Deutschen Sprachatlas in Marburg gesammelt und digitalisiert werden.

Gefördert wird die Erforschung der einst mehrsprachigen Gebiete des früheren Deutschen Reichs nicht nur durch das deutsche Bundesministerium für Kultur und Medien, sondern auch durch ähnliche Behörden in Nachbarländern.

Viele der Gebiete, in denen damals mehrere Sprachen nebeneinander gesprochen wurden, liegen heute längst in Regionen, die nicht mehr deutschsprachig sind. Interessant ist es aber für die dortige Forschung, sich auf die Spur der kulturellen Wurzeln und sprachlichen Traditionslinien zu begeben.

von Manfred Hitzeroth

 
Zur Person

Alfred Lameli (45, Foto: Hitzeroth) wurde in Worms geboren. Er studierte von 1994 bis 2000 Germanistik und Italianistik sowie Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Heidelberg, Pisa und Mainz.

Seit dem Jahr 2000 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg. An der Universität nimmt er ebenfalls seit 2000 Lehraufträge in der Sprachwissenschaft des Deutschen und der Älteren Literatur des Deutschen wahr.

Nach seiner Promotion und Habilitation in Sprachwissenschaft wurde er 2014 an der Uni Marburg zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Von 2014 bis 2015 vertrat er den Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sprachgeschichte. Er erforscht auch die Regionalsprachen.

 
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Das am Deutschen Sprachatlas in Marburg gesammelte Material bietet 
einzigartige Chancen zur Erforschung des Kontakts zwischen Sprachen.

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