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Tagebücher und Gerichtsprotokolle

Von der Wehrmacht besetzt Tagebücher und Gerichtsprotokolle

Ziel des Projektes ist eine forschungsgestützte Edition von Quellen zu Alltags- und Gewalterfahrungen der Lokalbevölkerungen in den von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten.

Marburg. Die Forscher aus ganz Europa suchen unter Leitung von Professor Peter Haslinger (Herder-Institut Marburg) und Professorin Tatjana Tönsmeyer (Gesamthochschule Wuppertal) in vielen Ländern Europas nach Dokumenten aus der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Dabei geht es um die besetzten Gebiete, die der Wehrmacht unmittelbar unterstanden und um Territorien, die von der Wehrmacht an zivile Besatzungsverwaltungen übergeben wurden. Auch diejenigen Gebiete werden einbezogen, die zwar formal als annektiert anzusehen sind, deren Annexion jedoch Folge der Besatzung war, wie Westpolen (der sogenannte Warthegau) oder Luxemburg. Diese und weitere Einbeziehungen, wie Frankreich südlich der Demarkationslinie sollen dem heutigen Selbstverständnis von der Unteilbarkeit des Staatsterritoriums ungeachtet des Krieges Rechnung tragen.

In acht Bänden sollen in einer Quellenedition die strukturellen Rahmenbedingungen des Alltags in den besetzten Gebieten sowie die daraus resultierenden Grunderfahrungen der betroffenen lokalen Bevölkerungen dokumentiert werden. Bisher wurde nach einem Jahr Laufzeit des Projektes bereits rund 2000 Quellen zusammengetragen. Die für die Edition infrage kommenden Quellen stammen überwiegend aus den Jahren des Zweiten Weltkriegs zwischen 1939 und 1945 und werden durch Materialien aus der Zeit nach 1945 ergänzt. Dabei suchen die Forscher in erster Linie nach bislang nicht edierten Quellen aus den Zentral-, Regional- und Ortsarchiven der jeweiligen Länder wie beispielsweise Gerichtsprotokollen oder Behörden-Verlautbarungen, aber auch nach „Ego-Dokumenten“ wie Tagebüchern oder Aufzeichnungen von Privatpersonen wie Kochrezepte (siehe (HINTERGRUND). Wiederabdrucke von bereits veröffentlichten Quellen sollen nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden, wie ­etwa bei zentralen Dokumenten, die grundlegende Rahmenbedingungen beschreiben oder bei in Originalsprache publizierten Quellen, die bislang noch nicht in westlichen Sprachen rezipiert worden sind. Die Edition soll in englischer Sprache erscheinen. damit sie in allen beteiligten europäischen Ländern nutzbar sein wird. Geplant ist neben der Druckversion auch eine digitale Edition, die die Quellen nicht nur in englischer Übersetzung, sondern auch in Originalsprache abbilden soll. Die digitale Edition soll im Rahmen eines Themenportals erscheinen, das von den kooperierenden Institutionen gemeinsam getragen wird.

von Manfred Hitzeroth

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