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Spezialsoftware soll arabische Texte durchsuchen

Forschung Marburg: Literatur in Syrien Spezialsoftware soll arabische Texte durchsuchen

Für ihr Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der syrischen Gegenwartsliteratur bedienen sich die Marburger Arabisten auch der Hilfe von Informatikern.

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Dr. Felix Lang ist wissenschaftlicher Koordinator des Forschungsvorhabens zur syrischen Kulturproduktion.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Wie haben sich Denkmuster in syrischen Romanen seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts verändert?

Zur Untersuchung dieser Schlüsselfrage wollen sich die Wissenschaftler um Professorin Friederike Pannewick auch auf die Informatik als Hilfswissenschaft stützen.

Dabei soll ein spezielles Programm erarbeitet werden, das auf arabisch verfasste syrische Romane nach Schlüsselbegriffen und Wortkombinationen durchsuchen kann.

Zu diesem Zweck soll es eine Forschungskooperation mit dem Marburger Informatik-Professor Bernd Freisleben geben. Dieser wiederum will mit Kollegen von der Universität aus Marburgs tunesischer Partnerstadt Sfax zusammenarbeiten, die spezielles Know-how für das Aufspüren von arabischen Schriftzeichen beitragen könnten.

Wandel dieser „Denkfiguren“ im Fokus

Ziel der elektronischen Datenerfassung ist es, Konstellationen von Konzepten nachzuweisen und in einem Folgeschritt deren mögliche Veränderung über die Jahrzehnte zu analysieren. So könne es beispielsweise um den Gebrauch spezieller Körpermetaphern zur Beschreibung von Kommunikationsstrukturen gehen, erklärt Felix Lang. Wenn in einem Roman davon die Rede sei, dass ein Arm amputiert sei, könne das beispielsweise heißen, dass die Internetverbindung mal wieder unterbrochen sei, zum Beispiel durch kriegsbedingte Stromsperren.

„Wir wollen so auch die Art anschauen, wie Menschen die Umwelt wahrnehmen“, erläutert Lang. Grundsätzlich stehe dabei der Zusammenhang zwischen menschlichem Denken und der Gesellschaft im Mittelpunkt. Den Wandel dieser „Denkfiguren“ wollen die Marburger Forscher genauer untersuchen. Die dahinterstehende Idee ist, dass es festgefügte konzeptuelle Systeme gibt, die der Wahrnehmung der Umwelt dienen.

Für das Marburger Forschungsprojekt haben die Arabisten aber auch schon von der Zusammenarbeit mit Medienwissenschaftlern und Geschichtswissenschaftlern der Uni Marburg profitiert – besonders wenn es um die Identifizierung der Wendepunkte geht, die gleichermaßen für die Literatur- und Kulturproduktion wie für die Gesellschaft im Ganzen interessant sein könnten.

Zudem sollen in einer Datenbank grundlegende Materialien von mehr als 100 syrischen Autorinnen und Autoren gesammelt werden, die seit 1980 veröffentlicht haben. Dazu zählen neben Büchern auch Videos, Artikel, Blogs und andere Dokumente wie Sekundärliteratur und veröffentlichte Interviews. Das so gesammelte Material soll als Basis für Forschungsprojekte zur syrischen Kulturproduktion der vergangenen 35 Jahre dienen.

  • Und so sieht eine Leseliste mit ins Deutsche übersetzten Büchern syrischer Autoren aus: Pannewick und Lang empfehlen die Kurzgeschichten-Sammlung „Dunkle Wolken über Damaskus“ von Dima Wannous (Nautilus Verlag 2014); „Ali Hassans Intrige“ von Nihad Siris (Lenos Verlag 2004); „Schrei nach Freiheit“ von Samar Yazbek (Verlag Nagel & Kimche 2013); „Gottes blutiger Himmel“ von Fawaz Haddad (Aufbau Verlag 2013); „Wächter der Lüfte“ von Rosa Yassin Hassan (Alawi Verlag 2013) sowie „Die Hinrichtung des Todes“ von Sakarija Tamer. (Lenos Verlag 2004).

von Manfred Hitzeroth

 
Zur Person

Professorin Friederike Pannewick (49, Archivfoto: Thorsten Richter) stammt aus Erlangen und ist seit 2007 Professorin für moderne arabische ­Literatur an der Marburger Universität.

Sie studierte Diplom-Orientalistik an der Uni Bamberg, Arabistik und Turkologie an der Sorbonne und am Institut National des Langues Orientales/ Paris und an der Theaterakademie in Damaskus.

Einen Magisterabschluss erwarb sie an der Freien Universität (FU) Berlin in den Fächern Arabistik und Turkologie mit einer 1993 publizierten Arbeit zum Nahostkonflikt in einem syrischen Theaterstück.

Nach einer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin promovierte sie im Jahr 2000 an der FU Berlin mit einer Dissertation über „Arabische ­Wege der Theatralität“. 2012 erhielt sie den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibnizpreis. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Moderne arabische Literatur und Kultur sowie Kultur- und Ideengeschichte der ­arabischen Welt.

 
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