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Mit Laserschwert und Fußball gegen ADHS

Marburger ADHS-Forschung Teil2 Mit Laserschwert und Fußball gegen ADHS

Im Fachbereich Klinische Psychologie der Uni Marburg laufen gleich zwei ADHS-Studien. Man interessiert sich für die Allerkleinsten und versucht mit ungewöhnlichen Methoden die Gehirne der Kinder zu trainieren.

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Den Fußball mit Gedankenkraft ins Tor bugsieren.

Quelle: privat

Marburg. Was haben Star Wars und Fußball mit ADHS zu tun? An der Uni Marburg sind sie Bestandteil einer Studie, mit der ADHS-Patienten an Computern ihre Gehirnstimulation trainieren. „Das Problem bei ADHS ist, dass zu wenig von dem Belohnungshormon Dopamin in die Zielzellen kommt. Durch ihr impulsives, hyperaktives Verhalten versuchen die Kinder eigentlich nur, ihrem Gehirn immer wieder neue Reize zu bieten“, erklärt Psychologin Hanna Christiansen.

Bei der psychologischen Methode des „Neurofeedback“ sollen Kinder lernen, das Erregungsniveau des Gehirns zu steuern. Während das Kind den Test am PC bearbeitet, wird seine Gehirnaktivität gemessen und über den Computer an das Kind zurückgemeldet. Das geschieht spielerisch. Wenn man ein gewisses Erregungsniveau erreicht, wird auf dem Computer zum Beispiel ein Ball ins Tor geschossen, oder Star-Wars-Figuren bewegen sich. Die Kinder lernen durch aktivierende oder deaktivierende Gedanken, ihre Erregung zu beeinflussen. „Was einen beim Training am PC dazu verhilft, ein Objekt schweben zu lassen, kann im Unterricht zum Beispiel gut dafür sein, doch still sitzen zu bleiben oder noch eine Seite im Buch zu lesen“, sagt Christiansen.

Ziel der Studie „Neurofeedback bei ADHS“, die die frisch gebackene Professorin durchführt, ist die Wirksamkeit dieses Verfahrens zu untersuchen. Das Zwischenergebnis findet Christiansen vielversprechend. „Bei unserer Forschung handelt es sich um eine Vergleichsstudie. Wir vergleichen das neue Verfahren des Neurofeedback mit dem herkömmlichen Verfahren des Selbstmanagementtrainings nach Lauth und Schlottke, das bereits von den Krankenkassen bezahlt wird“. Die Wirkung des „Neurofeedback“ entspricht nach ersten Auswertungen der des alten Verfahrens. Die Forscher überprüfen den Erfolg ihrer Methoden mit der „Conners-Skala“, auf der mit ausführlichen Fragen die Ausprägung der drei Hauptsymptome der ADHS - Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit - ermittelt werden kann. Die zweite Studie des Fachbereichs befasst sich mit einer neuen „Conners-Skala“, die in den USA jetzt erstmals auch für jüngere Kinder von zwei bis sechs Jahren entwickelt wurde.

Für eine Evaluierung der deutschen Ausgabe suchen die Forscher derzeit bundesweit 800 Kinder in dem betreffenden Alter.

Teilnehmer für Studie gesucht:

Um ihre Forschungsfragen zu klären, benötigen Ursula Pauli-Pott und Katja Becker noch Teilnehmer für ihre Beobachtungsstudie. Gesucht werden Familien mit 4- und 5-jährigen Kindern. Dabei werden die Forscher von vielen Kindergärten in Marburg und Umgebung unterstützt. Momentan suchen die Forscher insbesondere Kindergartenkinder, bei denen in der Verwandtschaft (bei Eltern oder Geschwistern) eine ADHS aufgetreten ist, die selbst aber noch keine Diagnose gestellt bekommen haben. Bei der ersten Untersuchung der Kinder sind zwei Termine vorgesehen. Ein Termin soll im Kindergarten und ein weiterer bei den Familien zu Hause stattfinden. Es werden spielerische Tests zur Bewegungs-, Sprach- und Aufmerksamkeitsentwicklung durchgeführt. Weitere Informationen und Anmeldung unter: 06421/5864837.

von Tim Gabel

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