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Marburger erforschen "Arabischen Frühling"

Forschung in Marburg Marburger erforschen "Arabischen Frühling"

Zur offiziellen Eröffnung des Forschungsnetzwerks "Rekonfigurationen" gab es am Dienstag in der Alten Aula einen Festakt.

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Dr. Dietrich Nelle (von links), Professor Andreas Eckert, Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause und Netzwerk-Sprecher Professor Rachid Ouaissa beim Festakt.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit 3,6 Millionen Euro wird das durch das Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS) koordinierte Forschungsnetzwerk für die kommenden vier Jahre vom Bundesforschungsministerium finanziert. Dieser freudige Anlass wurde in der Alten Aula mit einem Festakt gefeiert. „Die Vernetzung zwischen Regionalwissenschaften und den systematischen Disziplinen erfolgt in Marburg vorbildlich“, lobte Dr. Dietrich Nelle, Ministerialdirigent aus dem Forschungsministerium. Die Orientwissenschaftler am CNMS arbeiten künftig mit drei Zentren der Universität und sieben Instituten zusammen. Dazu zählen das Zentrum für Konfliktforschung, das Zentrum für interdisziplinäre Religionsforschung und das Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse sowie die Fächer Religionswissenschaft, Geschichte, Medienwissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und evangelische Theologie.

In Marburg soll in diesem Netzwerk ab sofort interdisziplinär erforscht werden, wie sich die Gesellschaft in den Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens (Mena-Region) nach den größtenteils revolutionären Umbrüchen während des „Arabischen Frühlings“ verändert. „Mit diesen Aufständen sind tiefgreifende gesellschaftliche Entwicklungen evident geworden, die bislang nur unzureichend erforscht wurden“, sagt der Politologe Professor Dr. Rachid Ouaissa, der Sprecher des neuen Forschungsverbunds.

Der weitere Verlauf der verschiedenen Revolten in der Region sei zwar nicht absehbar; doch unabhängig von dem Ergebnis könne es kein einfaches Zurück geben.

Projekt hat vier Forschungsfelder

Um diese Umbrüche in ihrer Tragweite richtig einschätzen und adäquat darauf reagieren zu können, müsse die westliche Regionalwissenschaft jenseits tagespolitischer Entwicklungen den historischen Kontext des 20. Jahrhunderts sowie aktuelle geschichtspolitische Prozesse in den Blick nehmen. ­Ouaissa skizzierte die vier entscheidenden Forschungsfelder des Projektes:

Unter dem Motto „Geschichte von unten“ soll erforscht werden, wie der Alltag der Menschen in den Regionen sich durch die Umwälzungen verändert.

„Erinnerungskulturen“ heißt der zweite Schwerpunkt, wobei es unter anderem um die Frage nach dem kollektiven Gedächtnis, aber auch um die Erforschung des Schweigens geht. Dabei soll auch die Bedeutung von Kunst, Literatur, Film und Architektur erkundet werden.

Dritter Baustein ist der Bereich „Transitional Justice“. Bisher sei für Staaten wie Ägypten, Marokko oder Libyen kaum erforscht wie die Übergangsjustiz und die damit verbundene Aufarbeitung von diktatorischer Herrschaft funktioniere.

Im vierten Teilprojekt soll untersucht werden, wie Islamisten aus anderen Staaten wie der Türkei oder Malaysia, Muslime aus der europäischen „Diaspora“ oder auch globale Tendenzen wie die Weltwirtschaft oder die „Occupy“-Bewegung die Veränderungen in den Staaten der „Mena“-Region beeinflussen. Ein Methoden- und Theorieforum soll die vier inhaltlichen Schwerpunkte ergänzen. Ein Gastwissenschaftler-Programm sowie der Aufbau einer Online-Zeitschrift sind weitere Pläne für das Netzwerk.

von Manfred Hitzeroth

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