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Interviews im Lager in Uganda

Forschung Marburg Interviews im Lager in Uganda

Das Forschungsprojekt zur sexuellen Gewalt in Flüchtlingslagern wird anhand einer Fallstudie in ­einem Lager in Uganda durchgeführt.

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Grundschulkinder erhalten in Uganda Aufklärung über die Gefahren sexueller Gewalt.

Quelle: Privatfoto

Im Mittelpunkt der bisherigen Feldforschung vor Ort in Uganda standen Gespräche in einem Flüchtlingslager, in dem vorwiegend Kriegsflüchtlinge aus Uganda untergebracht sind. Von Februar bis April dieses Jahres war Dr. Ulrike Krause dort. Erhoben werden sollen dort exemplarisch grundlegende Daten zur Gewalt an Frauen in Flüchtlingslagern sowie deren Ursachen und Bedingungen.

Im Projekt wird ein Methodenmix aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Ansätzen verwendet: Dazu zählen die teilnehmende Beobachtung sowie problemorientierte und ethnographische Interviews und Gruppendiskussionen. Zudem wird der aktuelle Stand der bisherigen Forschungsliteratur eingearbeitet.

Dabei hatte Krause vor Ort die Unterstützung von einer einheimischen Psychologin, die bei den Gesprächen mit den interviewten Frauen dabei war und mit der Thematik bereits vorher befasst war. Bei aller Dramatik der Einzelschicksale der Frauen, die über Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe im Lager berichten, macht die Marburger Forscherin deutlich, dass sie dabei einen „wissenschaftlich professionellen Abstand“ wahren müsse.

Workshops und Schulungsprogramme zur Vermeidung von sexueller Gewalt gibt es beispielsweise in Uganda bereits für Schülerinnen und Schüler. Wie gut die bisherigen Präventionsprogramme der unterschiedlichen Organisationen bei der Bekämpfung der sexuellen Gewalt in den Lagern funktionieren, das wollen die Wissenschaftlerinnen in ihrem Forschungsvorhaben zwar nicht überprüfen.

Jedoch könnten die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit mit dazu beitragen, diese Programme zu verfeinern und somit sexuelle Gewaltübergriffe auf Frauen zu reduzieren, hoffen Krause und Professorin Susanne Buckley-Zistel. Die Publikationen der Ergebnisse werden auf jeden Fall Flüchtlings- und Hilfsorganisationen vorgestellt.

von Manfred Hitzeroth

 
Hintergrund

45 Millionen Menschen befinden sich weltweit auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung. Vorwiegend stammen diese Menschen aus Afrika und Asien. Die meisten dieser Flüchtlinge fliehen in Nachbarländer und verlassen ihre Heimatregionen nicht. Sie werden in Flüchtlingslagern von internationalen Organisationen betreut und versorgt.

Am Marburger Uni-Zentrum für Konfliktforschung soll die Forschung rund um Flüchtlinge in den kommenden Jahren ausgeweitet werden, kündigte Professorin Susanne Buckley-Zistel im Gespräch mit der OP an. Denn nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei den Studierenden hat das Interesse am Thema in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Marburger wollen mit Gießen kooperieren

Geplant ist dabei unter anderem eine Kooperation mit Kollegen der Justus-Liebig-Universität Gießen. Als Gründe für die verstärkte Beschäftigung der Konfliktforschung mit dem Thema nannte sie ein gestiegenes Interesse der Studierenden und die immer größere Relevanz der Flüchtlingsproblematik weltweit und auch in Deutschland.

Bereits in diesem Semester bieten Buckley-Zistel und Dr. Ulrike Krause ein gemeinsames, einjähriges Forschungsseminar mit dem Titel „Flüchtlinge und Flüchtlingssituationen II“ an der Marburger Uni an. Darin geht es um die Lebensbedingungen von Zwangsmigranten in Flüchtlingslagern oder großen Städten.

Netzwerk soll Wissen über Flüchtlinge sammeln

Zusammen mit Susanne Hassel leitet Krause auch ein Seminar an der Uni zum Thema „Kinder in konfliktbedingten Flüchtlingskontexten“. Dabei steht die Frage der internationalen Kinder- und Flüchtlingsrechte im Mittelpunkt, weil Flüchtlingskindern häufig Schutzräume und Zugänge zu Bildung fehlen. Aktuelle Debatten in der Flüchtlingsforschung sind das Thema eines weiteren Seminars, das Krause leitet. Dort werden unter anderem wissenschaftliche Texte aus der Politik- und Sozialwissenschaft sowie aus der Sozialanthropologie und den Rechtswissenschaften analysiert.

Dr. Ulrike Krause ist seit Juli diesen Jahres Teil des Organisationskreises des Netzwerks Flüchtlingsforschung. Das Netzwerk ist ein multidiszi­plinäres Netzwerk von Wissenschaftlern in Deutschland, die zu den Themen Zwangsmigration, Flucht und Asyl forschen. Zudem werden von dem Netzwerk auch relevante Informationen über Projekte und Publikationen gesammelt werden. Auf diese Weise soll eine vernetzte Flüchtlingsforschung etabliert werden.

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Sexuelle Gewalt gibt es auch in Lagern

Bedingungen, Ausmaß und Formen von sexueller Gewalt an Frauen in Flüchtlingslagern untersuchen zwei Marburger Forscherinnen in einem auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt.

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