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Fragen treffen die Lebenswelt der Schüler

Forschung Marburg Fragen treffen die Lebenswelt der Schüler

Die Studie „Speak!“ wurde mit einem Fragenkatalog 
erstellt, an dessen Erstellung Jugendliche 
mitarbeiteten.

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Rund 2700 Schüler in ganz Hessen nahmen an Studie teil. Die Ergebnisse sollen die Prävention sexueller Übergriffe verbessern.

Quelle: Berwis / pixelio.de

Marburg. Die Erziehungswissenschaftler aus Marburg und Gießen haben mit ihrem Team für die groß angelegte repräsentative Studie 2700 Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 aus 53 allgemeinbildenden Schulen in ganz Hessen befragt. Mit Vortests in Schulklassen hatten die Erziehungswissenschaftler Professorin Sabine Maschke, Professor Ludwig Stecher und ihr Team vor dem Start der Studie überprüft, ob der von ihnen vorher erarbeitete Fragenkatalog auch die Lebenswelt der Jugendlichen trifft. Die Rückmeldungen der Schüler dienten dazu, unverständlich formulierte Fragen zu modifizieren.

Oberstes Ziel der Wissenschaftler sei es gewesen, die 14- bis 16-jährigen Jugendlichen ernst zu nehmen und nicht einfach als Objekte der Befragung anzusehen. Aber auch Anregungen von Elternvertretern, Lehrern, Beratungsstellen und Hilfsorganisationen wie „Wildwasser Gießen e.V.“ flossen in die Erarbeitung der Fragen mit ein.

Speziell geschulte wissenschaftliche Hilfskräfte und Studierende übernahmen dann vorwiegend die Aufgabe, in ganz Hessen in die Klassen zu gehen und schließlich unter kontrollierten Bedingungen die kollektive Befragung vorzunehmen. Teilnehmen durften nur diejenigen Schüler, bei denen eine Einwilligung der Eltern vorlag. Nach einer Einführung in das Themenfeld folgte dann das Ausfüllen der Fragebögen.

Spannendes Themenfeld

Dabei waren alle Schüler mit Sichtschutz abgeschirmt, sodass ihre Mitschüler nicht sahen, was sie schrieben. Neben eher standardisierten Fragen habe es auch eine Anzahl von offenen Fragen gegeben, die Raum für das Schildern eigener Erfahrungen ließen, erläutert Sabine Maschke. Die Fragen seien zudem so gestellt worden, dass sie einerseits zur Aufklärung beitragen, aber andererseits bei Opfern von sexuellen Übergriffen nicht für eine Retraumatisierung sorgen sollten.

Der größte Teil der Jugendlichen habe jede der mehr als 100 Fragen sehr konzentriert und ausführlich beantwortet. Das liege auch daran, dass das Themenfeld für die Jugendlichen spannend gewesen sei, vermutet die Marburger Forscherin. Eine Kurzfassung der Ergebnisse der Studie haben auch die beteiligten Klassen zugeschickt bekommen. Jetzt hofft Sabine Maschke, dass die Studienergebnisse auch in die Erarbeitung von Präventionsprogrammen einfließen. Dabei sei es wichtig, diese auch zusammen mit Schülern zu erarbeiten.

Die Prävention müsse wohl schon beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführenden Schulen starten, wenn ab dem Alter von elf Jahren die Pubertät beginnt. Dabei solle künftig nicht nur auf die mit dem Stichwort „sexueller Missbrauch“ verbundenen, schwereren Formen der Übergriffe Wert gelegt werden. Und es solle auch nicht nur die Fixierung auf potenzielle erwachsene Täter geben, fordert Maschke. Ein Ziel müsse es sein, sexuell motivierten Beschimpfungen entgegenzuwirken – zum Beispiel durch die Stärkung der Medienkompetenz der Schüler.

von Manfred Hitzeroth

 
Hintergrund

Das hessische Kultusministerium in Wiesbaden hat die „Speak!“-Studie zum Thema „Sexualisierte Gewalt in der Erfahrung Jugendlicher“ in Auftrag gegeben. Die von Professorin Sabine Maschke (Marburg) und Professor Ludwig Stecher (Gießen) geleitete Studie wird im kommenden Schuljahr mit einem zweiten Teil abgeschlossen, in dem nach ähnlichem Muster rund 500 Schüler von Förderschulen befragt werden sollen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass sexualisierte Gewalt zur Erfahrungswelt vieler Jugendlicher gehört. Deshalb ist es für uns wichtig, Schulen als Schutz- und Präventionsorte weiter zu stärken“, bilanzierte Hessens Kultusminister Professor Ralf Alexander Lorz bei der Präsentation der Stu­dienergebnisse. Die in Auftrag gegebene Studie ist Teil des 2012 beschlossenen Aktionsplans des Landes Hessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen.

Anfang 2018 soll bei einer Tagung aller Akteure über die Umsetzung der Ergebnisse der Studie in konkrete Präventionsprogramme beraten werden.

 
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Bis hierhin und nicht weiter: Diese Grenze sollte in Sachen Berührungen gelten. Über die Erfahrung von Überschreitungen einer Grenzzone berichtete aber in einer Studie ein großer Prozentsatz der befragten Jugendlichen, vor allem Mädchen. Foto: Thorsten Richter

„Sexualisierte Gewalt in der Erfahrung Jugendlicher“: Das ist das Thema der wissenschaftlichen Studie „Speak!“.

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