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Forscher testen verschiedene Nutzungsformen

Forschung Marburg: Arnika-Projekt Forscher testen verschiedene Nutzungsformen

Mittelhessen ist die Modellre­gion für das Arnika-Forschungsprojekt: Eine große Versuchsfläche liegt im Lahn-Dill-Kreis hinter Gladenbach.

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Gärtner Harald Wilhelm gießt ein Beet mit Arnika-Pflanzen im Neuen Botanischen Garten, beobachtet von Projektmitarbeiterin Verena Grob.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Im Gladenbacher Bergland wurde bereits im vergangenen Jahr eine „Nutzungsexperiment-Fläche“ angelegt, auf der Arnika gepflanzt wurde. Auf den Experiment-Flächen sollen der Vergleich unterschiedlicher Nutzungsformen der Böden und deren Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum untersucht werden. Nebeneinander liegen vier Flächen jeweils mit einem Umfang von 8 mal 27 Metern, erläutert die Biologin Claudia Hepting.

36.000 Samen wurden von Wissenschaftlern der Universität Geisenheim ausgebracht. Verantwortlich für die ökologischen und popula­tionsgenetischen Analysen sind die Doktorandin Verena Lauströer und Dr. Sascha Liepelt (Uni Marburg).

Lauströer wird Überlebens-, Keimungs- und Wachstumsraten und die Blütenzahl der Pflanzen sowie die Artenzusammensetzung und Bodeneigenschaften erfassen. Arnika-Pflanzen benötigen eher nährstoffarmen Boden, auf dem beispielsweise Magerrasen wächst. Durch Tests soll nun herausgefunden werden, was die beste Pflege der Flächen ist.

Untergruppen erhalten spezielle „Erstpflege“

Dazu werden vier unterschiedliche Methoden getestet: Es wird entweder ein oder zwei Mal im Jahr die Versuchsfläche gemäht (extensive und intensive Mahd), und zudem werden die beiden anderen Flächen entweder ein oder zwei Mal im Jahr durch Schafe beweidet.

Innerhalb der vier Blöcke gibt es noch einmal drei Untergruppen, die vor dem Start des Experimentes eine spezielle „Erstpflege“ erhielten. Hintergrund ist die Erkenntnis der Forscher, dass „Arnica montana“ eine Pflanzenart ist, deren Keimlinge auf offene Bodenstellen angewiesen sind.

Jetzt wurde entweder die Grasnarbe entfernt oder der Boden mit einem speziellen Gerät (Vertikutierer) von Moosen und Grasfilz befreit. Zudem gibt es noch jeweils ein Kontrollfeld, das keiner Behandlung unterzogen wurde.

Im Botanischen Garten auf den Lahnbergen sind auf voneinander abgegrenzten Beeten Arnika-Pflanzen aus sechs hessischen Regionen gepflanzt worden. Ziele sind der Erhalt und die Vermehrung von Arnika-Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Samen von gefährdeten Pflanzen bedrohter Standorte, die gesammelt wurden, dienen als genetischer Grundstock für die Neuanpflanzungen.

Genetische Ursachen
 für den Rückgang

Eigens für die Bestäubung dieser Arnika-Pflanzen werden im Botanischen Garten auf den Lahnbergen sechs heimische Hummelvölker bereitgehalten. Die unter geschützten Bedingungen in Marburg gezüchteten Pflanzen sollen dann gezielt dazu genützt werden, genetisch verarmte Arnika-Bestände an Standorten in Hessen durch gezielte Neupflanzungen zu unterstützen.

Dr. Sascha Liepelt aus der Arbeitsgruppe Naturschutzbiologie der Universität Marburg will im Rahmen des Arnika-Projekts ein Überwachungssystem entwickeln, das mögliche genetische Ursachen für den Rückgang der Arnika-Bestände ergründen soll.

Denn eine Gefahr gibt es: Eine anhaltende Verringerung und Fragmentierung der Bestände könnte zu Inzuchteffekten bei den Pflanzen und einer noch größeren Gefahr des Aussterbens beitragen. Anhand von Mikrosatelliten-Markern will Liepelt die Verwandtschaftsverhältnisse der Pflanzen erfassen, um so den Grad des genetischen Austausches zu messen.

von Manfred Hitzeroth

 
Hintergrund

„Übertragbares Managementkonzept für Arnica montana“: Dies ist der Titel des Verbund-Projektes, das vom Bundesumweltministerium und dem Bundesforschungsministe­rium für die Zeit von August 2014 bis Juli 2020 mit mehr als 1,3 Millionen Euro gefördert wird. Das Projekt zur nachhaltigen Stabilisierung von Arnika-Populationen ist Bestandteil des Bundesprogramms Biologische Vielfalt sowie des Forschungsprogramms zur Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie.

Koordiniert wird das Vorhaben vom Neuen Botanischen Garten der Philipps-Universität. Projektkoordinator ist Garten-Direktor Dr. Andreas Titze. Weitere Kooperationspartner sind das Fachgebiet Naturschutzbiologie der Uni Marburg sowie das Institut für Botanik, Pflanzenökologie und Naturschutz der Universität Geisenheim.

In dem Forschungsprojekt soll ein Praxisleitfaden für Akteure im Naturschutzmanagement erarbeitet werden. Dabei geht es weniger darum, die Zahl der wild vorkommenden Arnika-Pflanzen wegen ihres Nutzens als Heilpflanzen deutlich zu erhöhen. Denn im großen Maßstab wirtschaftlich genutzt werden dürfen jene Arnika-Bestände nicht. Zu diesem Zweck müssen die Hersteller von Massageölen oder Einreibetinkturen vielmehr auf speziell für die Nutzung kultivierte Arnika-Felder in Deutschland oder auf Vorkommen in anderen Regionen 
wie den rumänischen Karpaten zurückgreifen.

 
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Dem Rückgang der Arnika-Bestände in den ländlichen Gebieten unterhalb von 500 Metern soll ein Projekt entgegenwirken, das in Marburg koordiniert wird.

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