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Ein bisschen zappelig oder schon krank?

Marburger ADHS-Forschung Teil 1 Ein bisschen zappelig oder schon krank?

Zwei Wissenschaftlerinnen der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie machen sich auf die Suche nach den Ursprüngen der ADHS, um Kindern zu helfen, bevor große Probleme auftreten.

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Spielerische Tests: Becker (l.) und Pauli-Pott mit ihrem Forschungsmaterial.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Was der Volksmund auch flapsig als Zappelphilipp-Syndrom bezeichnet, ist für die betroffenen Kinder oft mit vielen Problemen verbunden. Die kleinen ADHS-Patienten können sich nur schwer konzentrieren, lassen sich leicht ablenken und haben dabei einen starken, unbeherrschbaren Bewegungsdrang. Die Folge sind meist massive Probleme in der Schule und Freunde zu finden, wird nahezu unmöglich. Die Erkrankung fällt meist erst mit der Einschulung auf, weil die Kinder sich in der Klasse zum ersten Mal ausdauernd auf eine Aufgabe konzentrieren müssen, das ganze im Sitzen: „Im Alter von 6 bis 7 Jahren wird häufig die Diagnose ADHS erstmalig gestellt, weil es dann zu den großen Problemen in der Schule kommt“, sagt Katja Becker, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Erste Anzeichen schon früh

Risikofaktoren und erste Anzeichen lassen sich allerdings schon im Kindergartenalter erkennen. Das wissen Pauli-Pott und Becker aus einer gemeinsamen Pilotstudie mit über 100 Kindern in ihrem Institut in Marburg. Im Alter von etwa vier Jahren reifen im Gehirn die Regionen, die es Kindern ermöglichen, eine Belohnung auch mal aufzuschieben und einen Impuls auf ein Signal hin zu unterdrücken.

Kinder, die Probleme damit haben, stufen die Wissenschaftlerinnen als „Risikokinder“ ein. In ihrer Pilotstudie hat das Forscherinnenteam unter anderem untersucht, welche Tests sich eignen, um vom Verhalten der Kinder auf eine mögliche Gefährdung zu schließen.

Das ganze geschieht spielerisch: Da suchen sich die Probanden etwa Süßigkeiten aus - müssen aber ein bisschen warten, bis sie die ersehnten Gummibärchen bekommen. Die Fähigkeit zur Unterdrückung einer gebahnten Reaktion entwickelt sich im Vorschulalter und wie gut diese entwickelt ist, zeigt sich z.B. auch bei manchen alten Kinderspielen wie „Alle Vögel fliegen hoch“ oder „Kommando Pimperle“.

Studien weisen daraufhin, dass nur rund die Hälfte der Kinder, die bereits im Alter zwischen drei und sechs Jahren Symptome aufweisen, auch eine ADHS entwickeln. Außerdem scheint die unterschiedliche Ausprägung von Auffälligkeiten auf unterschiedliche Ursachen der späteren ADHS hinzuweisen. „Es deutet sich an, dass sich eine Aufmerksamkeitsstörung, die auf eine genetische Disposition zurückzuführen ist, anders ausprägt als eine, die etwa durch eine während der Schwangerschaft rauchende Mutter oder andere Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen verursacht wurde“, sagt Ursula Pauli-Pott.

Pauli-Pott und Becker wollen mehr über die Unterschiede herausfinden, in der Hoffnung irgendwann Eltern besser beraten zu können. „Ziel soll es auch sein, die Kinder zu erkennen, die trotz Aufmerksamkeitsstörung keine ADHS entwickeln werden, um die Eltern beruhigen zu können“, so Becker. Durch eine frühere Differenzierung könnte dann den ADHS-Risikokindern schon im Kindergartenalter eine Förderung zuteil werden, mit der sich die sozialen und schulischen Folgeprobleme vermeiden lassen.

von Tim Gabel

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Mit Laserschwert und Fußball gegen ADHS

Im Fachbereich Klinische Psychologie der Uni Marburg laufen gleich zwei ADHS-Studien. Man interessiert sich für die Allerkleinsten und versucht mit ungewöhnlichen Methoden die Gehirne der Kinder zu trainieren.

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